Schachfigur
Joachim Valentin über fremdsprachige Katholiken in Deutschland

Weltkirche in Deutschland?

Standpunkt - Joachim Valentin über fremdsprachige Katholiken in Deutschland

Von Joachim Valentin |  Bonn - 08.09.2017

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Jetzt ist es amtlich: Ungarn, die Slowakei und andere EU-Länder müssen sich an der Verteilung von 120.000 Flüchtlingen beteiligen. Der Europäische Gerichtshof hat vorgestern die Klagen der beiden Staaten gegen einen entsprechenden Beschluss der EU-Mitglieder vom September 2015 zurückgewiesen, bei dem sie überstimmt worden waren. Was nun? Während die Slowakei ankündigte, das Urteil zähneknirschend zu akzeptieren, wiesen Ungarn und auch Polen den Richterspruch scharf zurück und bringen sich damit einmal mehr nicht nur in Konfrontation mit der politischen Linie der EU, sondern auch der deutschen Politik.

In allen drei genannten EU-Staaten bilden nationalkonservative Parteien die Regierung, alle erfahren eine breite Unterstützung aus Klerus und Episkopat und vermutlich auch der katholischen Bevölkerung.

Und die polnischen, ungarischen, slowakischen, aber auch die kroatischen und andere nichtdeutschsprachige Gemeinden oder "Missionen" in Deutschland? Wie denken hier die Gemeindemitglieder über die EU-Flüchtlingspolitik? Wie denken sie über die Linie der deutschen Kanzlerin und der hiesigen katholischen Kirche, die von den Kardinälen Marx und Woelki unmissverständlich im Namen des Evangeliums und von Papst Franziskus propagiert wird? Der Skandal besteht weniger darin, dass in deutschen Großstädten bis zu 40 Prozent der Katholiken in diesem Punkt vermutlich anderer Meinung sind als die "katholische Öffentlichkeit", sondern dass "wir", die "biodeutschen" Katholiken es schlicht nicht wissen!

Denn es gibt kaum Orte, an denen die "Weltkirche", die in Deutschland längst in großen Zahlen präsent ist – allein in Frankfurt leben mehr als zehntausend Polen –, mit dem "hiesigen" Katholizismus zusammentrifft, weder virtuell noch real gibt es Gelegenheiten, sich zu treffen, sich über gelebten Glauben, aber auch über gesellschaftliche oder politische Fragen auszutauschen. An der Hürde der Sprache kann es kaum liegen, denn vor allem slawische Migranten gelten als sehr gut integriert. Doch in den Gemeinden wird kein Deutsch gesprochen und es sind vor allem kirchenpolitische Differenzen sowie die Tatsache, dass kaum deutschsprachige Priester in den Gemeinden wirken, die einen solchen Austausch verhindern. Was sind die Antworten der Bischöfe und der zuständigen Referate, diesen Missstand mangelnder Integration und mangelnden weltkirchlichen Bewusstseins hier im Land zu verbessern oder besser noch zu beenden?

Von Joachim Valentin

Der Autor

Joachim Valentin ist Direktor des katholischen Kultur- und Begegnungszentrums "Haus am Dom" in Frankfurt am Main und Vorsitzender des Frankfurter Rates der Religionen.

Hinweis

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