Der Marienwallfahrtsort Medjugorje in Bosnien.
Papstgesandter überzeugt von Spiritualität des Wallfahrtsorts

"Alles deutet auf Anerkennung von Medjugorje hin"

Marienwallfahrt - Der bosnisch-herzegowinische Wallfahrtsort zieht jedes Jahr 2,5 Millionen Gläubige an, doch offiziell anerkannt ist er noch nicht. Geht es nach dem Papstgesandten für Medjugorje, könnte sich das bald ändern.

Warschau - 20.08.2017

Der Papstgesandte für den bosnisch-herzegowinischen Wallfahrtsort Medjugorje rechnet mit einer Anerkennung der Marienerscheinungen, die dort stattgefunden haben soll, durch den Vatikan. "Alles deutet darauf hin, dass die Erscheinung anerkannt wird, vielleicht noch in diesem Jahr", sagte Erzbischof Henryk Hoser von Warschau-Praga der polnischen Nachrichtenagentur KAI (Wochenende).

Angeblich tägliche Marienerscheinungen

Die Glaubenskongregation habe die Dokumentation der gemeldeten Erscheinungen der Gottesmutter bereits dem vatikanischen Staatssekretariat übergeben. Es sei schwer zu glauben, dass sechs Seher seit 36 Jahren lügen, sagte Hoser. Den Vorschlag der von Kardinal Camillo Ruini geleiteten Untersuchungskommission von 2014, die Echtheit der ersten Erscheinungen anzuerkennen, befürwortete er.

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Video: © katholisch.de

Wer ist Maria? Eine Folge der Serie "Katholisch für Anfänger".

Seit Juni 1981 sollen sich in Medjugorje bei Mostar angeblich täglich Marienerscheinungen abspielen, mehr als 40.000 insgesamt. Sie sind in der katholischen Kirche umstritten; eine Anerkennung durch den Vatikan fehlt. Insbesondere Ortsbischof Ratko Peric von Mostar-Duvno bezweifelt die Marienerscheinungen. Über eine mögliche Anerkennung muss letztlich Papst Franziskus entscheiden. Im Februar hatte er Hoser zum päpstlichen Sondergesandten für Medjugorje ernannt, um die dortige pastorale Situation und die Bedürfnisse der Pilger zu untersuchen.

Hoser betont in dem Interview, in dem Wallfahrtsort laufe "alles in die richtige Richtung". Es sei nicht seine Aufgabe gewesen, "Medjugorje zu schließen". Medjugorje sei einer der "lebendigsten Orte des Gebets und der Bekehrung in Europa". Dort gebe es eine "gesunde Spiritualität". Die Ordensmänner in dem Ort verhindern ihm zufolge "touristische Elemente" bei den Besuchen. Niemand reise in das herzegowinische Dorf, "um seine Neugier zu befriedigen". Gläubigen seiner Diözese könne er eine Wallfahrt nach Medjugorje empfehlen, so der Erzbischof von Warschau-Praga.

Jährlich besuchen rund 2,5 Millionen Gläubige aus aller Welt Medjugorje. Offizielle Wallfahrten mit Bischöfen waren lange nicht möglich. Laut Hoser haben allerdings schon vier Kardinäle, viele Bischöfe und Tausende Priester Gläubige dorthin begleitet. Bistümer und Pfarreien sollten bislang zwar keine Wallfahrten organisieren. Gruppen von Gläubigen dürften dies jedoch.

Der Bischof von Warschau-Praga, Erzbischof Henryk Hoser, ist der Papstgesandt für Medjugorje.

Im Mai hatte Franziskus einen Kommissionsbericht zu Medjugorje als "sehr gut" bezeichnet. Zugleich wiederholte er seine ironische Einschätzung, er sehe Maria nicht als "Leiterin eines Telegrafenamtes, das jeden Tag eine Nachricht zu einer bestimmten Stunde versendet".

42.000 Erscheinungen

Am 24. Juni 1981 hatten in Medjugorje erstmals drei Hirtenkinder von Erscheinungen der Gottesmutter berichtet. Einen Tag später soll sie drei weiteren Kindern erschienen sein. Die sechs Seher haben nach eigenen Angaben seitdem regelmäßig Erscheinungen, bisher insgesamt rund 42.000. Später berichteten sie auch von Botschaften der "Gospa" (Herrin). Die Berichte lösten einen anhaltenden Pilgerstrom aus. (KNA)

Linktipp: Ist Maria "Miterlöserin"?

Bestrebungen, Maria den Titel "Miterlöserin" zu geben, gibt es seit langem. Würde die Kirche die Bezeichnung "offiziell" machen – etwa in Form eines Dogmas –, könnte das Probleme mit sich bringen.