...Gott erhalt's!

Aktualisiert am 01.08.2014  –  Lesedauer: 
Tag des Bieres

Freiburg ‐ Warum haben sich im frühen Mittelalter so viele Klöster auf das Bierbrauen spezialisiert? Wieso findet man in der Bibel 1543 Verse über Wein, aber nur 16 über Bier? Warum dürfen Christen Alkohol trinken, Muslime aber nicht? Alles Fragen, die sich heute am Internationalen Tag des Bieres stellen und die Bernhard Uhde, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Freiburg und Experte für Bier und Wein im Interview mit katholisch.de sehr kurzweilig beantwortet.

  • Teilen:

Frage: Herr Uhde, schon im frühen Mittelalter brauten die Mönche Bier und auch heute gibt es deutschlandweit noch viele Klosterbrauereien. Wie kommt es zu dieser innigen Beziehung?

Uhde: Die Mönche hatten früher in der Fastenzeit - und es gab ja nicht nur die vor Ostern, sondern auch die vor Weihnachten - mit den Einschränkungen zu kämpfen. Und weil die Regel besagt, dass Flüssiges das Fasten nicht bricht, haben sie sich auf Bier verlegt. Die Mönche, die ja auch schwere körperliche Arbeit verrichteten, waren froh, sich auf diese Weise stärken zu dürfen. Es gibt ja auch den bayerischen Spruch: Zwei Bier sind so gut wie eine Semmel, nur – dann hat man ja noch nichts getrunken.

Frage: Warum ist in der Bibel kaum von Bier die Rede, aber oftmals von Wein?

Uhde: Das hat sicherlich erst einmal pragmatische Gründe. Auch wenn es schon damals in diesen Breiten Bier gab, hatte dieses einen Nachteil gegenüber dem Wein: Es ist nicht so lange haltbar. Den Wein kann man lange lagern, indem man ihm das Wasser entzieht. Das geht beim Bier nicht.

Frage: Dem Wein kommt in der Bibel eine ganze besondere Rolle zu, wenn man zum Beispiel an das letzte Abendmahl denkt. Jesus hätte mit seinen Jüngern ja auch Wasser trinken können…

Uhde: Das liegt - vereinfacht gesagt - wohl an dem in der Antike verbreiteten Glauben, dass alles, was stärker ist als der Mensch, etwas Göttliches in sich trägt. Man spricht ja auch vom Gott des Weines. Im jüdischen Glauben wird der Wein nicht vergöttlicht, sondern von Gott gegeben, deshalb spielt in der Bibel der Weinstock eine wichtige Rolle. Die geringe Haltbarkeit des Bieres wiederum spricht gegen dessen Göttlichkeit und Destillate gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Frage: Gibt es im Christentum Beschränkungen, was den Alkohol angeht?

Uhde: Ja, in der Bibel heißt es zum Beispiel über Noah, dass er sich berauscht, sich vor seiner Familie entblößt und sich zum Gespött macht. Übermäßiges Trinken wird also nicht gutgeheißen. Auch der Kirchenvater Clemens von Alexandria warnte schon davor, sich am Alkohol zu berauschen.

Frage: Das heißt also Alkohol ja, aber in Maßen...

Bild: ©Universität Freiburg

Bernhard Uhde ist katholischer Theologe und Professor für Religionswissenschaft an der Universität Freiburg.

Uhde (lacht): Ja, in Maßen, allerdings nicht im bayerischen Sinn. Ein Verbot gibt es nicht, weil der Genuss des Weines des Menschen Herz erfreut und ihm für eine Weile die Sorgen nimmt. In dem er Vergangenes und die Zukunft für den Moment vergisst, erreicht er "Gegenwart" und bekommt einen Vorgeschmack auf das Paradies. Denn man hofft, dort nach dem Tod eine immerwährende Gegenwart zu erreichen.

Frage: Warum dürfen Muslime keinen Alkohol trinken?

Uhde: Algazel, einer der bedeutendsten religiösen Denker des Islams, sagte dazu: Wein wäre durchaus erlaubt, wenn nicht jedes Glas zu einem weiteren führen würde. So nach dem Motto 'wehret den Anfängen'. Wenn etwas reizvoll ist, lasse es lieber ganz, als nur wenig davon zu kosten und dich in Versuchung zu führen. Das steht auch hinter dem Berührungsverbot für Unverheiratete. Lieber einen Zaun um das Gebot ziehen, als eine Grenzüberschreitung riskieren.

Frage: Soll das heißen, die Kirche traut Christen mehr Mäßigung zu?

Uhde: Wenn man so will. Das kommt einfach daher, weil es in der jüdischen Tradition Ritualtrünke gab, etwa zum Pessach-Fest, an dem eine ganz bestimmte Menge Wein getrunken wurde. So lernte man, sich zu beherrschen. Deshalb hat man wohl fälschlicherweise angenommen, Christen könnten sich beschränken. Allerdings muss man sich nur den Kölner Karneval oder das Oktoberfest anschauen, um eines Besseren belehrt zu werden.

Das Interview führte Janina Mogendorf

Zur Person

Bernhard Uhde ist katholischer Theologe und Professor an der Universität Freiburg. Im Rahmen seiner Forschung befasst er sich auch mit den Weltreligionen. An Wein und Bier fasziniert den 65-Jährigen das große Spektrum der feinen Geschmacksnuancen.