Brüder der Nächstenliebe wollen aktive Sterbehilfe zulassen

Ordensoberer schämt sich für belgische Mitbrüder

Aktualisiert am 21.09.2017  –  Lesedauer: 
Sterbehilfe

Gent ‐ Ein belgischer Orden will aktive Sterbehilfe in seinen Kliniken zulassen. Neben dem Papst ruft das jetzt auch den Ordensoberen auf den Plan. Und der findet deutliche und persönliche Worte.

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Der Ordensobere der Brüder der Nächstenliebe (Broeders van Liefde), Rene Stockman, hat den belgischen Zweig seiner Gemeinschaft zum Dialog aufgerufen. Entscheidend sei die Klärung, ob in den Kliniken der Brüder in Belgien aktive Sterbehilfe ausgeführt wird oder nicht, schreibt er in einem am Mittwoch veröffentlichten Kommentar. Im April kündigte der belgische Zweig an, dass er aktive Sterbehilfe für psychisch Kranke in seinen Kliniken nicht mehr ausschließe.

Die vatikanische Glaubenskongregation und Stockman selbst hatten daraufhin von den drei Brüdern im Vorstand der Krankenhäuser in Ordensträgerschaft gefordert, sich bis Anfang September von aktiver Sterbehilfe für psychisch Kranke zu distanzieren. Im August hatte sich auch Papst Franziskus persönlich eingeschaltet und sich explizit gegen aktive Sterbehilfe in den Kliniken des Ordens ausgesprochen. Vor rund zwei Wochen verlängerte der Vatikan das Ultimatum noch einmal bis zur nächsten Vorstandssitzung der Kliniken. Der Orden kündigte aber bereits an, wohl bei seiner Entscheidung bleiben zu wollen.

Nun schreibt Stockman, der sich derzeit für die Eröffnung einer neuen psychiatrischen Klinik des Ordens in der Demokratischen Republik Kongo befindet, dass er sich für die Position der belgischen Brüder "schämt". Er sei "überrascht" gewesen, dass die Brüder glaubten, dass ihre Entscheidung mit der katholischen Lehre vereinbar sei. Er hoffe immer noch, dass die belgischen Brüder ihre Entscheidung überdenken.

Vorstand der Organisation ist "dornreiches" Thema

Der Ordensobere kritisiert, dass Selbstbestimmung als Wert in Ausnahmefällen mehr Würdigung erfahre als die Unantastbarkeit der Person. Der absolute Respekt für das Leben sei ein "universaler Wert" und könne nicht einfach als "kulturspezifisch" abgetan werden. Stockman geht damit auf die Frage ein, inwieweit die Brüder der Nächstenliebe ihre Pflege an die Gegebenheiten vor Ort anpassen sollten und ob aktive Sterbehilfe als Teil der Kultur in Belgien angesehen werden könne.

Als ein "dornenreiches" Thema beschreibt Stockman den Vorstand der Organisation, die die 15 Kliniken verwaltet. Er bestehe nur aus Juristen und Ökonomen; einige hätten aus erster Hand keine Erfahrung mit der Pflege von psychisch Kranken. Sterbehilfe dürfe nicht als eine "letzte Therapie" angesehen werden. Es brauche neue Therapien, Pflegemodelle und palliative Pflege für psychisch Kranke entwickelt.

Der Ordensobere betont, dass der Vatikan und die Generalverwaltung der Broeders van Liefde das Thema ernst nähmen. Es sei ihre Verantwortung sicherzustellen, dass die Bezeichnung "katholisch" nicht erodiere oder missbräuchlich verwendet werde. Die Kongregation müsse sicherstellen, dass "das Charisma von Nächstenliebe weiterhin auf wirklicher Barmherzigkeit begründet ist und sich nicht in eine Karikatur verwandelt", so Stockman. (bod/KNA)