Zum Deutschen Pflegetag pochen Verbandsvertreter auf Reformen

"Pflege im Dauerlauf macht krank"

Aktualisiert am 23.01.2014  –  Lesedauer: 
Gesellschaft

Berlin ‐ Zum Auftakt des Deutschen Pflegetags fordern Vertreter der Pflegeberufe und Sozialverbände schnelle Reformen. Der Deutsche Pflegerat verlangte mehr Personal für die Versorgung von Kranken und Alten. "Wir brauchen für die Arbeit, die wir leisten, mehr Kolleginnen und Kollegen", sagte der Präsident des Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. "Pflege im Dauerlauf macht krank und kann letztendlich nicht die qualitative Leistung garantieren, für die wir antreten."

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Der Pflegetag in Berlin beginnt am Donnerstag und dauert bis Samstag. Westerfellhaus hielt der Politik vor, trotz des absehbaren demografischen Wandels die Pflege seit Jahren zu vernachlässigen und "offenen Auges in eine Katastrophe hineinzulaufen". Er appellierte an den Gesetzgeber, Mindeststandards für die Zahl der Pflegekräfte in ambulanten Diensten, Heimen und Krankenhäusern festzulegen. Es müsse klar sein, "mit wie viel Personal, mit welcher Qualifikation" Leistungen erbracht werden sollten.

Von der neuen Bundesregierung erwartet Westerfellhaus die Verabschiedung eines "Berufsgesetzes Pflege", eine einheitliche, generalistische Ausbildung für alle Pflegebereiche und einen nationalen Aktionsplan für die Pflegenden.

Überdies wies Westerfellhaus auf die geringe Bezahlung des Personals hin. Die Diskussion um Mindestlohn helfe nicht weiter. "Wir brauchen nicht über 8,50 Euro sprechen, denn das ist keine Entlohnung für eine professionelle Pflegekraft."

Pflegeversicherung neu ausrichten

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) plädierte unterdessen für eine grundlegende Neuausrichtung der Pflegeversicherung. "Es ist ein Fehler, die überfällige Pflegereform auf das Ende der Legislaturperiode zu verschieben. Damit riskiert die Koalition, dass die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs auch in der laufenden Wahlperiode fehlschlägt", sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer in Berlin. Durch einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff sollen insbesondere Demenzkranke mehr Leistungen erhalten.

Um den drohenden Pflegenotstand abzuwenden, müssten weitere Verzögerungen vermieden und ein verbindlicher Zeitplan aufgestellt werden, fügte Bauer hinzu. Dazu müsse insbesondere das Personal in den Pflegeeinrichtungen aufgestockt werden. «Faire Löhne sind unerlässlich, um den Pflegeberuf aufzuwerten», so Bauer.

Unterdessen kündigte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bessere Leistungen und mehr Betreuung für Pflegebedürftige an. "Wir wollen am 1.1.2015 Leistungsverbesserungen bereits in Kraft treten lassen", sagte Gröhe, der auch am Pflegetag teilnehmen wird, am Donnerstag im rbb-Inforadio.

Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe
Bild: ©Laurence Chaperon/ BMG

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Ziel sei es, dass die Leistungen besser auf die individuelle Lage abgestimmt werden, sagte Gröhe weiter. "Wir wollen, dass beginnend mit dem nächsten Jahr Pflegepersonal mehr Zeit hat, um der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht zu werden." Union und SPD wollen unter anderem die Zahl der Betreuer in den Heimen von 24.000 auf 45.000 steigern. Das sind nachqualifizierte Kräfte, die sich zum Beispiel um Menschen mit Demenz kümmern sollen.

Minister setzt auf junge Menschen und Zuwanderung

Unter anderem dafür soll der Pflegebeitragssatz von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) zum Jahresbeginn 2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 Punkte sollen später dazukommen. Dann sollen in einer weiteren Reformstufe die immer zahlreicheren Demenzkranken mehr aus der Pflegeversicherung bekommen. Dazu werden den Plänen zufolge die heutigen drei Pflegestufen durch weiter gefasste Pflegegrade ersetzt.

Zugleich kündigte Gröhe an: "Ich möchte in den nächsten Jahren erreichen, dass der Pflegeberuf so attraktiv ist, dass junge Schülerinnen und Schüler sagen: Jawohl, das ist eine spannende Berufsalternative." Auch qualifizierte Zuwanderung sei wichtig für die Pflege. (meu/KNA/dpa)

Deutscher Pflegerat

Der Deutsche Pflegerat (DPR) ist seit 1998 Dachverband der Berufsverbände des deutschen Pflege- und Hebammenwesens. Er sitzt in Berlin und vereint 15 Verbände unter seinem Dach. Ziel ist es, den Pflegeberuf gegenüber der Politik und der Gesellschaft zu vertreten und zu stärken. So sollen angemessene Rahmenbedingungen geschaffen werden. Oberstes Organ ist die Ratsversammlung. Sie wird aus zwei Delegierten der Mitgliedsverbände und des Präsidiums gebildet. Alle vier Jahre wählt die Ratsversammlung ein neues Präsidium. DPR-Präsident ist Andreas Westerfellhaus. (dpa)