Warum ein Schweizer Bischof Bier brauen lässt
Charles Morerod und seine Leidenschaft für den Gerstensaft

Warum ein Schweizer Bischof Bier brauen lässt

"Ich liebe Bier", gesteht Charles Morerod im Gespräch mit katholisch.de. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der Schweizer Bischof unter die Bierbrauer gegangen ist.

Von Gabriele Höfling |  Freiburg - 04.08.2017

Hopfen und Malz, Gott erhalt's. Das wird sich wohl auch der Bischof Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg in der Schweiz denken. Denn Charles Morerod lässt seit knapp drei Jahren sein eigenes Bier brauen. Warum, hat er katholisch.de zum Internationalen Tag des Bieres im Interview erzählt.

Frage: Ist das Bier brauen in der katholischen Kirche nicht Ordens- statt Bischofssache?

Morerod: Ja, das kann man so sagen. Anders als die Mönche braue ich das Bier aber auch nicht selbst.

Frage: Sie stehen also nicht selbst am Brauereikessel?

Morerod: Nein, ich besuche die Brauerei aber, um unsere Produkte kennenzulernen.

Frage: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein eigenes Bier zu kreieren?

Morerod: Die Idee hatte ich, weil es bereits seit dem 19. Jahrhundert bei uns in Freiburg ein Bier namens "Cardinal" gibt. Die lokale Brauerei Blancpain hatte es damals zu Ehren von Gaspard Mermillod gebraut, als dieser als erster Freiburger Bischof die Kardinalswürde erhielt. Man hat mir gesagt: Wenn es schon ein Bier des Kardinals gibt, warum nicht auch ein Bier des Bischofs? Wenn man mit Leuten isst oder trinkt, hat man auch die Gelegenheit, mit ihnen zu sprechen. Jesus macht das im Evangelium genauso und verwandelt sogar Wasser in Wein. Außerdem liebe ich Bier!

 

Charles Morerod ist seit 2011 Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg. Der Dominikanerpater lehrte zuvor unter anderem an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin in Rom.

 

Frage: In allen drei Biernamen verbirgt sich ein Wortspiel. Wer denkt sich die aus?

Morerod: Ich muss gestehen, dass ich das nicht selbst war. Dahinter steckt meine Medienbeauftragte Laure-Christine Grandjean. Sie ist der kreative Kopf.

Frage: Sie haben bereits Ihr drittes Jahrgangsbier herausgebracht. Ihr erstes hieß "Urbi et Ortie", eine Anspielung auf den würzigen Geschmack (frz. "ortie" für "Brennessel"). Das zweite "Les 12 Épeautres", also die "Die 12 Dinkelkörner" anstatt "Les 12 Apôtres" ("Die 12 Apostel"). Was hat es mit Ihrem neuesten Bier auf sich?

Morerod: Es heißt "L’amère Supérieure" – auch das ist wieder ein Wortspiel. "L’amère" heißt "Das bittere" und klingt wie "La Mère" ("Die Mutter"). Es ist eine Anspielung an die Oberin einer Schwesterngemeinschaft, die im Französischen "la mère Supérieure" heißt. Bitter oder herb ist das Bier, weil es sich der Brauweise nach um ein "India Pale Ale" (IPA) handelt.

Frage: Jedes Jahr kommt der Erlös anderen Einrichtungen zugute, in diesem Jahr zwei Schweizer Caritas-Verbänden und einer Palliativstation in Indien. Wie werden diese Einrichtungen ausgewählt?

Morerod: Wir machen es immer so: ein Ort bei uns in der Schweiz, einer im Ausland. Weil die Caritas in den Kantonen Waadt und Genf 75 Jahre alt werden, haben wir sie ausgewählt. Und die Palliativstation in Indien erschien uns logisch, weil es sich um ein IPA-Bier handelt [wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert für die indischen Kronkolonien gebraut; Anm. d. Red.]. Ich kenne darüber hinaus aber auch einige Schwestern dieser Gemeinschaft in Indien, weil sie meine Studentinnen waren, als ich an einer Päpstlichen Universität in Rom gelehrt habe.

Frage: Sie wurden mit den Worten zitiert, das Bier solle auch eine Möglichkeit sein, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, und zwar auch mit solchen, die mit der Kirche nicht so viel zu tun haben. Wie funktioniert das?

Morerod: Ganz einfach: Wir laden die Menschen ein, das neue Bier bei uns probieren zu kommen. Da sind auch viele bei, die ich ansonsten nicht in den Kirchen sehe...

Frage: Wie lang soll das noch weitergehen? Wollen Sie im Jahr 2035 ihr 20. Jahrgangsbier herausgeben?

Morerod: Hoffentlich! Das klappt aber nur dann, wenn ich selbst nicht zu viel Bier trinke...

Von Gabriele Höfling