Die chinesische Flagge.
Chinesischer Kardinal warnt Vatikan vor Abkommen mit Peking

Kardinal Zen: "Falsche Bischöfe" nicht anerkennen

Kommunismus - In China gibt es vom kommunistischen Staat geweihte Bischöfe, die der Vatikan nicht anerkennt. Nun verdichten sich Hinweise, dass sich das ändern könnte - doch davor warnt der chinesische Kardinal Zen.

London - 05.11.2016

Der chinesische Kardinal Joseph Zen Ze-kiun hat den Vatikan eindringlich vor einem Abkommen mit der Regierung in Peking gewarnt. Eine Anerkennung "falscher Bischöfe" würde einer "Kapitulation" gleichkommen und die Kirche zerstören, zitiert die britische Zeitung "Catholic Herald" (Online-Ausgabe) aus einem Interview des Kardinals. Der Handel, der im Raum stehe, sei "absolut unannehmbar". Über die von der chinesischen Regierung ernannten Bischöfe könnte der Staat Einfluss auf die Kirche nehmen, warnte Zen.

Durch Kommunisten vorgenommene Weihen ungültig

Zuletzt verdichteten sich Berichte, Papst Franziskus sei bereit, mehrere exkommunizierte chinesische Bischöfe wieder aufzunehmen. Bislang erkennt die Volksrepublik einige vom Papst ernannte Bischöfe nicht an; für den Vatikan sind hingegen durch die Kommunisten vorgenommene Bischofsweihen nicht gültig. Hintergrund der Differenzen um Bischofsernennungen und -weihen in China ist eine Besonderheit des chinesischen Katholizismus: Neben einer regimenahen und staatlich zugelassenen "Patriotischen Vereinigung der Katholiken Chinas" gibt es die sogenannte Untergrundkirche in Gemeinschaft mit dem Papst. Die "patriotischen Christen" können mit staatlicher Erlaubnis aktiv sein. Gegen die Mitglieder der Untergrundkirche kommt es dagegen regelmäßig zu staatlichen Sanktionen.

Der 84 Jahre alte Kardinal Zen zählt zu den kirchenpolitisch prägendsten katholischen Kirchenvertretern Asiens. Von 2002 bis 2009 war er Bischof von Hongkong. Über seine Amtszeit hinaus ist der Ordensmann der Salesianer Don Boscos einer der prominentesten Kritiker der chinesischen Regierung und ihrer Religionspolitik. (KNA)

Linktipp: Chinas Christen unter verschärfter Kontrolle

Mit immer neuen Regelungen und Gängeleien versucht die chinesische Regierung, die Religionsgruppen im Land unter Kontrolle zu halten. Das bekommen derzeit vor allem die Katholiken zu spüren.