Polizei räumt Kirche nach Protesten gegen Abriss
Das Gotteshaus Sainte Rita in Paris soll einem Parkplatz weichen

Polizei räumt Kirche nach Protesten gegen Abriss

Die Polizei hat die besetzte Pariser Sainte-Rita-Kirche angeblich "ohne Zwischenfälle" geräumt. Die Bilder in den Sozialen Netzwerken zeigen allerdings ein rabiates Vorgehen gegen einen Geistlichen.

Paris - 04.08.2016

Die Evakuierung sei "ohne Zwischenfälle" abgeschlossen worden, zitiert die Zeitung "Le Figaro" aus einer Erklärung der Polizei. Unterdessen kursierten auf Facebook und Twitter Bilder von Demonstranten und einem Mann im Priestergewand, die von schwer bewaffneten Polizeikräften aus der Kirche gezerrt wurden.

Kritik an der Aktion kam unter anderen aus den Reihen konservativer Politiker. Es habe sich um eine "unwürdige Evakuierung" gehandelt, zitierten französische Medien am Donnerstag aus einer Stellungnahme der Republikaner im Pariser Gemeinderat. Politiker des rechtsextremen Front National (FN) warfen der Regierung "Doppelmoral" vor. Ein entsprechendes Vorgehen gegen Moscheen habe er noch nicht erlebt, zitierte der Sender BFM den stellvertretenden FN-Vorsitzenden Florian Philippot. Ähnlich hatte sich zuvor auch die Parteivorsitzende Marine Le Pen auf Twitter geäußert. Der Zeitpunkt der Räumung am Tag nach der Trauerfeier für den ermordeten Priester Jacques Hamel sei empörend, hieß es unter anderem auf Twitter.

Bereits im Mai hatte das zuständige Verwaltungsgericht in Paris grünes Licht für die Räumung gegeben. Zuvor hatte es mehrere Eingaben gegen das Projekt gegeben, unter anderem von der Gemeinde und dem Bürgermeister des 15. Arrondissements, Philippe Goujon. Zu den prominenten Gegnern des Abrisses zählt auch die ehemalige Schauspielerin und prominente Tierschützerin Brigitte Bardot.

In Sainte Rita war es Besuchern lange Zeit sonntags gestattet, ihre Haustiere mitzubringen und segnen zu lassen. Besonders bekannt war der Gottesdienst zu Ehren des heiligen Franz von Assisi Anfang Oktober, zu dem oft Tausende Menschen anreisten, manchmal sogar mit Dromedaren, Zebras oder Affen.

Die Gemeinde der vom Vatikan nicht anerkannten "katholischen gallikanischen Kirche" ("Eglise Catholique Gallicane") hatte das Gebäude 1988 gemietet, nachdem es zuvor jahrelang leer gestanden hatte. 2012 wurde die Kirche an einen Immobilieninvestor verkauft. Die unklare Rechtspersönlichkeit des Mieters war ein Grund für die Niederlage der Gallikaner-Gemeinde. Nachdem die für die Bewahrung des städtischen Kulturerbes zuständige Kommission in Paris dem Bauprojekt zugestimmt hatte, wurde die Abrissgenehmigung erteilt. 2015 wurde mit den Bauarbeiten begonnen.

Im März 2015 mussten der selbsternannte gallikanische "Erzbischof" Dominique Philippe und seine Anhänger die Kirche dann verlassen, weil sie seit Monaten die Miete nicht mehr zahlten. Schließlich formierte sich ein Widerstand gegen den Abriss der Kirche. Dabei mischten sich unter anderem Anhänger aus dem traditionalistisch-katholischen Milieu, etwa dem "Institut du Bon Pasteur", unter die Protestler und besetzten schließlich das Gotteshaus. (bod/kim/KNA)

04.08.2016, 15.44 Uhr: aktualisiert um Details zu den Protestlern
04.08.2016, 18:05 Uhr: ergänzt um Stellungnahmen der Republikaner und des Front Naional