Ein neuer Freund
Bild: © Privat
Ankunft zweier "Dschungelkinder" in der Casa Santa Rosa

Ein neuer Freund

Peru-Blog - Zum Leben in der "Casa Santa Rosa" gehören Abschiede, wie Walter Brüggemann in seinem letzten Beitrag berichtete, aber auch die Ankunft neuer Kinder, die ins Kinderdorf ziehen. Gerade lebt sich ein Geschwisterpaar ein. Ein Junge und ein Mädchen, beide im Kindergartenalter, die völlig verwahrlost auf der Straße im peruanischen Dschungelgebiet aufgegriffen wurden und nun ein neues Zuhause im Kinderdorf Cañete gefunden haben.

Cañete - 30.10.2014

Nachdem ich in meinem letzten Beitrag über einige Abschiede in unserem Kinderdorf geschrieben habe, möchte ich heute über unsere Neuankömmlinge berichten. So konnten wir in den letzten beiden Wochen zwei Geschwister - ein fünf Jahre altes Mädchen und ihren drei Jahre alten Bruder, hier in unserem Kinderdorf "Casa Santa Rosa", in Cañete begrüßen.

Zwei Kinder lachen in die Kamera
Bild: © Privat

Zwei strahlende Gesichter: Ein fünfjähriges Mädchen und sein kleiner Bruder haben in der "Casa Santa Rosa" ein neues Zuhause gefunden.

Aus dem Dschungel

Die meisten der rund einhundert Kinder in unserem Dorf kommen aus der armen Region um Cañete. Sie sind entweder Voll- oder Halbwaisen oder stammen aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Viele dieser Kinder wachsen mit mehreren Geschwistern auf, ohne Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Ihre Eltern, Großeltern oder andere Verwandte sind nicht in der Lage, die Kinder auch nur mit den nötigsten Dingen zu versorgen, die sie für ihr Heranwachsen brauchen.

Nur selten werden Jungen und Mädchen von weit her zu uns gebracht. Anders unsere beiden Neuankömmlinge: Sie kommen aus dem peruanischen Dschungelgebiet. Dort wurde eine Frau auf die beiden aufmerksam, die dort täglich durch die Straßen einer Stadt zogen und Sachen verkauften. Das fünfjährige Mädchen zog ihren kleinen Bruder auf einer Karre hinter sich her. Der Kleine machte einen kranken Eindruck, worauf die Anwohnerin die Polizei rief. Die verwahrlosten Kinder wurden schließlich in die Obhut von "nuestros pequeños hermanos" gegeben.

Parasiten und Würmer

Ihre Mutter ist inzwischen erneut schwanger und es soll auch noch einen älteren Bruder geben, der derzeit gesucht wird, damit er - dem Gedanken von "neustros pequeños hermanos" folgend - mit seinen Geschwistern zusammenbleiben und aufwachsen kann. Wir haben viele Geschwisterkinder hier in unserem Kinderdorf, in einigen Fällen sind bis zu fünf Kinder einer Familie, die hier leben und nach einiger Zeit im Dorf auch wirklich aufleben.

Seit ihrer Ankunft ist das kleine Mädchen aus dem Dschungel im Haus der Jüngsten untergebracht und lebt sich gut ein. Ihr Bruder musste die ersten Tage mit unserer Volunteer-Krankenschwester Julia im städtischen Krankenhaus von Cañete verbringen.

Er litt unter Parasiten und erbrach immer wieder Würmer, teilweise dreißig Zentimeter lang. Mittlerweile geht es ihm aber stündlich besser und er erfreut uns jeden Tag mit seinem Appetit. Unglaublich, was er momentan so alles verputzt! Ein liebenswerter Junge, dem man anmerkt, dass ihm sein neues Umfeld und die Aufmerksamkeit, die wir ihm schenken, sichtlich gut tun.

Gibt es bald eine eigene Klinik?

Momentan wohnt er mit Julia und mir im Haus der Freiwilligen. Er soll noch keinen direkten Kontakt zu den anderen Kindern haben, bis seine Krankheit vollständig abgeklungen ist und keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Hätten wir schon unsere neue Klinik, so wäre er dort untergebracht, denn es soll dort auch einen Quarantäneraum für Neuankömmlinge geben, wo sie in den ersten Tagen leben und auf Krankheiten untersucht und behandelt werden können.

ein kleiner Junge spielt mit einem Luftballon
Bild: © Privat

Hat Spaß beim Spielen: Kleiner Mitbewohner mit der Freiwilligen Julia.

Wir warten derzeit noch auf die Entscheidung zweier Spender, die das Projekt finanzieren wollen und hoffen, dass wir ab Mitte November mit dem Bau beginnen können. Bisher sind die Räumlichkeiten in einer blauen Holzbaracke untergebracht. Neben einem Arzt, der zwei Mal die Woche hier ist, sind mit Julia drei Krankenschwestern vor Ort. Die anderen Räume teilen sich zwei Psychologinnen, eine Sozialarbeiterin und zwei sogenannte "Special Education Teacher", über deren wichtige Arbeit ich demnächst berichten werde.

Ein Auto, eine Lokomotive und ein Flugzeug

Unserem kleinen Jungen habe ich gestern auf dem Markt in Cañete Spielsachen gekauft – ein Auto, eine Lokomotive und ein Flugzeug. Die schiebt er nun den ganzen Tag durch unserer Volunteerhaus und freut sich jedes Mal, wenn er Julia oder mich sieht. Es ist einfach schön, ihn "Tio Walter" rufen zu hören. Wenn ich das Haus verlasse, schaut er mir von der Haustür aus auf Julias Arm hinterher und ruft so lange "Ciao", bis er mich nicht mehr sehen und hören kann. Diese Augenblicke zählen täglich zu meinen Glücksmomenten in der "Casa Santa Rosa".

Von Walter Brüggemann

Die Hilfsorganisation

Die Hilfsorganisation Nuestros Pequeños Hermanos (Unsere kleinen Brüder und Schwestern) wurde 1954 in Mexiko vom US-amerikanischen katholischen Priester William Wasson gegründet. Das Kinderhilfswerk unterhält Waisenhäuser in mehreren Staaten Lateinamerikas und der Karibik und wird unter anderem vom katholischen Kindermissionswerk "Die Sternsinger" unterstützt. Zur Internetseite der deutschen Organisation

Kontakt zu Walter Brüggemann

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Wenn Sie Walter Brüggemann schreiben möchten, erreichen Sie ihn unter brueggemann.walter@icloud.com