Zwei Clowns spielen mit einer Handpuppe.
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Klinikclowns sorgen auf der Kinderstation für leuchtende Augen

Lachen ist gesund

Pädagogik - Pieksi hat Hunger. "Und wenn Pieksi Hunger hat, dann frisst der die ganze Welt", ruft die kleine Annabelle. Die beiden Klinikclowns Tinta und Bella erschrecken: Zwar haben Annabelle und ihr Papa schon viele Kartoffelkäfer für Pieksi gebastelt, aber der kleine Stoff-Igel sieht immer noch hungrig aus. "Frisst der auch Clowns?", fragt Bella ängstlich.

Bonn - 10.06.2014

Tinta ist pragmatischer: Wenn Pieski die ganze Welt fressen will, dann müssen eben Planeten her. Bald schwirrt ein rosa Luftballon durch den Raum, und Pieksi bringt schillernde Seifenblasen mit seiner Schnauze zum Platzen. Die junge Patientin jauchzt vor Freude.

Improvisationstalent ist gefragt

Das strahlende Gesicht des Mädchens, das mit seinem Plüsch-Igel auf die Entlassung aus dem Krankenhaus wartet, ist der größte Lohn für Tinta und Bella. Die beiden sind Klinikclowns. Vier Mal im Monat besuchen sie die jüngsten Patienten im konfessionell ausgerichteten Marienhospital in Bonn, zwei Mal sind sie auf einer Station für Kinder-Onkologie in St. Augustin. Auch Seniorenheime besuchen sie regelmäßig. In ihrem Alltag gibt es keine Routine, jeder Tag sieht anders aus. Da ist Improvisationstalent gefragt - und, wie es sich für Clowns gehört, eine große Portion Humor.

Zwei Clown und ein lachendes junges Mädchen.
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Die Klinikclowns Tinta (Renate Dohm) und Bella (Maysa de Paulo Funke) spielen mit Handpuppen und bringen eine junge Patientin zum Lachen.

Tinta zieht ihre rote Nase über den Kopf, Bella lässt ihre um den Hals baumeln. Ohne die Nase verwandeln sie sich von ihrer Rolle zurück: in die Sozialpädagogin Renate Dohm und die Schauspielerin Maysa de Paulo Funke. Beide arbeiten hauptberuflich als Klinikclowns, seit zwei Jahren sind sie ein Team. Die Brasilianerin de Paulo Funke strahlt, wenn sie von ihrem Beruf spricht: "Es wird nie langweilig", betont sie. Viele Kinder warten auf die beiden Clowns, mit manch kleinem Langzeitpatienten sprechen sie wie mit alten Kumpels. "Das gibt uns die Energie, die wir brauchen", sagt Dohm.

Professionelle Ausbildung, regelmäßigen Fortbildungen

Beide haben eine professionelle Ausbildung zum Clown absolviert. Die Spezialisierung "Klinikclown" bringt besondere Anforderungen mit sich: Hier geht es nicht darum, ein einstudiertes Programm vorzuspielen, sondern spontan auf die Patienten einzugehen. "Es gibt auch ganz ruhige Begegnungen, wenn es einem Kind beispielsweise nicht so gut geht", sagt Renate Dohm. Dabei ist jede Reaktion ein Erfolg für das Duo: "Manchmal hat ein Kind ein ganz starres Gesicht", erklärt de Paulo Funke. "Und dann lächelt es zum Abschied plötzlich oder winkt uns zu. Das ist schön."

Zum Clownsein gehören indes nicht nur gute Laune und bunte Kostüme. Auf regelmäßigen Fortbildungen lernen die Mitglieder des Vereins Kölner Klinikclowns immer wieder etwas dazu: Zaubertricks, Ideen für Improvisationen, Instrumente. Im nächsten Zimmer verleiht Renate Dohm alias Tinta dann auch gleich einmal ihre Ukulele: Marcel spielt nämlich Gitarre. Bella funktioniert eine Luftpumpe zum Mikrofon um, Mutter und Oma, die gerade zu Besuch sind, bilden den Background-Chor, und schon ist eine Band gegründet. Bettnachbar Niclas gibt den Juror: Für das spontane Konzert reckt er den Daumen nach oben.

Manchmal hat ein Kind ein ganz starres Gesicht. Und dann lächelt es zum Abschied plötzlich oder winkt uns zu.

Zitat: Maysa de Paulo Funke über ihre Arbeit als Klinkclown

Die Eltern einzubeziehen sei wichtig, erklären die Clowns. "Die Kinder merken ja, wie sie gelaunt sind", sagt Renate Dohm. Auch für das Krankenhauspersonal trällern die beiden zwischendurch mal ein Liedchen. Doch natürlich kennen auch sie schlechte Laune, Tage, an denen nicht alles rund läuft. "In solchen Situationen hilft die Rolle", betont Dohm. Als Tinta mit rotem Hut und Latzhose kann sie den Alltag abstreifen. Nach drei Stunden Spielen gehe es ihr selbst oft besser, bestätigt Maysa de Paulo Funke: "Bella hat eine andere Geschichte als ich", sagt sie, "sie macht auch manche Bewegungen anders. Als Bella fühle ich mich frei."

Nicht jedes Kind spielt mit

Im Marienhospital kennt man die Clowns. Krankenschwestern und Eltern begrüßen die beiden persönlich, wenn sie von Zimmer zu Zimmer ziehen. Jetzt geht es in die Spielecke, denn dort wartet Elvira. "Prinzessin Elvira", ruft Bella und winkt. "Zeigst du uns dein Schloss?" Das Schloss, ihr Krankenhauszimmer, zeigt Elvira gern, genau wie ihre Barbies. Eine von ihnen kann sogar Musik spielen, und sogleich tanzen und hüpfen die Clowns ausgelassen durchs Zimmer. "Du auch", lädt Elviras Mutter die kleine Patientin zum Mitmachen ein, aber das Mädchen lacht nur glucksend über Tinta und Bella.

Nicht jedes Kind spielt mit; manche sind gesundheitlich zu beeinträchtigt. "Das geht uns nah", sagt Renate Dohm, "gerade, wenn Kinder schwer oder sogar unheilbar erkrankt sind." Andere reagieren aus anderen Gründen zurückhaltend auf die Clowns: Manche Teenager fühlen sich zu cool, um über ihre Späße zu lachen. Um sich darauf einzustellen, bekommen die Clowns vorab Informationen über Alter, Geschlecht und Zustand der Patienten. "Bei einem 16-Jährigen funktionieren andere Sachen als bei einem jüngeren Kind", erklärt Maysa de Paulo Funke. Doch sogar wenn zunächst gar nichts zu funktionieren scheint, kann daraus ein Erfolg werden: "Manche Teenies lachen, ohne es zu wollen, wenn wir schon fast draußen sind. Und wenn sie lachen, haben wir unser Ziel erreicht."

Von Paula Konersmann (KNA)