Ein Krokodil schwimmt im Wasser.
Tier gehörte seit 500 Jahren zu norditalienischem Wallfahrtsort

Mumifiziertes Krokodil aus Kirche wird untersucht

Buntes - Seit 500 Jahren gehört das Tier zu einem italienischen Wallfahrtsort - jetzt sollen radiologische Untersuchungen seine Herkunft klären. Denn darum ranken sich bisher wilde Legenden.

Rom - 09.01.2018

Ein mumifiziertes Krokodil, das als Weihegabe für die Muttergottes in einer norditalienischen Kirche hängt, soll radiologisch auf seine Herkunft untersucht werden. Das Tier sei am Montag in eine Klinik in Bergamo gebracht worden, berichtete die Zeitung "Giornale di Treviglio" (Onlineausgabe Dienstag). Der örtlichen Überlieferung zufolge befindet sich das drei Meter lange Reptil seit 500 Jahren in der Wallfahrtskirche Madonna delle Lacrime in Ponte Nossa.

Erst auf dem Dachboden, dann in der Kirche

Laut der Zeitung ist die Präsenz des Krokodils in dem Gotteshaus erstmals 1594 urkundlich belegt. Soweit rekonstruierbar, handelte es sich um ein Geschenk der Pfarrherren an die Kirche. Das Tier sei später auf den Dachboden verbracht, nach seiner Wiederauffindung im 18. Jahrhundert aber als vermeintliches Votivgeschenk für die wundersame Hilfe der Gottesmutter wieder in der Kirche installiert worden.

So berichtet eine Legende, der Kaufmann Bonelli de'Ferrari aus dem benachbarten Premolo habe die "Meerechse" 1518 bei Rimini erlegt, nachdem er die Madonna um Beistand angerufen habe. Eine volkstümlichere Erzählung verlegt die Herkunft an einen nahen See. Das Krokodil sei im Begriff gewesen, eine Frau und ihr Kind zu verschlingen, als auf das flehentliche Gebet der Mutter ein Jäger erschienen sei und dem Tier den Garaus gemacht habe.

Zum Patronatsfest ist das Tier zurück

Laut dem Bericht wird das Reptil jetzt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Naturwissenschaften in Bergamo examiniert. Nach einer Ausstellung im Diözesanmuseum soll es nach Ponte Nossa zurückkehren, um zum Patronatsfest des Dorfs am 2. Juni wieder in der angestammten Kirche zu bewundern zu sein. Die Untersuchungen würden vom Diözesanmuseum geleitet und finanziert, schrieb das "Giornale di Treviglio" unter Berufung auf den Ortspfarrer Alessandro Angioletti. (KNA)