Papst Franziskus segnet die Pilger am Ende der Generalaudienz im Vatikan am 11.12.2013 auf dem Petersplatz
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Papst Franziskus bittet um Spenden für Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat

"Vom Überfluss geben"

Hilfswerke - Papst Franziskus hat die Deutschen mit einer ungewöhnlichen Geste um eine großzügige Weihnachtsspende für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat gebeten. "In Europa, wo Wohlstand herrscht, ist uns manchmal nicht bewusst, wie groß die Armut in der Welt ist", schreibt Franziskus in einer am Montag verbreiteten Botschaft. Die Armen brauchten Unterstützung. "Vergessen wir sie nicht und geben wir ihnen von unserem Überfluss", so der Papst; damit helfe man mit, "eine gerechtere Welt aufzubauen".

Essen/Vatikanstadt - 23.12.2013

Adveniat leiste wie die anderen kirchlichen Hilfswerke seit vielen Jahren eine verlässliche und nachhaltige Unterstützung für die Armen , schreibt Franziskus weiter. "Helfen wir unseren Brüdern und Schwestern, die in Not sind, dass sie sich nicht allein fühlen", so der Papst: "Ich vertraue auf euer großes Herz."

Der Vorsitzende der Bischöflichen Kommission Adveniat, Bischof Franz-Josef Overbeck, dankte Franziskus für seinen Appell. Der Papst kenne die Arbeit von Adveniat aus seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires gut und wisse um die verlässliche Arbeit der kirchlichen Hilfswerke. Overbeck fürchtet Spendenrückgänge für die katholischen Hilfsorganisationen. Grund sei vor allem die Debatte um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst, sagte der Essener Bischof der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Bischof Franz-Josef Overbeck hält eine Katechese beim Eucharistischen Kongress in Köln.
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Bischof Franz-Josef Overbeck.

Limburg und Adveniat voneinander trennen

Das Lateinamerika-Hilfswerk sorgt sich vor allem um die Weihnachtskollekte, die zwei Drittel der Spendeneinnahmen der Hilfsorganisation ausmacht. "Wir haben in den vergangenen Wochen viel Überzeugungsarbeit geleistet, um aufzuzeigen: Was in Limburg passierte, hat nichts mit der Qualität der Arbeit unserer Hilfswerke zu tun", so Overbeck weiter. Die Mühen zeigten Erfolg, "so dass wir in der Adveniat-Weihnachtskollekte hoffentlich ein ähnlich hohes Spendenergebnis wie im vorigen Jahr erzielen". Von insgesamt 45 Millionen Euro im Jahr 2013 entfielen alleine 31 Millionen Euro auf die Weihnachtsspenden.

Adveniat-Geschäftsführer Bernd Klaschka wertete die Botschaft des Papstes als Ermutigung, Bestätigung und Auftrag zugleich: "Adveniat folgt in seiner Projektarbeit der vorrangigen Option für die Armen", erklärte er. Franziskus lasse nicht nach, mahnend an die Armen zu erinnern. Es fehle an Nahrung und Unterkunft, an ärztlicher Versorgung, an Bildung und einem gesunden Sozialgefüge, so Klaschka.

Unter dem Motto "Hunger nach Bildung" weist das Lateinamerika-Hilfswerk mit seiner diesjährigen Aktion auf das Thema Bildungsgerechtigkeit hin. Gesammelt wird an Weihnachten in allen katholischen Kirchengemeinden Deutschlands. In diesem Jahr informiert Adveniat die Gottesdienstbesucher mit einem Handzettel: Es träfe "die Falschen", wenn man wegen des möglichen Ärgers über die Kirche nicht spende, heißt es darin. Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte sich kürzlich für Adveniat eingesetzt und zu Spenden aufgefordert . (bod/KNA)

Die Papst-Botschaft in deutscher Fassung

Liebe Brüder und Schwestern in Deutschland, Gott ist verrückt nach uns Menschen, verrückt aus Liebe. Er ist keine unnahbare Gottheit, er will vielmehr unter den Menschen wohnen und zeigt sich uns in einer menschlichen Person, als der Gott mit uns. In seinem Herzen gibt es einen bevorzugten Platz für die Armen. Er geht zu den Ärmsten, wird geboren in einer Höhle, in einem dürftigen Stall. Im Kind von Betlehem macht Gott uns das Geschenk seiner Liebe. Die Liebe ist eine geistliche Kraft, die uns verwandeln will. Er, der unseretwegen arm wurde, lädt uns ein, ihm ähnlich zu werden: hinauszugehen, uns klein zu machen mit den Kleinen und arm mit den Armen. Helfen wir unseren Brüdern und Schwestern, die in Not sind, dass sie sich nicht allein fühlen. In Europa, wo Wohlstand herrscht, ist uns manchmal nicht bewusst, wie groß die Armut in der Welt ist. Es fehlt an so vielem, nicht nur an Nahrung und Unterkunft, sondern auch an ärztlicher Versorgung, an Bildung, an einem gesunden Sozialgefüge. Die Bischöfliche Aktion Adveniat wie auch die anderen großen kirchlichen Hilfswerke leisten hier seit vielen Jahren eine verlässliche und nachhaltige Unterstützung. Die Menschen in Lateinamerika, in Afrika und Asien wie auch in Osteuropa und im Nahen Osten brauchen unsere Hilfe. Vergessen wir sie nicht und geben wir ihnen von unserem Überfluss, ja helfen wir mit, eine gerechtere Welt aufzubauen. Jesus sagt uns, dass alles, was wir einem unserer geringsten Brüder und Schwestern Gutes tun, das Gleiche bedeutet, als hätten wir dies dem Sohn Gottes getan (vgl. Mt 25,40). Ich vertraue auf euer großes Herz, das, je mehr es sich verschenkt, umso mehr mit Gottes Gaben neu gefüllt wird. In diesem Sinne erteile ich euch allen gerne den Apostolischen Segen. Papst Franziskus