Joachim Valentin über die Digitalkonferenz re:publica

Das unerwartete "Stopp" der Kirche

Aktualisiert am 12.05.2017  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma
Standpunkt

Bonn ‐ Joachim Valentin über die Digitalkonferenz re:publica

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"Love out loud" - unter diesem geradezu frommen Motto präsentiert sich in diesem Jahr die Berliner re:publica gegen den im Netz grassierenden Hass, die Trolle, fake-news und hate-speeches, die uns gerade allen so sehr den Alltag verleiden. Die re:publica? So nennt sich seit Jahren das Mekka all jener, für die das Web, Soziale Medien und virtuelle Kommunikation Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens, Denkens und Arbeitens ist. Ein Ort, an dem die Gesellschaft der Zukunft entsteht, indem die aktuellen Themen und Probleme in alternativen Formen und Formaten diskutiert und erstritten werden.

Warum interessiert uns das? Erstmals waren hier Religion und Kirche in besonderer Weise sichtbar. Andreas Büsch, Leiter der "Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz", hat an diesem Hotspot der digitalen Aufmerksamkeitsmaschinerie ein großes Publikum gefunden. Dabei war Erstaunliches über die katholische Kirche als gesellschaftlich relevanter Akteur zu erfahren: "Die Kirche muss aus theologischer, rechtlicher, aber vor allem aus ethischer Sicht in einer Entwicklung Impulse geben, die unsere Gesellschaft so stark revolutioniert wie vielleicht zuletzt die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert." So äußerte er sich gegenüber domradio.de und verwies dabei auf das im Herbst veröffentlichte Papier "Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit", in dem sich die deutsche Kirche darauf verpflichtet, dass sie selbst Menschen immer als Subjekte betrachtet und nicht als Objekte bei der Datenschutzmacht.

Genau dieses netzpolitische Papier der DBK vom Herbst 2016 hatte er auf der re:publica zur Diskussion gestellt und war auf überraschend positive Reaktionen gestoßen. "Der Raum war voll. Es gab lauter interessierte Nachfragen und eine Reihe von Gesprächen im Anschluss." Büsch spricht von seiner Erfahrung mit selten zu hörendem Optimismus: "Ich bin davon überzeugt, dass wir eine wesentliche Stimme im Dialog sind und es sein müssen und auch Verabsolutierungen entgegenwirken müssen. Ein Thema, das uns aktuell alle umtreibt, sind Gesetzesinitiativen, die im Verdacht stehen, Meinungsfreiheit zu beschneiden. Die Kirche sagt da – ganz auf dem Boden des Grundgesetzes – 'Stopp'. Es gibt auch so etwas wie die Würde der Person und die begrenzt Meinungsfreiheit im Zweifelsfall eben".

Dass Andreas Büsch in dieser Weise seit Jahren in Mainz eine Schaltstelle der Medienkompetenz aufbauen und inzwischen in einer Vielzahl von Kursen inner- und außerhalb der Kirche multiplizieren konnte, haben wir einer mutigen Entscheidung der deutschen Bischöfe zu verdanken. Aktuell steht die Stelle zur Verlängerung an. Es ist Professor Andreas Büsch und seinen Mitarbeiterinnen zu wünschen, dass sie auch künftig und auf Dauer ihre Stimmen erheben können, um in unübersichtlichen Zeiten der Stimme des Evangeliums dort Gehör zu verschaffen, wo man mit Kirche längst nicht mehr rechnet, sie aber dringend braucht.     

Von Joachim Valentin

Der Autor

Joachim Valentin ist Direktor des katholischen Kultur- und Begegnungszentrums "Haus am Dom" in Frankfurt am Main und stellvertretender Vorsitzender des Frankfurter Rates der Religionen.

Hinweis

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