Thomas Sternberg
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ZdK-Präsident für mehr ökumenisches Engagement in Gesellschaft und Politik

"Als Christen gemeinsam auftreten"

Laien - Thomas Sternberg hat die Christen zu mehr ökumenischem Engagement aufgerufen. Außerdem äußerte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zum Streit um "Amoris laetitia".

Bonn - 18.11.2016

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat Katholiken und Protestanten zu mehr gemeinsamem Engagement in Gesellschaft und Politik aufgerufen. "Angesichts der zunehmenden religiös-weltanschaulichen Pluralisierung wird es immer dringlicher, dass wir als evangelische und katholische Christen möglichst oft zusammen stehen und auftreten", sagte Sternberg am Freitag bei der Vollversammlung des ZdK in Bonn. "Unsere vordringliche Aufgabe als Christenmenschen in gesellschaftlicher Verantwortung ist der Dienst, die Förderung des Gemeinwohls."

Dies gelte gerade auch angesichts des Reformationsgedenken. "Als katholische Frauen und Männer können und werden wir dieses besondere Gedenkjahr mitbegehen und mitfeiern", unterstrich der ZdK-Präsident. In den Gemeinden, Verbänden und Initiativen vor Ort gelinge Ökumene besonders gut. Gerade deshalb stelle sich immer drängender die Frage, wie die Christen ökumenisch aufgestellt sein müssten und welche Hausaufgaben sie zu machen hätten, damit der gemeinsam aufgetragene Dienst gelinge.

Den christlichen "Markenkern" definieren

Diese Herausforderung sieht Sternberg gerade auch hinsichtlich zahlreicher Diskussionen über das "christliche Abendland" oder das "christlich-jüdische Erbe" in Deutschland und Europa. "Wir sollten fragen, was denn genau man darunter versteht. Es läge doch nahe, wenn wir als Christen unseren 'Markenkern' definieren und sagen, was das Christliche an diesem Abendland ausmacht." Zum kulturellen Erbe gehören aus Sternbergs Sicht Humanität, eine prinzipielle Offenheit für andere und Dialogfähigkeit gegenüber anderen. "Christsein heißt immer auch Weltbürgerin und Weltbürger zu sein", so Sternberg.

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Bischof Fürst tritt als Geistlicher Assistent des ZdK ab. Seine Bilanz und einen Ratschlag an seinen Nachfolger gibt er im Interview.

Mit Blick auf die aktuelle kirchenpolitische Debatte forderte Sternberg ein klares Bekenntnis zum päpstlichen Schreiben "Amoris laetitia". Dabei sieht der ZdK-Präsident in der Frage der Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten vor allem die deutschen Bischöfe in der Pflicht. "Mit besonderer Spannung blicken wir darauf, ob es eine gemeinsame Bewertung der Aussagen zur Zulassung von geschiedenen und wiederverheirateten Gläubigen zu den  Sakramenten geben wird", so Sternberg vor der Vollversammlung.

Ausdrücklich kritisierte der 64-Jährige in diesem Zusammenhang den zu Beginn der Woche bekannt geworden Brief von vier Kardinälen an Papst Franziskus. Die Autoren unterliefen mit dem Brief den Perspektivwechsel des Heiligen Vaters "auf den Vorrang der Barmherzigkeit", betonte der ZdK-Präsident. "Das erinnert mich an die Verletzung der Kollegialität in der Frage der Schwangerschaftskonfliktberatung. Da werden Wunden nicht geheilt sondern aufgerissen. Das schadet unserer Kirche und unserer Glaubwürdigkeit."

Im Rahmen der Vollversammlung wurde der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst nach 16 Jahren als Geistlicher Assistent des ZdK verabschiedet. Als Bischof des Bistums Rottenburg-Stuttgart habe Fürst den katholischen Laien einen bedeutenden Teil seiner Zeit und Kraft gewidmet, so Sternberg. "Wir wissen, dass Sie immer wieder in dem Spannungsfeld unterschiedlicher Positionen und Erwartungen in der Deutschen Bischofskonferenz und im ZdK standen. Deshalb werden wir für Ihr Engagement und Ihr vermittelndes Verständnis stets besonders dankbar sein", unterstrich der ZdK-Präsident.

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Erzbischof Heße ist der neue Geistliche Assistent des ZdK. Das sind seine Pläne als Verbindungsmann zwischen dem Laienkomitee und den Bischöfen.

Heße neuer Geistlicher Assistent des ZdK

Fürst habe sich immer wieder beispielhaft für eine Klärung schwieriger innerkirchlicher Fragen eingesetzt, indem er unter anderem für einen barmherzigeren Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen eingetreten sei, für weitere Schritte in der Ökumene geworben und sich für eine bessere Stellung der Frau im kirchlichen Leben ausgesprochen habe. Besonders würdigte der ZdK-Präsident Fürsts erfolgreichen Bemühungen um Transparenz in Fragen der Kirchenfinanzen. "Wir sind dankbar für Ihren Einsatz in der Öffentlichkeit, vor allem auch für Ihr glaubwürdiges Zeugnis des großen Beitrags, den die Kirche für die Gesellschaft unseres Landes leistet."

Fürsts Nachfolger im Amt des Geistlichen Assistenten ist der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Der 50-Jährige war bereits Ende September bei der Herbst-Vollversammlung der Bischofskonferenz für diese Aufgabe bestellt worden. Aufgabe des Geistlichen Assistenten ist es, das Zentralkomitee in geistlichen und theologischen Fragen zu beraten und in besonderer Weise den Kontakt zur Bischofskonferenz zu halten. Der Geistliche Assistent nimmt mit beratender Stimme an den Vollversammlungen des ZdK und den Sitzungen von Präsidium und Hauptausschuss teil. (stz)

Stichwort: Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist die Dachorganisation der katholischen Laien in der Bundesrepublik. Es vertritt sie bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung und ist das von der Bischofskonferenz anerkannte Organ zur Koordinierung des Laienengagements. Das ZdK ging aus dem 1868 gebildeten Zentralkomitee zur Vorbereitung der Deutschen Katholikentage hervor und ist auch heute für Planung und Durchführung dieser Veranstaltungen verantwortlich. Das Generalsekretariat des ZdK sitzt in Bonn. Organe des ZdK sind außer der Vollversammlung der Präsident, das Präsidium und der Hauptausschuss. Für Sachbereiche gibt es Sprecher. Der halbjährlich tagenden Vollversammlung gehören rund 220 Mitglieder an, darunter je 3 Vertreter der 27 Bistümer, 3 Delegierte für die Militärseelsorge und 3 Vertreter der muttersprachlichen Gemeinden. 97 Mitglieder repräsentieren Organisationen, Verbände und geistliche Gemeinschaften. Zudem können alle vier Jahre von der Vollversammlung bis zu 45 Personen des öffentlichen Lebens ins ZdK gewählt werden. (KNA)