Brauchtum und Glaube - oftmals verbunden
Katholisch.de erklärt Bräuche und ihren christlichen Ursprung

Brauchtum und Glaube - oftmals verbunden

Brauchtum - Beliebte Traditionen haben oft einen christlichen Bezug. So brennen in der Nacht vor dem Gedenktag des heiligen Johannes in Deutschland die Johannisfeuer, während in Südtirol die Herz-Jesu-Feuer lodern.

Von Julia Martin |  Bonn - 23.06.2017

Johannes der Täufer – 24. Juni

Rund um den Gedenktag des heiligen Johannes des Täufers gibt es viele Bräuche. Einer davon ist das Johannisfeuer in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni, dem eigentlichen Gedenktag Johannes des Täufers. Zur Zeit der Christianisierung versuchte man die alten Bräuche des Sonnwendfeuers durch die Johannisfeuer zu ersetzen. Spätestens seit dem 14. Jahrhundert sind diese Feuer rund um die Sommersonnenwende Tradition. In Dörfern wird auf dem Feld Holz von allen Bewohnern gesammelt und teilweise Strohpuppen im Feuer verbrannt. Im Volksglauben sollte das Feuer vor Dämonen bewahren, der Sprung über das Feuer vor Krankheiten schützen und, wenn ein Paar Hand in Hand über das abgebrannte Feuer springt, soll bald eine Hochzeit anstehen.

Johanniskraut ist in der alternativen Medizin sehr beliebt. Wenn es am Johannistag, am 24. Juni, um die Mittagszeit geerntet wird, soll es am besten seine Kraft entfalten. Vor allem in Klöstern wird dieser Brauch praktiziert. Die Pflanze soll einer Legende nach unter dem Kreuz Christi gestanden und jede Blüte soll einen Tropfen seines Blutes aufgefangen haben. Johanniskraut gilt als Antidepressivum, entzündungshemmend und gut gegen Nervenschmerzen. Als Hautpflege eignet sich das Öl gegen Narbenbildung, bei einem Hexenschuss oder Verbrennungen. Dazu werden Johanniskrautblüten zwei Monate in Öl eingelegt.

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Kräuterexpertin Stefanie Horn erklärt, wie man in wenigen Schritten hilfreiches Johanniskraut-Öl herstellen kann.

Herz-Jesu-Fest – 3. Freitag nach Pfingsten

Ähnlich verhält es sich mit den Herz-Jesu-Feuern, die etwa zur selben Zeit stattfinden. Diese sind vor allem in Tirol verbreitet. Das Brauchtum entstand im 18. Jahrhundert während Tirol durch französische Truppen bedroht wurde. Im April 1796 hieß es, dass alle waffentauglichen  Männer militärisch geschult werden müssten, obwohl das Land eigentlich über bestimmt Privilegien verfügte, nicht an Kriegen teilnehmen zu müssen. Abt Sebastian Stöckl, ein Zisterzienser, schlug vor, das Land Tirol ganz an das "Heiligste Herz Jesu" zu versprechen. Um die Einheit im ganzen Land herbeizurufen und zu kommunizieren, wurden auf den Berggipfeln Signalfeuer, die sogenannten Herz-Jesu-Feuer, entzündet. Als die Tiroler die Franzosen besiegten, wurde der Herz-Jesu-Sonntag zu einem hohen Feiertag.

Bis heute wird die Tradition der Feuer im Tiroler Land gepflegt. Oft werden die Feuer in bestimmten Formen angeordnet. Dann brennen auf den Bergen Herzen, Kreuzen oder Christus-Zeichen und erinnern an das Gelöbnis des Landes. 1848 wurde dieses erneuert. 1920 wurden die ersten Feuer nach dem Ersten Weltkrieg in Südtirol als Teil des Königreiches Italien entzündet. Italienische Truppen wurden in Alarmbereitschaft versetzt, da man die Tradition nicht kannte und einen Volksaufstand vermutete. Heute sind die Feuer am Sonntag nach dem Herz-Jesu-Fest, dem 3. Sonntag nach Pfingsten, eine beliebte Touristenattraktion.

