Kiewer Kirchenoberhaupt appelliert an die Staatengemeinschaft

Großerzbischof fordert: Schützt unsere Kinder!

Aktualisiert am 23.02.2017  –  Lesedauer: 
Ukraine

Bonn ‐ Landminen, Blindgänger und immer wieder Gefechte: Zehntausende ostukrainische Kinder leben in dauernder Lebensgefahr. Nun richtet der Kiewer Bischof einen dramatischen Appell an die Staatengemeinschaft.

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Der Großerzbischof von Kiew fordert die internationale Gemeinschaft zum Schutz der ukrainischen Kinder auf. Über eine Million Kinder bräuchte dringend Hilfe, erklärte das Oberhaupt der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Swjatoslaw Schewtschuk, am Mittwoch gegenüber dem "Catholic News Service". Dabei berief er sich auf einen Unicef-Bericht von Mitte Februar.

Die Staaten dürften nicht vergessen, dass der Ukraine-Konflikt einen humanitären Notfall darstelle, wie ihn Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt habe, so Schewtschuk. Trotz aller Bemühungen in den vergangenen drei Jahren sei eine stabile Waffenruhe bis heute nicht erreicht worden. "Darum bitten wir die internationalen Organisationen, ihre diplomatische Arbeit fortzusetzen, um den Aggressor aufzuhalten, damit der Krieg beendet und ein echter Friede erreicht werden kann", so der Großerzbischof.

Unicef: Zahl der Schutzbedürftigen fast verdoppelt

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef hatte am 17. Februar erklärt, dass allein in der Ostukraine 1 Million Kinder dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen seien. Damit habe sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. "Kinder in der Ostukraine haben in den vergangenen drei Jahren unter der dauernd drohenden Gefahr unvorhersehbarer Kämpfe und Beschüssen gelebt", sagte die Unicef-Vertreterin in der Ukraine, Giovanna Barberis. "Ihre Schulen wurden zerstört, sie wurden gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen und sie wurden von der Grundversorgung mit Heizung und Frischwasser abgeschnitten."

Swjatoslaw Schewtschuk, Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche
Bild: ©dpa/Darek Delmanowicz

Swjatoslaw Schewtschuk, Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche

Besonders ernst sei die Lage von 200.000 Kindern, die in der Nähe der Frontlinie lebten. Etwa jedes zehnte Kind dort sei dauernd der Gefahr von Landminen oder Blindgängern ausgesetzt. 12.000 Mädchen und Jungen lebten in Gemeinden, die mindestens einmal pro Monat beschossen würden. "Nach drei entsetzlichen Jahren brauchen die Kinder in der Ostukraine dringend anhaltenden Frieden, damit ihr unnötiges Leid endet", sagte Barberis.

Großerzbischof betont moralische Pflicht der Kirche

Die Katholische Kirche habe die moralische Verpflichtung, für diejenigen zu sprechen, die keine Stimme hätten, besonders die Kinder, erklärte Schewtschuk weiter. "Die immer dramatischere Situation im Land – über 1,7 Millionen Menschen wurden vertrieben – bleibt vor den Augen der Öffentlichkeit unsichtbar", klagte er. Diese Tragödie dürfe jedoch nicht unsichtbar bleiben.

Bereits am Dienstag rief der Heilige Stuhl die Staatengemeinschaft zum Einsatz für den Frieden in der Ukraine auf. Es müssten "alle nötigen Schritte unternommen werden, den Waffenstillstand durchzusetzen und die vereinbarten Maßnahmen zu realisieren", sagte der Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Bernardito Auza, in New York vor dem Sicherheitsrat. "Diese Bemühungen müssen von der ernsthaften Verpflichtung aller beteiligten Parteien begleitet werden, fundamentale Menschenrechte zu respektieren und auf nationaler wie internationaler Ebene Stabilität wiederherzustellen", so Auza. Dazu gehöre es auch, mit Blick auf Staatsgebiet und –grenzen der Ukraine internationales Recht zu achten. (kim)

Linktipp: Katholiken sammeln am Sonntag für Ukraine

In den katholischen Gottesdiensten in ganz Europa wurde im vergangenen April Geld für die notleidende Bevölkerung in der Ukraine gesammelt. Damit solle die Solidarität der Kirche mit der leidenden Bevölkerung zum Ausdruck gebracht werden, so Papst Franziskus. (Artikel von April 2016)