Erzbischof: Papst will klare Lage in Medjugorje
Sondergesandter Hoser zu seiner Mission im umstrittenen Wallfahrtsort

Erzbischof: Papst will klare Lage in Medjugorje

Vatikan - Papst Franziskus ernannte jüngst Henryk Hoser zum Sondergesandten für den umstrittenen Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. Nun spricht der Erzbischof über seine Aufgabe und seine Pläne.

Vatikanstadt - 20.02.2017

Nach Angaben des Erzbischofs Henryk Hoser will Papst Franziskus eine "klare und geordnete" Lage in dem Wallfahrtsort Medjugorje. Es gehe dem Papst darum, dass man "vor Ort die Situation überblickt und dabei vielleicht auch Chancen erkennt, die sich bieten", sagte der Sondergesandte des Papstes und Erzbischof von Warschau-Praga am Montag Radio Vatikan. "Vor allem geht es um eine geregelte, pastorale Aufnahme der Millionen von Pilgern, die nach Medjugorje kommen – diese hohe Zahl ist eine Herausforderung für die Kirche und eine Aufforderung, die Aufnahme, wenn möglich, zu verbessern."

Hoser wurde am 11. Februar zum Sonderbeauftragten des Heiligen Stuhls ernannt, dessen Aufgabe einen "exklusiv pastoralen Charakter" hat. In dem Ort im Südwesten Bosnien-Herzegowinas sollen seit dem 24. Juni 1981 Marienerscheinungen stattfinden. Dreien von den sechs damals Jugendlichen "Sehern" soll Maria bis heute täglich erscheinen. Die Ortskirche lehnt offizielle kirchliche Wallfahrten nach Medjugorje ab und auch der Vatikan argumentiert vorsichtig, dass eine Anerkennung übernatürlicher Phänomene ausgeschlossen bleibe, solange diese noch im Gange seien.

Hoser will das Gespräch suchen

Erzbischof Hoser solle über die Situation der inoffiziellen Wallfahrtsstätte berichten und sich nicht mit den Marienerscheinungen befassen, teilte der Vatikan mit. Eine 2010 von Papst Benedikt XVI. eingerichtete Untersuchungskommission der vatikanischen Glaubenskongregation beschäftigt sich mit den Erscheinungen.

Der Bischof von Warschau-Praga, Erzbischof Henryk Hoser, zu seiner Mission: "Es geht dem Papst darum, dass die Lage in Medjugorje klar und geordnet ist, dass man mal vor Ort die Situation überblickt und dabei vielleicht auch Chancen erkennt, die sich bieten."

Das bestätigt Hoser nun im Gespräch. Die von Kardinal Camillo Ruini geleitete Sonderkommission habe untersucht, ob die Erscheinungen und die Botschaft der Muttergottes echt seien. Die Aufgabe, die ihm persönlich dagegen anvertraut wurde, sei "die seelsorgliche Betreuung zu organisieren, in Absprache und Harmonie mit der kirchlichen Hierarchie vor Ort," sagt Hoser. Er wisse, dass es in dem Ort eine "Uneinigkeit" zwischen den Franziskanern gebe, die die Pfarrei und die Seher von Beginn an betreuten, und den Zuständigen des Bistums Mostar. Er selbst sei noch nie in Medjugorje gewesen, so der Erzbischof. Dadurch könne er im Konflikt um den Wallfahrtsort neutral auftreten.

Er wolle mit den Verantwortlichen des Bistums, den Franziskanern und allen, die für die Aufnahme und seelsorgliche Betreuung der Pilger zuständig seien, sprechen, so Hoser. Danach werde er dem Papst Vorschläge übergeben. Hoser vermutet, dass sein Bericht komplementär zum Untersuchungsbericht der anderen Kommission sein werde und dass beide sich ergänzen werden. "Das kann dann hoffentlich zur endgültigen Lösung beitragen, die die Kirche vorschlagen wird."

Der Vatikan erwartet eine Erledigung des Auftrags bis zum Sommer. Hoser schließt nicht aus, dass zu seinen Vorschlägen womöglich die Ernennung eines Apostolischen Administrators für Medjugorje gehören wird: "Vielleicht wird man die Struktur der Hierarchie vor Ort ergänzen müssen, damit die Initiativen besser abgestimmt und damit wirksamer sein können. Das sind Hypothesen, die ich bestätigen muss." (luk)

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