Wie Banditen und Terroristen eine ganze Region im Griff haben

Rote Zone Sahel

Aktualisiert am 16.08.2016  –  Lesedauer: 
Zwei Soldaten und einige Kinder vor einem ärmlichen Haus.
Bild: © KNA
Terrorismus

Djibo ‐ In Mali sorgen Islamisten und kriminelle Banden seit Jahren für Angst und Schrecken. Das wirkt sich längst auch auf Nachbarländer wie Burkina Faso aus. Doch Unterstützung für die Bevölkerung gibt es kaum.

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Für Entsetzen und Unruhe in der malischen Regierung sorgte vor knapp vier Wochen der Anschlag auf das Militärcamp von Nampala kurz vor der mauretanischen Grenze. Im gerade veröffentlichten Untersuchungsbericht heißt es, dass 17 Soldaten ums Leben gekommen und sechs entführt worden seien. Weitere 37 Personen wurden den Angaben zufolge verletzt.

15.000 Soldaten für Malis Stabilität

Dabei sind aktuell im Rahmen der UN-Misson Minusma zur Stabilisierung von Mali mehr als 15.000 Soldaten stationiert. Etwa zur gleichen Zeit startete im Frühjahr 2013 auch die Ausbildungsmission der Europäischen Union (EUTM). Mittlerweile sind in Koulikoro, einer Kleinstadt gut 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako, rund 8.000 und somit zwei Drittel aller malischen Soldaten ausgebildet worden. An beiden Einsätzen ist die Bundeswehr beteiligt.

Linktipp: Das letzte Mittel

Die Entscheidung der Bundesregierung, den militärischen Einsatz Frankreichs in Mali logistisch zu unterstützen ist nach Ansicht der katholischen Militärseelsorge gerechtfertigt. Die Kirche stehe für den "gerechten Frieden" ein und als Mitglied der Völkergemeinschaft trage Deutschland auch Verantwortung für die Menschen in Afrika, sagte Militärgeneralvikar Walter Wakenhut katholisch.de am Mittwoch in Berlin. (Artikel von 2013)

Doch Houssaini Tamboura spürt davon nichts. Er berichtet, dass die Sicherheitslage schlechter werde. Im Norden Malis, der seit Ende 2011 durch Tuareg-Aufstand, Staatsstreich sowie Besatzung durch mehrere Islamisten-Bewegungen immer stärker in die Krise geriet, machen sich mittlerweile auch zahlreiche Banditengruppen breit. Zudem kommt es innerhalb der Terrororganisationen zu Spaltungen, wodurch immer neue Fanatiker-Bewegungen entstehen. "Man kann heute kaum noch sagen, wer hinter einem Anschlag steckt", sagt Tamboura.

Diese Entwicklung wirkt sich auf Burkina Faso aus. Mitte Januar kam es zu aufsehenerregenden Anschlägen auf das Splendid Hotel sowie das Cafe Cappuccino in der Hauptstadt Ouagadougou. Parallel dazu wurde in Djibo ein australisches Ehepaar entführt. Die Elliotts hatten seit den 1970er Jahren in der Stadt gelebt und dort die grundlegende Gesundheitsversorgung mit aufgebaut. Nun steht ihr Krankenhaus leer, in dem bis zu 120 Patienten behandelt werden können. Jocelyn Elliott wurde inzwischen freigelassen vom Terrornetzwerk AQMI (Al-Kaida im islamischen Maghreb). Von ihrem Mann fehlt bis heute jede Spur.

In Djibo sorgt das noch immer für Entsetzen. Ken Elliott war beliebt, sein Krankenhaus zog sogar Patienten aus Nachbarländern an. Doch seit seiner Entführung hat sich das gesellschaftliche Klima verändert. "Wir leben in der roten Zone", sagt ein hochrangiger Polizist, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er gibt zu, dass es für ihn und seine Mitarbeiter schwierig sei, für Sicherheit zu sorgen.

Malische Flüchtlinge in einem Lager in Burkino Faso.
Bild: ©picture alliance/APA/picturedesk.com/HELMUT FOHRINGER

Malische Flüchtlinge in einem Lager in Burkino Faso.

Die Region am Rande der Sahelzone ist dünn besiedelt, die Straßen sind eher Holperpisten und in der Regenzeit kaum passierbar. Zwar gilt die Grenze auf burkinischer Seite als einigermaßen gut gesichert. Doch lassen sich problemlos Schlupflöcher finden.

"Sicherheit ist geht uns alle an"

"Sicherheit ist geht uns alle an", sagt Boureima Hamadou Dicko. Er ist frisch gewählter Bürgermeister von Baraboule, einer Kleinstadt, die zwischen Djibo und der malischen Grenze liegt. Seiner Meinung nach sind von offizieller Stelle bereits viele Maßnahmen ergriffen worden. Nun sei die Bevölkerung gefragt. Geht es nach Dicko, dann sollen Bewohner beispielsweise Neuankömmlinge ganz genau betrachten und ungewöhnliche Beobachtungen melden. "Wenn sich alle verantwortlich fühlen, dann wird unsere Gegend auch wieder sicherer."

Für Houssaini Tamboura ist das nur ein schwacher Trost. Er denkt an die nächste Fahrt nach Mali. In zwei Tagen soll es wieder über die Grenze gehen. "Wir werden ziemlich allein gelassen", kritisiert der Kraftfahrer. "Ich selbst hatte bisher Glück und bin nie überfallen worden", sagt er. Doch wie lange es noch gutgeht, das weiß er nicht.

Von Katrin Gänsler (KNA)