Herz-Jesu-Feuer in Lienz, Zettersfeldn in Form von christlichen Zeichen.

Mariä Himmelfahrt – 15. August

Am Tag der Aufnahme Marias in den Himmel, dem 15. August, will die katholische Kirche an die Öffnung des Grabes der Gottesmutter erinnern. Der Legende nach sollen die Apostel statt des Leichnams Rosen, Lilien und vor dem Grab die Lieblingskräuter der Gottesmutter gefunden haben. Vor allem in Bayern wird die Tradition der „Würzbüschel“ und Kräuterweihe noch gepflegt. Die Kräutchersträußchen müssen aus mindestens sieben Kräutern bestehen. Diese Anzahl bezieht sich auf die sieben Schöpfungstage. Sind es neun, stehen sie für Dreimaldrei – ein Zeichen der göttlichen Dreifaltigkeit. Zwölf Kräuter deuten auf die Anzahl der Apostel hin, bei der doppelten Anzahl kommen noch die zwölf Stämme Israels hinzu.

Nach der Weihe findet der "Weihbüschel", der auch unter dem  Namen "Marienwisch", "Würzwisch" oder "Sangen" bekannt ist, seinen Platz im „Herrgottswinkel“ – einer gottgeweihten Ecke in einem Haus. Er soll vor Unwetter und Krankheit schützen. Jede einzelne Pflanze hat noch eine zusätzliche Bedeutung: Die Mitte bilden Rose (Maria) und Lilie (Josef). Rosmarin soll zum guten Schlaf verhelfen, Salbei zu Wohlstand, Weisheit und Erfolg. Wermut verspricht Kraft, Mut und Schutz, Minze Gesundheit. Arnika schützt gegen Feuer und Hagel, Schafgarbe soll für Frieden sorgen. Für Glück und Liebe steht die Kamille, Getreide für das tägliche Brot.

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Video: © katholisch.de

Am 15. August findet in der katholischen Kirche die Kräuterweihe statt. Im Video zeigen wir, wie ein solcher Kräuterbuschen gebastelt wird.

Katharina von Alexandrien – 25. November

Die heilige Katharina zählt in der katholischen Kirche zu den vier großen Jungfrauen und den Vierzehn Nothelfern. Das Brauchtum um die Heilige spielte sich vor allem in Paris ab, wo jedes Jahr am 25. November des Martyriums der Katharina gedacht wurde. Sie gilt als Schutzpatronin der unverheirateten Frauen sowie der Näherinnen und Schneiderinnen. Traditionell nahmen die unverheirateten, 25-jährigen Frauen, die Catherinettes, an diesem Tag an einer Prozession teil, um bei der Schutzheiligen für eine Ehe zu beten.

Bis heute wird an diesem Tag der "Tag des Hutes" gefeiert. Viele Modehäuser in Paris präsentieren ihre neuen Kollektionen. Dabei müssen die Hüte immer in den Farben Gelb für den Glauben und Grün für Wissen und Weisheit sein.

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Stephanustag – 26 . Dezember

Das Brauchtum des Stephanus-Steinigens wird vor allem im Münsterland praktiziert. Es soll an den Märtyrertod des heiligen Stephanus erinnern. Er gilt als der Erste, der wegen seines Bekenntnisses zu Jesus getötet wurde. Vom Hohepriester wurde er wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt und fand den Tod durch Steinigung.

An seinem Gedenktag, dem 26. Dezember, ziehen Männer von Kneipe zu Kneipe. Jeder muss einen Stein in seiner Tasche dabei haben. Auf Anfrage muss er diesen auf die Theke legen. Kein Stein dabei? Dann muss der Mann eine Runde bezahlen.

Linktipp: Der erste Märtyrer

Zunächst könnte es ein wenig seltsam anmuten, dass die katholische Kirche gleich am Tag nach dem Freudenfest von Christi Geburt des ersten Märtyrers gedenkt. Doch ein Blick auf die Geschichte des heiligen Stephanus erklärt, warum.

Von Julia Martin