Zwei Kreuze auf einer Kirchenkuppel
Bild: © KNA
Untersuchung zu staatlichen Einschränkungen von Religionen veröffentlicht

Studie: Christentum am häufigsten staatlich bevorzugt

Forschung - Offiziell ist das Christentum in 13 Ländern eine Staatsreligion - davon neun in Europa. In einigen Staaten wird es jedoch inoffiziell bevorzugt. Das zeigt eine Analyse des Pew Research Centers.

Washington - 04.10.2017

Das Christentum ist die am häufigsten inoffiziell von Staaten bevorzugte Religion; die häufigste Staatsreligion ist der Islam. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des amerikanischen Pew Research Centers, die am Dienstag (Ortszeit Washington) veröffentlicht wurde. Mehr als 80 Länder der 199 analysierten Staaten und Gebiete der Welt präferieren demnach eine bestimmte Religion auf eine bestimmte Weise: entweder offiziell als Staatsreligion, oder, indem sie etwa eine Religion begünstigend behandeln. Die Mehrheit der Länder stehe Religionen allerdings generell neutral gegenüber.

40 Staaten bevorzugen laut den Forschern eine Religion, ohne, dass diese Staatsreligion ist. Begünstigt würden sie stattdessen durch entsprechende Gesetze oder Aktionen – typischerweise durch juristische, gesetzliche oder andere praktische Vorteile. In 70% dieser Länder sei das eine christliche Religion. "Tatsächlich erhalten christliche Kirchen in mehr Ländern – 28 – eine bevorzugte Behandlung als jeder andere inoffizielle, aber begünstigte Glaube", so die Forscher. Darunter sind hauptsächlich europäische oder amerikanische Staaten wie Polen und Spanien oder Peru und Argentinien.

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Als Staatsreligion ist der Islam am häufigsten: 27 Länder haben ihn offiziell in ihrer Verfassung oder ihren Grundgesetzen verankert. Die meisten davon liegen in der Region Mittlerer Osten/Nordafrika, zeigt die Studie auf. Das Christentum oder eine christliche Konfession sei dagegen nur in 13 Ländern gesetzlich festgeschrieben, davon neun europäische Nationen, wie etwa Großbritannien (Anglikanismus), Monaco (Katholizismus) und Island und Dänemark (evangelisch-lutherische Kirche). In manchen Fällen habe eine Staatsreligion nur zeremonielle Bedeutung. Meist aber gehe dies mit Privilegien einher, etwa bei Eigentumsverhältnissen, staatlicher finanzieller Unterstützung oder Steuervorteilen.

Verbot von religiösen Minderheiten

Die Forscher entdeckten außerdem, dass Länder, die eine Glaubensrichtung bevorzugten oder sogar eine offizielle Staatsreligion haben, dazu tendierten, religiöse Praxis strenger zu reglementieren: In diesen Staaten sei es wahrscheinlicher, dass Religionen, die nicht die offiziell oder inoffiziell begünstigten sind, durch starke Reglementierungen eingeschränkt werden. Dazu gehöre die Begrenzung oder das Verbot von religiösen Minderheiten.

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In zehn Ländern fand das Forscherteam eine strikte Regulierung aller Religionen beziehungsweise sogar eine generell feindliche Einstellung gegenüber allen Glaubensrichtungen. Dazu zählen China, Kuba, Nordkorea, Vietnam und verschiedene ehemalige Sowjetstaaten wie Aserbaidschan oder Kasachstan. In diesen Staaten versuche die Regierung, die Glaubensausübung, die öffentliche Darstellung von Religion und politische Aktivitäten von religiösen Gruppen zu kontrollieren. Die meisten Staaten der Welt – über 100 der untersuchten – stehen den Religionen demnach allerdings neutral gegenüber. Das umfasse auch Staaten wie die USA, die zwar einigen religiösen Gruppen Privilegien einräumten, aber ohne bestimmte Religionen dabei systematisch zu bevorzugen. "Neutral" hieße laut den Forschern aber nicht, dass es keine Einschränkungen für die Glaubensrichtungen gebe: In Frankreich beispielsweise habe es im untersuchten Jahr einen hohen Grad an Einschränkungen für Religionen gegeben, etwa durch das Burka-Verbot.

Für ihre Analyse untersuchten die Forscher des Pew Research Center die betreffenden Verfassungen und Gesetze der Länder und Gebiete im Jahr 2015. Hinzu kamen Informationen von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen. Die Untersuchung ist Teil einer Studienreihe über Einschränkungen der Religion weltweit, für die das Forschungsinstitut in den vergangenen acht Jahren einen jährlichen Bericht veröffentlicht hat. (jhe)