Schachfigur
Gudrun Lux über den Katholikentag

Wir brauchen eine Reform!

Gudrun Lux über den Katholikentag

Von Gudrun Lux |  Bonn - 30.05.2016

Selbstverständlich geben sich bei den Katholikentagen Spitzenpolitiker und Spitzenpolitikerinnen die Klinke in die Hand. Die "großen Podien" mit ihnen waren einst Garanten für überfüllte Säle. Das ist vorbei. Weder Innenminister noch Arbeitsministerin lockten in Leipzig die Massen. Im Gegenteil: Es war manches Mal peinlich, wie wenig Publikum kam. Das gestehen im kleinen Kreis selbst die Organisatoren vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ein.

Ist es Desinteresse an der Politik? Auf einem hochpolitischen Katholikentag wie dem Leipziger ist dies kaum zu vermuten. Vielleicht sind die Menschen der Podiumsdiskussionen überdrüssig, die doch oft wenig kontrovers sind, dafür gern an eine Art Frontalunterricht erinnern. Der persönliche Austausch, das persönliche Zeugnis interessieren mehr als längst vielfach geschriebene und gesendete Floskeln: Die Menschen zog es auf die Straßen und Plätze, zu kleinen Workshops und Gesprächsrunden, zu Gottesdiensten und biblischen Impulsen – bis auf den letzten Platz besetzt war übrigens auch der Impuls mit Winfried Kretschmann.

Dass die Spitzenpolitik vor Ort ist, darauf sollte ein Katholikentag mit dem Anspruch gesellschaftlicher Relevanz nicht verzichten. Doch ein "das machen wir immer so" lähmt und kann schnurstracks in die Bedeutungslosigkeit führen. In welcher Form Debatten, Auseinandersetzung und das Ringen um das Beste geschehen, muss ohne übertriebene Rücksicht auf Eingespieltes und Eingeschliffenes hinterfragt und neu probiert werden.

Ein Teilnehmer des allerersten Katholikentags, der die vergangenen Tage in Leipzig erlebt hätte, würde wohl kaum glauben, auf der gleichen Veranstaltung zu sein: die unüberschaubare Vielzahl an Formaten und Themen, das bunte Durcheinander von Menschen aller Altersgruppen und Milieus. Selbst Frauen spielen inzwischen eine relevante Rolle. Die Welt hat sich massiv verändert seit 1848 – und die Katholikentage mit ihr. Das ist richtig so, wenn Katholikentage die Welt aus dem Glauben heraus gestalten und Impulse für Gesellschaft und Kirche geben wollen.

Um diesem Selbstbild gerecht zu werden, müssen sich die Katholikentage auch jetzt ändern, sich neu erfinden und im besten Sinne zeitgemäß sein. Der neue Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, scheint dazu bereit. Viele, die ihm ihre Stimme gegeben haben, berichten: Den Ausschlag für ihre Wahlentscheidung habe gegeben, dass Sternberg eine Vision habe, wo es mit dem politischen Katholizismus in Deutschland hingehen könnte. Der Katholikentag 2018 in seiner Heimatstadt Münster kann ein wichtiger Baustein dafür sein.

Die Autorin

Gudrun Lux ist freie Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin in München.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Gudrun Lux