Leben nach dem Überleben
Wiederaufbau ein Jahr nach dem Taifun Haiyan

Leben nach dem Überleben

Philippinen - Er war einer der stärksten tropischen Wirbelstürme überhaupt und brachte Zerstörung mit sich: Vor genau einem Jahr traf der Supertaifun Haiyan in Palau erstmals auf Land, in den beiden Tagen darauf wütete er auf den philippinischen Inseln Leyte und Samar. Mehr als 6.200 Menschen kamen durch ihn ums Leben. Insgesamt waren mehr als vier Millionen betroffen.

Bonn - 06.11.2014

Wo alles zerstört war, keimt nun langsam wieder Hoffnung auf. Nach der Nothilfe schreitet der mittel- und langfristige Wiederaufbau voran. Um gezielt den Bedürftigsten zu helfen, hatten Katastrophenhelfer der Caritas Listen von den Familien erstellt, die am schwersten betroffen sind und kaum Möglichkeiten haben, an Hilfsgüter heranzukommen. Ein Pilotprojekt entsteht in Balangina im Osten von Samar: In den teilweise komplett zerstörten Ortsteilen geht es um den Aufbau privater Wohnhäuser, der Schule, weiterer öffentlicher Gebäude sowie der Landwirtschaft und der Fischerei.

Mit einem Klick auf die Karte erfahren Sie, wo auf den Philippinen wieviele Häuser schon gebaut wurden:

Karte: Sophia Michalzik/katholisch.de

Beim Wiederaufbau gelte es, alte Fehler nicht zu wiederholen, berichtet Ingmar Neumann, der im Oktober mehrere Caritas-Projekte besuchte. Es sollten möglichst sturmsichere Gebäude und generell auf höher gelegenem Grund gebaut werden, so der Referent für Stiftungskooperationen. Doch nicht alles klappt reibungslos: Das Hilfswerk Malteser International beklagt, dass noch immer tausende Familien ohne festes Dach über dem Kopf leben.

Umzug vom Strand ins Landesinnere

Die Landzuteilung der örtlichen Behörden für neue, sichere Baugrundstücke gestalte sich schwierig, erklärte Cordula Wasser. Die Leiterin des Asien-Bereichs von Malteser International verweist darauf, dass viele Fischer, die vor dem Taifun direkt am Meer lebten, nun aus Sicherheitsgründen ihre Wohnstätte weiter ins Landesinnere verlegen sollten. 200 Häuser haben die Malteser auf den Inseln Samar und Bantayan bereits gebaut; weitere 500 sollen bis Mai 2015 fertiggestellt sein.

Caritas International fordert größere Anstrengungen im Katastrophenschutz auf den Philippinen. Es sei eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre, den Neubeginn nach der Katastrophe zu nutzen, um die Menschen vor den jährlich mehr als 20 tropischen Stürmen der Region zu schützen, sagte der Leiter von Caritas international, Oliver Müller, zum ersten Jahrestag des Taifuns. Die Hilfsorganisation mahnte zudem, großes Augenmerk auf den Kampf gegen Korruption zu richten.

Mehr Schutz vor den Folgen des Klimawandels gefordert

Nach Einschätzung des katholischen Hilfswerks Misereor wird der Wiederaufbau auf den Philippinen noch Jahre dauern. Wichtig sei die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort, betont die Leiterin der Asienabteilung, Elisabeth Bially: "Sie wissen am besten, was gebraucht wird, und können mit Unterstützung vieles selbst in die Hand nehmen." Diese Erfahrungen deckten sich mit dem Wiederaufbau nach dem Tsunami vor zehn Jahren oder dem Erdbeben auf Haiti.

Leben nach dem Überleben: Ein Jahr nach dem Taifun. (Quelle: Malteser International)

Misereor fordert mehr Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Haiyan sei ein dramatisches Beispiel dafür gewesen, dass in Armut lebende Menschen auf der Südhalbkugel am meisten darunter litten, so Bially. Die Zahl solcher extremer Wetterereignisse nehme stetig zu. "Deswegen ist es so wichtig, Schutzmaßnahmen zu entwickeln", sagte die Expertin im Hinblick auf die bevorstehende Klimakonferenz in Lima. Diese Aufgabe könnten Nichtregierungsorganisationen nicht alleine übernehmen. "Die Industrienationen als größte CO2-Emittenten sind hier in der Pflicht, die Menschen dabei zu unterstützen."

Auf den Philippinen selbst hilft den Menschen auch ihre Religion und die damit einhergehende Hoffnung. Den Neuanfang etwa in Limbuhan Daku auf Leyte begleiten seit Jahresbeginn mehrere Franziskanerschwestern. Sie sind dorthin gezogen und wollen nicht nur Häuser bauen, "sondern auch die Gemeinschaft neu aufbauen. Wir müssen Vertrauen neu errichten", betont Sr. Leonie. Die Menschen seien traumatisiert von den Erfahrungen vor einem Jahr. Vielen tut es gut, dass die Schwestern ein offenes Ohr haben und spirituelle Angebote wie Katechese, Gottesdienste oder gemeinsames Bibelteilen anbieten. (mit Material von KNA)

Von Agathe Lukassek

Die Hilfswerke bitten um Spenden mit dem Stichwort "Nothilfe Taifun"

Caritas international, Freiburg, Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe BLZ 660 205 00, IBAN Nr.: DE04660205000000000202, BIC: BFSWDE33KRL oder online unter: www.caritas-international.de Charity SMS: SMS mit CARITAS an die 8 11 90 senden (5 EUR zzgl. üblicher SMS-Gebühr, davon gehen direkt an Caritas international 4,83 EUR) Diakonie Katastrophenhilfe, Spendenkonto 502 502, BLZ 520 604 10, Evangelische Bank, IBAN DE68520604100000502502, BIC GENODEF1EK1 oder online unter www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden/ Charity SMS: SMS mit NOT an die 8 11 90 senden (5 EUR zzgl. üblicher SMS-Gebühr, davon gehen direkt an Diakonie Katastrophenhilfe 4,83 EUR)