Van Rompuy äußerte sich zu Auseinandersetzung mit Ordenskliniken

Sterbehilfe: Früherer EU-Ratspräsident kritisiert Papst

Aktualisiert am 16.08.2017  –  Lesedauer: 
Lebensschutz

Brüssel ‐ Kürzlich untersagte Papst Franziskus einem belgischen Orden, Sterbehilfe in seinen Kliniken anzubieten. Vom Orden gibt es zwar noch keine Antwort. Aber dafür hat sich Herman Van Rompuy zu Wort gemeldet.

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Die Auseinandersetzung um die Sterbehilfe in belgischen Ordenskliniken geht weiter: Das Einschreiten von Papst Franziskus, der diese Praxis den Ordensleuten verbot, hat Herman Van Rompuy, ehemaliger Europaratspräsident, auf Twitter kritisiert. In einem Tweet deutete er an, der Papst habe in dieser Sache nicht mitzureden. Auf Niederländisch schrieb er "Die Tage von 'Roma locuta, causa finita' [Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt] sind lange vorbei".

Bisher keine Antwort aus Belgien

Papst Franziskus hatte vor etwa einer Woche die "Broeders van Liefde" dazu aufgefordert, keine aktive Sterbehilfe mehr in ihren psychiatrischen Kliniken anzubieten. Die belgischen Ordensbrüder, die laut eigenen Angaben 15 psychiatrische Einrichtungen in Belgien betreiben, müssen nun bis Ende August eine entsprechende Erklärung abgeben. Ansonsten drohen ihnen zivilrechtliche Schritte und sogar eine Aberkennung des Ordensstatus. Bislang gibt es jedoch noch keine Antwort des Ordenszweiges.

Van Rompuys Äußerung war die Antwort auf den Tweet des belgischen Kirchenrechtlers Kurt Martens. Der hatte getwittert, dass der ehemalige Europaratspräsident auch im Vorstand der Klinik-Betreiberorganisation sitze, und kommentiert: "Sic transit gloria mundi", zu Deutsch "So vergeht der Ruhm der Welt". Rene Stockman, der Generalobere des Ordens, sagte der englischen Nachrichtenseite "Crux", er habe "keine Idee, was seine [Van Rompuys] Absicht war, das auf Twitter zu stellen". Deswegen könne er das nicht weiter kommentieren.

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Die Auseinandersetzung um Sterbehilfe in den belgischen Einrichtungen der Barmherzigen Brüder läuft schon seit März 2017. Damals hatten die Betreiber angekündigt, die Praktiken ihrer psychiatrischen Einrichtungen an das belgische Gesetz zur Sterbehilfe anpassen zu wollen. Seit 2003 ist aktive Sterbehilfe in Belgien unter bestimmten Voraussetzungen nicht strafbar, auch psychisch Erkrankte und Kinder können sie in einigen Fällen beantragen. Der Generalobere Stockman, der gegen dieses Vorgehen war, hatte sich im Frühjahr an den Vatikan gewandt, nachdem ein Antrag auf Rücknahme dieser Änderung von den Betreibern abgelehnt worden war. Sie ignorierten weitere ähnlich lautende Aufrufe, darunter eine Stellungnahme zur Kirchenlehre über das Verbot von Sterbehilfe, die Kardinal Gerhard Ludwig Müller, damaliger Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, an sie adressierte.

Die "Broeders van Liefde" wurden 1807 im belgischen Gent von Peter Joseph Triest gegründet. Der Orden ist in 31 Ländern aktiv und hat sich dem Dienst an alten und psychisch kranken Menschen verschrieben. Er ist nicht identisch mit den in Deutschland vertretenen Kongregationen der Barmherzigen Brüder. (jhe)