Indische Caritas stellt gezielt Transsexuelle ein
Indischer Wohlfahrtsverband kämpft gegen Diskriminierung

Indische Caritas stellt gezielt Transsexuelle ein

Schon in früheren Zeiten waren Transsexuelle in Indien durchaus akzeptiert, seit 2014 sind sie offiziell als "drittes Geschlecht" anerkennt. Nun will auch die Kirche sie noch besser integrieren.

Neu Delhi - 11.10.2016

Caritas Indien will in Zukunft als Teil ihrer Antidiskriminierungsprogramme gezielt transsexuelle Männer und Frauen einstellen. "Die Caritas ist bereit, mit Transsexuellen zu arbeiten", sagte Frederick D'Souza, geschäftsführender Direktor der Caritas, am Dienstag dem asiatischen katholischen Pressedienst Ucanews. Sein Stellvertreter Paul Moonjely ergänzte, die Entscheidung zur Einstellung von Transsexuellen sei nicht aus heiterem Himmel gefallen. Die Caritas biete schon länger Hilfsprogramme für Transsexuelle, sagte Moonjely, räumte aber ein, diese seien in der Vergangenheit wenig erfolgreich gewesen.

Laut der Volkszählung von 2011 leben in Indien 500.000 Hirjas, wie Transsexuelle in Indien genannt werden. Experten gehen nach Angaben von Ucanews von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus. Hirjas sind in Indien häufig Diskriminierungen ausgesetzt und werden vom gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Es gibt jedoch Bestrebungen, ihre Rechte zu stärken. 2014 wurden Transsexuelle durch ein Urteil des höchsten Gerichts des Landes offiziell als "drittes Geschlecht" anerkannt. Zudem verfügten die Richter, dass Transsexuelle in die Gleichstellungsprogramme auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssystem einbezogen werden müssen. Das Parlament berät seit August ein Antidiskriminierungsgesetz für Transsexuelle.

Transexualität war historisch weitgehend akzeptiert

Dem Bericht zufolge waren Hirjas in früheren Zeiten in der indischen Kultur weithin akzeptiert. In den Veden, den ältesten Schriften des Hinduismus, werden sie als Menschen mit weiblichen und männlichen Eigenschaften beschrieben. Von der früheren Akzeptanz zeugt heute noch die Tradition, Hochzeiten, Hauseinweihungen und die Geburt von Söhnen von Hirjas segnen zu lassen. Während der Herrschaft der islamischen Mogulkaiser über Indien spielten die Hirjas eine wichtige Rolle in der Verwaltung des Kaiserhofs und dienten als kaiserliche Wächter. (KNA)