Bei einem Zugunglück in der Nähe des spanischen Wallfahrtsortes Santiago de Compostela sind am Abend des 24. Juli 2013 mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen.
77 Menschen sterben bei Zugunglück in Santiago de Compostela

Der Tod kam auf der Pilgerfahrt

Zugunglück - Bei einem schweren Zugunglück im nordwestspanischen Santiago de Compostela sind laut spanischen Medien mindestens 77 Menschen ums Leben gekommen. Rund 140 seien verletzt worden. Berichten zufolge entgleiste am Abend ein Schnellzug aus Madrid kurz vor dem Bahnhof der Regionalhauptstadt Galiciens. An Bord befanden sich nach Angaben der staatlichen Eisenbahngesellschaft Renfe neben dem Zugpersonal 218 Reisende.

Santiago de Compostela - 25.07.2013

Das Unglück ereignete sich am Vorabend des Festtages des Patrons der galizischen Pilgerstadt und ganz Spaniens, des heiligen Jakobus. Es wird vermutet, dass auch Wallfahrer an Bord des entgleisten Schnellzuges waren.

Am Vormittag wird Ministerpräsident Mariano Rajoy am Unglücksort erwartet. Der Erzbischof des Wallfahrtsortes Santiago, Julian Barrio, bekundete den Verletzten und Hinterbliebenen sein Mitgefühl.

Seit dem 10. Jahrhundert ist Santiago de Compostela ein berühmter Wallfahrtsort. Die Kirche Jakobus des Älteren wurde am 25. Juli 816 eingeweiht. Der 25. Juli ist der Gedenktag des Heiligen, dessen Gebeine um das Jahr 70 zunächst auf den Sinai und schließlich im 8. Jahrhundert zum Schutz vor den Sarazenen nach Spanien gebracht worden sein sollen.

Santiago de Compostela ist der bedeutendste Wallfahrtsort Spaniens und eines der beliebtesten Ziele für Pilger aus aller Welt.
Bild: © KNA

Santiago de Compostela ist der bedeutendste Wallfahrtsort Spaniens und eines der beliebtesten Ziele für Pilger aus aller Welt. Die Hauptstadt der autonomen Region Galizien im äußersten Nordwesten Spaniens beherbergt das Grab des heiligen Jakobus - dem spanischen Nationalheiligen - und ist Endpunkt des Jakobsweges, einem seit dem Mittelalter existierenden Pilgerweg durch ganz Europa.

Am Wochenende sollte in dem international bekannten Pilgerort ein großes Fest stattfinden. Nach dem Unglück wurden die Feiern mittlerweile abgesagt.

Politik und Kirche kondolieren

Auch Papst Franziskus hat sich betroffen über das Bahnunglück mit vielen Toten in Spanien gezeigt. Der Papst sei über den Unfall informiert worden, im Schmerz mit den Familien und Angehörigen der Opfer verbunden und bete für sie, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Mittwochabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro, wo sich Franziskus bis Sonntag anlässlich des Weltjugendtages zu seiner ersten Auslandsreise aufhält. Lombardi bat vor Beginn der täglichen Pressekonferenz um eine Gedenkminute für die Opfer des Schnellzug-Unglücks.

Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart hat seinem Amtsbruder Erzbischof Julian Barrio sein Beileid ausgesprochen. Er sei in Gedanken und Gebeten mit den Opfern, schreibt Bischof Fürst in einem Kondolenzbrief an Barrio.

Die Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Santiago de Compostela sind auf vielfältige Weise verbunden. Die Diözesanwallfahrt 2008 führte mit über 400 Teilnehmern über wichtige Pilgerorte des Jakobswegs zur Kathedrale von Santiago. Auf Initiative der württembergischen Diözese und der im Jahr 2000 gegründeten Jakobusgesellschaft wurde in dem galizischen Wallfahrtsort eine inzwischen von der Deutschen Bischofskonferenz geförderte Seelsorgestelle für deutschsprachige Pilger eingerichtet.

In einem Schreiben an den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy drückte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Beileid aus. "Ich möchte Ihnen und Ihren Landsleuten in diesen Stunden des Schmerzes die Anteilnahme der Menschen in Deutschland und mein ganz persönliches Mitgefühl ausdrücken", so Merkel. (meu/KNA/dpa)