In Luxemburg plant die neue Regierung die Abschaffung des Religionsunterrichts

Stürmische Zeiten

Aktualisiert am 10.12.2013  –  Lesedauer: 
Bildung

Luxemburg ‐ Seit dem 4. Dezember hat Luxemburg eine neue Regierung. Aber noch bevor das Kabinett rund um den liberalen Premierminister Xavier Bettel gebildet worden war, hatten die Koalitionäre öffentlich verkündet, den Religionsunterricht abzuschaffen. Katholiken laufen dagegen Sturm. Auch aufgrund anderer Pläne.

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Die vorgezogenen Parlamentswahlen im 500.000 Einwohner zählenden und mehrheitlich katholischen Großherzogtum hatte Mitte Oktober nicht nur eine politische Wende gebracht, sondern auch einen rauen Wind für die Kirche. Nicht nur beim Religionsunterricht. Ebenso soll die religiöse Zeremonie am Luxemburger Nationalfeiertag – das Herzstück der offiziellen Feier des Geburtstages von Großherzog Henri – durch einen zivilen Akt ersetzt werden.

Nach der derzeitigen Gesetzeslage wird der Religionsunterricht sowohl in der Grundschule als auch in der Sekundarschule als Wahlfach angeboten. Die neue Regierung möchte nun jedoch einen allgemeinen Werteunterricht einführen. "Die katholische Kirche in Luxemburg sieht sich vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne dass ein Dialog stattgefunden hat", sagt der Generalvikar des Erzbistums Luxemburg, Erny Gillen.

Mehrheit für die Wahlfreiheit

Einen Tag nach Amtsantritt der neuen Regierung stellte das Erzbistum Luxemburg die Ergebnisse einer Umfrage über Religion und Wertevermittlung im Großherzogtum vor. Danach sprechen sich 72 Prozent der Bevölkerung für die Beibehaltung der Wahlfreiheit zwischen Religions- und Werteunterricht in den Schulen aus. 79 Prozent wollen überdies, dass die Religionsfreiheit genau wie die Meinungsfreiheit in der Verfassung verankert wird. Die Schüler sollten weiterhin zwischen Religions- und Werteunterricht wählen können, meinen auch das Schulreferat des Erzbistums und die Vereinigung der Religionslehrer.

Bild: ©Erzbistum Luxemburg

Jean-Claude Hollerich ist seit 2011 Erzbischof von Luxemburg.

Zahlreiche Eltern haben sich zudem zur Initiative "Fir de Choix" (Deutsch: Für die Wahlfreiheit) zusammengeschlossen, die das Recht auf Wahlfreiheit als ein demokratisches Prinzip einfordert. Religion dürfe nicht in die Privatsphäre verbannt werden. Deshalb gehöre Religion zu einer ganzheitlichen Bildung, lauten die Aussagen besorgter Eltern. In der kommenden Woche startet die Initiative deshalb eine großangelegte Unterschriftenaktion.

Doch nicht nur Eltern, auch Kinder melden sich zu Wort. Zum Beispiel der sechsjährige David, der dem neuen Regierungschef einen Brief schrieb. Er sei für den Religionsunterricht, denn im Fach Religion würde man über Heilige sprechen, und Heilige seien wichtig.

Erzbischof: Missachtung der Demokratie

Die Abschaffung des Religionsunterrichts bezeichnet der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich als "Missachtung der Demokratie". Der angedachte Werteunterricht sei ein "Einheitsbrei", der den gelebten Pluralismus im Großherzogtum ausklammere. Der Oberhirte der katholischen Kirche im Großherzogtum stellte zudem die Frage, was für Werte denn der Staat vermitteln wolle.

Zum jetzigen Zeitpunkt fehlt ein klares Konzept für den geplanten Werteunterricht. Premierminister Bettel, der in seiner Jugend den katholischen Pfadfindern angehörte, möchte jedenfalls die Religionslehrer nicht auf die Straße setzen, sondern auf den Werteunterricht umpolen. Widerstand dürfte programmiert sein.

Von Marc Jeck