Caritas-Präsident über die Folgen des Bundestagsentscheids

Neher: "Ehe für alle" macht Segnungen schwieriger

Aktualisiert am 20.07.2017  –  Lesedauer: 
Prälat Peter Neher gestikuliert mit seiner Hand.
Bild: © KNA
Kirche

Berlin ‐ Die Abstimmung zur "Ehe für alle" erhitzte die Gemüter. Während viele feiern, sieht Caritas-Präsident Peter Neher Schwierigkeiten auf die Homosexuellenpastoral der Kirche zukommen.

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Nach Ansicht von Caritas-Präsident Peter Neher hat das Gesetz zur "Ehe für alle" den Handlungsspielraum für die katholischen Kirche eher verkleinert. Überlegungen, eigene liturgische Formen für homosexuelle Partnerschaften in der Kirche zu finden, seien deutlich erschwert worden, sagte Neher in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur am Donnerstag in Berlin. Durch eine klare Trennung von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft wäre es "vielleicht sogar für unsere Kirche einfacher gewesen". Die katholische Kirche könne keine liturgische Form anbieten, welche die Ehe und homosexuelle Partnerschaften gleich behandele.

Anfang Juli hatte der Berliner Erzbischof Heiner Koch zu einem Segen, wie er in einigen evangelischen Gemeinden für gleichgeschlechtliche Partnerschaften möglich ist, gesagt: "Wir werden alles unterlassen, was die Vermutung nahelegt, Verbindungen Homosexueller seien mit der Ehe gleich." Eine Segnung komme deshalb nicht in Frage. "Die Ehe ist für uns ein Sakrament, das der Schöpfungsordnung entspricht," so der Familienbischof.

Linktipp: Bischöfe kritisieren Bundestagsbeschluss zur Ehe

Der Bundestags hat für die "Ehe für alle" gestimmt. Mehrere deutsche Bischöfe bedauern die Entscheidung. Die evangelische Kirche wählt dagegen einen anderen Weg.

Hingegen sah der Präsident des Familienbunds der Katholiken, Stefan Becker, vor der Abstimmung in der "Ehe für alle" auch eine Chance für die katholische Kirche, um die Debatte über Familienverhältnisse wieder in Fahrt zu bringen. Innerkirchlich gehöre dazu auch, dass die Kirche über "neue liturgische Formen" wie Segnungen für homosexuelle Paare und die Bedeutung einer "von Gott gewollten Beziehung" nachdenke.

"Vermutlich braucht es eine Weiterentwicklung des Splittings"

Weiter sprach sich Neher auch für eine Weiterentwicklung des Ehegattensplittings aus. "Als kirchlichem Verband ist uns natürlich der Schutz der Ehe wichtig, aber vermutlich braucht es eine Weiterentwicklung des Splittings mit Blick auf die Kinder", so der Caritas-Präsident. Er plädierte auch für eine Reform des Kinderzuschlags, der Familien mit geringem Einkommen zugutekommt. Es bräuchte da flexiblere Grenzen. So dürfe es nicht sein, dass Familien den Zuschlag nicht erhielten, weil sie ein paar Euro mehr verdienten. (luk/KNA)