Wo stand die Kirche des heiligen Ansgar?
Das erste Gotteshaus Skandinaviens scheint gefunden

Wo stand die Kirche des heiligen Ansgar?

Archäologie - Der heilige Ansgar gilt als der Missionar des Nordens. Nun glaubt ein Archäologe, die erste Kirche des Heiligen in der Nähe von Stockholm gefunden zu haben. Hat Bischof Ansgar von hier aus missioniert?

Von Frank Berno Timm (KNA) |  Schleswig/Stockholm - 02.02.2017

Die Begeisterung ist Sven Kalmring vom Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig deutlich anzumerken. Mit Hochspannung berichtet der Archäologe von einer untergegangenen Welt. Kalmring hat sich mit Häfen der Wikinger auseinandergesetzt. Und jetzt, bei weitergehenden Forschungen in Schweden, hat er nicht nur einen Herrschersitz der Wikinger entdeckt, sondern auch den Platz gefunden, an dem höchstwahrscheinlich die erste skandinavische Kirche von Bischof Ansgar (wahrscheinlich 801-865) gestanden hat. Kalmring arbeitet nicht allein. Mit ihm forschen seine Kollegen Johan Runer von Stockholms Läns Museum und Andreas Viberg von der Universität Stockholm.

Bislang gibt es von dem Ort eine Autostunde westlich von Stockholm entfernt nur ein paar Boden-Radaraufnahmen. Ansgar gilt als "Apostel des Nordens". Er wurde wohl um 801 in Flandern geboren, wuchs bei Benediktinern auf und wurde von seinem 21. Lebensjahr an im Kloster Corvey bei Höxter auf größere Aufgaben vorbereitet. 831 kam er nach Hamburg. Die Stadt war kurz zuvor zum Erzbistum geworden. Ansgar wurde mit der Leitung beauftragt und zum Bischof geweiht. Von hier aus sollte er Skandinavien und Dänemark missionieren.

Bild: © KNA

Der heilige Ansgar lebte wahrscheinlich von 801 bis 865. Er ist der Patron des Erzbistums Hamburg, vor dessen Dom eine Statue Ansgars steht.

Jetzt werden Kalmring und seine schwedischen Kollegen Forschungsgelder beantragen - für die eigentlichen Ausgrabungen sind drei Jahre geplant. Für Kalmring sind solche Forschungen durchaus nicht abseitig. Schließlich gehe es auch um unsere eigenen Wurzeln, sagt er. Er selbst will bei den Ausgrabungen dabei sein.

Wenn die Arbeiten beginnen, wird Kalmring immer wieder auf die Insel Björkö im Mälarsee reisen. Dort befindet sich nicht nur die Wikingerstadt Birka, sondern, wie Kalmring berichtet, auch Korshamn (deutsch: Kreuzhafen). "Auf einer Exkursion haben wir dort mitten in der Hafenbucht ein Hausplateau in näheren Augenschein genommen", so der Forscher. Bei genaueren Untersuchungen habe sich herausgestellt, dass es bereits vor der Wikingerzeit entstanden sei.

Stand Kirche in der Nähe von Kultbezirk?

In der Nähe gibt es eine Geländekante. Dabei handele es sich nicht, wie zunächst vermutet, um die alte Uferlinie. Vielmehr sei bei geophysikalischen Untersuchungen herausgekommen, dass hier ebenfalls Häuser einen Hofkomplex gebildet hätten. "Und wir haben sogar eine Wikingerhalle gefunden, die 37 Meter lang war", erzählt der Forscher.

Die Wissenschaftler vermuten, dass es sich um den Hof des königlichen Verwalters Herigar gehandelt hat, der für Zolleintreibung und Ähnliches zuständig war. Von dieser Halle, beschreibt Kalmring weiter, gehe eine Fläche im rechten Winkel ab - "wahrscheinlich ein heidnischer Kultbezirk".

Linktipp: Missionar des Nordens

Der heilige Ansgar ist unübersehbar. Überlebensgroß, mit dem Bischofsstab in der einen und einer Kirche in der anderen Hand steht er da auf der Trostbrücke in Hamburgs Altstadt. Der Bildhauer Engelbert Pfeifer schuf das Standbild 1883 in Erinnerung an den Benediktinermönch, Erzbischof von Hamburg und Bischof von Bremen. (Artikel vom Februar 2015)

Von der Existenz auch an anderen Plätzen in Skandinavien wisse man noch nicht lange. Bekannt sei aber, dass der Hamburger und Bremer Bischof Ansgar im Jahr 830 im Auftrag von Kaiser Ludwig dem Frommen nach Schweden gereist sei, um herauszufinden, ob man es dort ernst meine mit der Absicht, am christlichen Glauben teilzuhaben. Kalmring sagt, der Bischof habe Herigar getroffen und die Erlaubnis erhalten, eine Kapelle zu errichten.

"Diese Kirche muss in unmittelbarer Nähe zu suchen sein", sagt der Wissenschaftler. Es gehe um Kernfragen der Forschung: den Übergang von der Merowinger- zur Wikingerzeit und um das erste Zusammentreffen von Heiden und Christen im heutigen Schweden. Kalmring wird nach der "ersten Kirche im gesamten Skandinavien" suchen. Vieles von dem, was der Archäologe berichtet, sei immer schon diskutiert worden. Nun gebe es konkrete Aussichten, Belege zu finden, betont der Wissenschaftler. Seine Begeisterung für eine Zeit, die fast 1.200 Jahre zurückliegt, könnte man fast ansteckend nennen.

Von Frank Berno Timm (KNA)

Linktipp: "Christen wirken gemeinsam"

Er ist der "Apostel des Nordens" – nicht nur katholische und orthodoxe Christen verehren ihn, auch in der evangelischen Kirche wird an ihn erinnert: Vor rund 1.150 Jahren starb der heilige Ansgar.