Wilfried Theising ist Weihbischof in Münster.
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Weihbischof verwundert über Aussage von Politiker

"Kirche muss sich weiter in Politik einmischen"

Politik - Darf die Kirche sich politisch äußern? Der Münsteraner Weihbischof Wilfried Theising findet, dass sie es sogar muss. Und widerspricht damit einem Politiker, der weniger Einmischung gefordert hatte.

Oldenburg/Münster - 26.03.2017

Der Münsteraner Weihbischof Wilfried Theising spricht sich entschieden gegen einen Rückzug der Kirchen auf innerkirchliche Themen aus. Sie müssten sich weiterhin in politische und gesellschaftliche Debatten einschalten, forderte er in einem Interview mit der Bistumszeitung "Kirche+Leben" (Sonntag): "Ich glaube, ein Staat wäre arm dran, wenn die Kirchen sich nicht einmischen."

Der Einsatz in der Politik gehöre zum christlichen Selbstverständnis, so Theising weiter: "Wir tun das ja nicht, um den Staat oder die Gesellschaft irgendwie zu schwächen, sondern um unseren Beitrag zu leisten." Die Kirche bringe einen großen Erfahrungsschatz in Fragen, die das menschliche Leben an sich und das Miteinander beträfen. "Aus diesen Fragen können und müssen wir unseren Beitrag in die gesellschaftliche und politische Diskussion geben", sagte der Offizial für den oldenburgischen Teil des Bistums Münster mit Sitz in Vechta.

Linktipp: CSU-Politiker will weniger Einmischung der Kirchen

Sie äußern sich zu ethischen Fragen, zu Mindestlohn oder zur Energiewende: Im politischen Diskurs bringen die Kirchen ihre Meinung pointiert ein. Bundestagsvize Singhammer geht das zu weit. (Artikel vom Februar 2017)

Über gelegentliche Forderungen von Politikern, die Kirche solle sich in politischen Fragen mehr zurückhalten, könne er sich "nur wundern". Hintergrund waren Äußerungen des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Johannes Singhammer (CSU). Er hatte in einem Zeitungsbeitrag die Kirchen zu mehr Zurückhaltung in politischen Fragen aufgefordert.

In Landwirtschaft auch auf Fehlentwicklungen blicken

Angesprochen auf das in der Region wichtige Thema Landwirtschaft sagte der Weihbischof den Landwirten grundsätzlich die Unterstützung der Kirche zu. "Mir ist das ganze Thema wichtig, weil ich das Gefühl habe, dass Landwirtschaft oft sehr schnell nur negativ gesehen wird. Das halte ich nicht für richtig", erklärte der Weihbischof. Es gehe dabei zum Beispiel darum, ob bäuerliche Familien ein gutes wirtschaftliches Auskommen haben.

Wichtig sei daneben aber auch der kritische Blick auf Fehlentwicklungen. "Hier ist die entscheidende Frage, wie in der Landwirtschaft und in den nachgeordneten Wirtschaftszweigen Menschen behandelt werden, ob sie ausgebeutet oder ausgenutzt werden." Ebenso seien Themen wie Gülle, die Verschmutzung des Grundwassers und das Tierwohl für die Kirche von Bedeutung. (rom/KNA)