Dominik Blum über das neue Tierwohllabel

Eine Frage der Haltung

Aktualisiert am 14.02.2017  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma
Standpunkt

Bonn ‐ Dominik Blum über das neue Tierwohllabel

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Essen Sie noch Fleisch? Wundern Sie sich manchmal, dass in Deutschland ein Kilo Schweinebraten für weniger als drei Euro verkauft werden kann? Unter welchen Bedingungen wird dieses Fleisch produziert, das billiger zu haben ist als Klopapier? Und was bleibt dabei auf der Strecke?

Auf der grünen Woche in Berlin hat das Bundeslandwirtschaftsministerium Ende Januar ein neues Tierwohllabel präsentiert. Es setzt sich zum Ziel, das Tierwohl in den Ställen so zu fördern, dass auch die Landwirte profitieren. Und das ist in der Tat eine Frage der Haltung – so der gut gewählte Slogan der Kampagne. Es geht darum, wie die 13 Mio. Rinder, 28 Mio. Schweine und 40 Mio. Legehennen in deutschen Ställen leben, wie viel Platz sie haben, was sie zu fressen bekommen und wie schmerzfrei die Tiere geschlachtet werden. Und es geht auch um die Bereitschaft des Verbrauchers, für das Kilo Schweinebraten mehr Geld auszugeben, wenn es unter besseren Bedingungen für die Tiere erzeugt wurde. Kritiker bemängelten vor allem, dass die Teilnahme am Labelprogramm für Erzeuger – und für Verbraucher sowieso – freiwillig ist.

Für Christen gibt es keine Speisevorschriften. Wir müssen nicht als Vegetarier oder Veganer leben. "Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen (…), denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden", sagt Jesus im Markusevangelium (Mk 7,15.19). Weniger Fleisch zu essen oder öfter ganz darauf zu verzichten, mehr Geld für Fleisch auszugeben, das unter höheren Tierwohlstandards produziert worden ist, bleibt also für Christen eine freiwillige Tat. Oder um es mit dem Landwirtschaftsministerium zu sagen: Eine Frage der Haltung.

Dieser Meinung ist auch Papst Franziskus. Er geißelt in seiner Umweltenzyklika eine "ausweichende Haltung", die lediglich darauf zielt, "unseren Lebensstil und unsere Produktions- und Konsumgewohnheiten beizubehalten" (Nr. 59). Stattdessen wirbt der Öko-Papst: "Da alle Geschöpfe miteinander verbunden sind, muss jedes mit Liebe und Bewunderung gewürdigt werden, und alle sind wir aufeinander angewiesen." (Nr. 42) Wer so auf die Tiere als Mitgeschöpfe schaut, wird auch auf das neue Tierwohllabel achten. Es ist ein guter Anfang und viel besser als sein Ruf.

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.