Kirchen bedauern Rücktritt von Tillich
Sachsens Ministerpräsident habe ein offenes Ohr für die Kirchen gehabt

Kirchen bedauern Rücktritt von Tillich

Sachsen - Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich tritt zurück. Vertreter beider großen Kirchen bedauerten den Schritt des praktizierenden Katholiken. Zugleich gab es Lob für den CDU-Politiker.

Dresden - 18.10.2017

Den Rücktritt von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) haben die beiden großen Kirchen in Sachsen mit großem Bedauern aufgenommen. Tillich habe in seiner über neunjährigen Amtszeit an der Spitze des Freistaates mit den Kirchen "vertrauensvoll und konstruktiv" zusammengearbeitet, erklärten die Leiter des Katholischen und des Evangelischen Büros Sachsen, Daniel Frank und Christoph Seele, am Mittwoch in Dresden.

Frank betonte, in Respekt vor der Trennung von Staat und Kirche habe Tillich stets ein offenes Ohr für die Belange der Kirchen gehabt. Seele hob das Interesse des scheidenden Regierungschefs auch am ökumenischen Dialog hervor. Tillich ist praktizierender Katholik und engagiert sich in vielfältiger Weise in seiner Kirche. Frank vertritt die Bistümer Dresden-Meißen und Görlitz in der Landespolitik, Seele die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens in der Landespolitik. 

Auch Bischöfe reagieren mit Bedauern

Am Donnerstag reagierten auch die Bischöfe Heinrich Timmerevers und Carsten Rentzing mit großem Bedauern. Timmerevers vom Bistum Dresden-Meißen erklärte, die Zusammenarbeit zwischen katholischer Kirche und Freistaat Sachsen sei in dessen Amtszeit durch ein sehr vertrauensvolles Miteinander geprägt gewesen. Er würdigte Tillich als "Landesvater und Staatsmann von enormem Verantwortungsbewusstsein, höchster Vertrauenswürdigkeit und absoluter Integrität". Tillichs katholische Prägung sei für ihn deutlich spürbar gewesen.

Der evangelische Landesbischof Rentzing betonte, seine Gespräche mit dem Ministerpräsidenten seien "von einem guten Geist des Miteinanders" getragen worden. "Auch im ökumenischen Kontext der Kirchen habe ich ihn immer als einen aufmerksamen wie auch verständnisvollen Begleiter und Beobachter erlebt", so Rentzing.

Tillich hatte am Mittwochnachmittag überraschend seinen Rücktritt im Dezember bekanntgegeben. Damit zog der 58-Jährige nach eigenen Angaben die Konsequenz aus dem schlechten Ergebnis der sächsischen CDU bei der Bundestagswahl. Dabei wurde die AfD in Sachsen stärkste politische Kraft. (luk/KNA)

19.10.2017, 12:50 Uhr: Ergänzt um die Reaktion der Bischöfe.