Franziskus äußert beim Angelus harsche Kritik

Papst wird deutlich: "Das ist übel, grausam, kriminell"

Aktualisiert am 30.07.2017  –  Lesedauer: 
Papst Franziskus beim Angelusgebet.
Bild: © KNA
Vatikan

Vatikanstadt ‐ Papst Franziskus ist ein Freund klarer Worte. Doch am Sonntag wurde er selbst für seine Verhältnisse überdeutlich: Dieses "verabscheuungswürdige" Problem betrifft jeden.

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Papst Franziskus hat Menschenhandel als "verabscheuungswürdig" gebrandmarkt. Beim öffentlichen Mittagsgebet am Sonntag in Rom rief er alle gesellschaftlichen Kräfte auf, gegen diese "moderne Form der Sklaverei" vorzugehen. Jährlich würden Tausende Männer, Frauen und Kinder um ihrer Arbeitskraft willen oder sexuell ausgebeutet oder für Organhandel missbraucht. Der Papst rief zum Gebet für die Opfer und für die Bekehrung der Menschenhändler auf. Die Öffentlichkeit scheine an Menschenhandel so sehr gewöhnt, dass man ihn für etwas Normales halte, kritisierte Franziskus. "Das ist übel, das ist grausam, das ist kriminell."

Franziskus äußerte sich anlässlich des Internationalen Tags gegen Menschenhandel, der an diesem Sonntag begangen wurde. Nach Angaben der Vereinten Nationen leiden über 20 Millionen Menschen weltweit unter den Folgen von Menschenhandel. Mehr als zwei Drittel der Ausbeutung gehen laut einer Mitteilung der Flüchtlingshilfsorganisation UNHCR auf das Konto von Zwangsprostitution. 70 Prozent der Opfer sind Frauen und Mädchen, der Anteil der Minderjährigen beträgt ein Viertel.

Im Vatikan arbeitet seit 2014 die "Santa Marta Group" gegen Menschenhandel und Sklaverei. Die von der Bischofskonferenz von England und Wales initiierte Einrichtung vereint Experten aus über 30 Ländern. Vertreter der deutschen Bischöfe bei der jüngsten Konferenz im Oktober 2016 war Hamburgs Erzbischof Stefan Heße.

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Weiter rief der Papst in seiner Ansprache zu Engagement und Opferbereitschaft auf. Für Gläubige stehe "Jesus an erster Stelle". Es gehe dabei nicht darum, alles andere geringzuschätzen, sondern es Jesus unterzuordnen. Ein Christ habe "viel mehr gefunden: die vollkommene Freude". Diese Gegenwart Jesu müsse Christen offen machen für die Not anderer und für "Aufnahmebereitschaft gegenüber den Brüdern, besonders den schwächsten", sagte Franziskus.

Papst: Das Reich Gottes kommt nicht von alleine

Franziskus mahnte unter Verweis auf das Sonntagsevangelium dazu, für den Glauben "alles zu riskieren". Das Reich Gottes werde "nicht auf einem Silbertablett angeboten, es braucht tätigen Einsatz: Es geht darum, zu suchen, vorwärtszugehen, sich anzustrengen". Jesus sei der "verborgene Schatz", der "unserem Leben eine entscheidende Wende geben kann, indem er es mit Sinn füllt", sagte der Papst. (kim/KNA)

30.07., 13:35 Uhr: Ergänzt um weitere Informationen zur Ansprache

Linktipp: "Menschen sind keine Gebrauchsgegenstände"

Für den Kampf gegen Menschenhandel hat Franziskus die sogenannte Santa Marta Group gegründet. Die traf sich nun im Vatikan. Von den Berichten der Opfer zeigt sich ein deutscher Erzbischof erschüttert. (Artikel von Oktober 2016)