Ein Feuerwehrauto auf dem Weg zum Einsatz.
Feuer an Gebäude der Religionsgemeinschaft in Menden gelegt

Anschlag auf Gemeindehaus der Zeugen Jehovas

Kriminalität - Unbekannte Täter haben in der Nacht an einem Gemeindehaus der Zeugen Jehovas in Menden Feuer gelegt. Am Eingang des Gebäudes fanden die Rettungskräfte zudem ein verdächtiges weißes Pulver.

Menden - 05.09.2017

Auf ein Gebäude der Zeugen Jehovas in der nordrhein-westfälischen Stadt Menden ist ein Brandanschlag verübt worden. Wie die Feuerwehr in der Nacht auf Dienstag mitteilte, wurden an mehreren Stellen außerhalb des Gemeindehauses kleine Feuer gelegt. Die Feuerwehr konnte die Brandstellen schnell löschen, es entstand lediglich geringer Schaden.

Im Eingangsbereich des Gebäudes fiel den Rettungskräften allerdings ein unbekanntes weißes Pulver auf. Daher wurde die Einsatzstelle weiträumig gesperrt und eine Spezialeinheit aus Dortmund alarmiert. Die sogenannte Analytic Task Force baute an der Unfallstelle ein mobiles Labor auf und führte eine Analyse des weißen Pulvers durch. "Die Analyse hat ergeben, dass der Stoff ungefährlich ist", sagte ein Sprecher der Feuerwehr Menden.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gemeindemitglied

Am Dienstag meldeten Ermittler die Festnahme eines Gemeindemitglieds. Gegen die Frau werde nun wegen schwerer Brandstiftung ermittelt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Arnsberg. Die Beschuldigte habe eingeräumt, einen Grillanzünder zerbröselt und die Stücke an neun Stellen der Fassade angezündet zu haben. Anhaltspunkte für ein politisches oder religiöses Motiv gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. Der Staatsschutz ermittle nicht. Offenbar sei die Tat persönlich motiviert gewesen; die Frau habe über Streitigkeiten mit der Gemeinde berichtet.

Nordrhein-Westfalen hatte die Zeugen Jehovas im Februar als letztes Bundesland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Damit ist die Glaubensgemeinschaft den großen Kirchen gleichgestellt. Die umstrittene Gemeinschaft war 2006 in Berlin nach langem Rechtsstreit erstmals von einem Bundesland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt worden. In Deutschland gibt es laut Zeugen Jehovas gut 200.000 Mitglieder. Kritiker monieren, die Gemeinschaft sei eine "autoritäre Sekte" und eine "restriktive Organisation", die blinden Gehorsam erwarte und ihre Mitglieder sozial isoliere. (kim/dpa/KNA)

05.09., 12:55 Uhr: Ergänzt um Hinweise zur Tatverdächtigen