Sein letzter Wunsch: Priester für einen Tag
Krebskranker Junge in den USA gestorben

Sein letzter Wunsch: Priester für einen Tag

Ein Tag am Meer, einen Superstar treffen oder mit Delphinen schwimmen – so kann der letzte Wunsch von todkranken Kindern aussehen. Der von Brett Haubrich war anders: Er wollte Priester sein. Und der Wunsch wurde erfüllt.

Von Julia Martin |  Bonn/USA - 16.01.2018

Im Alter von 11 Jahren wurde bei Brett Haubrich ein inoperabler Hirntumor diagnostiziert. Die Homepage seines Erzbistums St. Louis zeigt: Seine Geschichte und sein Kampf gegen die Krankheit wurden seit der Diagnose im Juni 2014 durch seinen außergewöhnlichen Glauben geprägt – der auch für einen speziellen "letzten Wunsch" sorgte, den er erst über Umwege äußerte. Als er von einem Verein, der Herzenswünsche schwerstkranker Kinder erfüllt, gefragt wurde, wusste er keine Antwort. Doch dann gab es doch diese eine Sache… Auf die Frage, was er werden wolle, wenn er erwachsen sei, hatte er eine Idee: "Ich habe gesagt, dass ich wirklich gerne Priester sein würde", erklärte er knapp ein Jahr nach seiner Diagnose.

So einfach ging die Wunscherfüllung in diesem Fall jedoch nicht. Seine Eltern taten das Beste. Sie fragten bei verschiedenen Priestern an, was denn in diesem Fall möglich sei. Die Vorschläge: einen Priester einen Tag lang begleiten, eine Nacht mit seinem Vater in einen Pfarrhaus verbringen oder in der neuen Kathedrale bei einer Messe ministrieren. Aber ging da nicht mehr? Tat es. Als letztes fragten sie bei Father Nick Smith an, dem Zeremonienmeister der Kathedrale von St. Louis. Der antwortete zwar auch erst: "Keine Chance." Schob aber nach: "Wir können etwas viel besseres machen. Er soll am Gründonnerstag zu uns kommen." Während dieses Telefongesprächs stand zufällig Erzbischof Robert J. Carlson neben ihm, der sofort sagte: "Lass uns das machen." Der Zeremonienmeister schrieb Brett einen Brief. Die ersten Worte: "Ich mache dich für einen Tag zu einem Priester."

So wurde Bretts Herzenswunsch am Gründonnerstag 2015 erfüllt. Brett nahm seinen Platz als "Priester für einen Tag" in der Kathedrale von St. Louis neben dem Altar ein. Er durfte nicht nur bei zwei Messen in liturgischer Kleidung eines Priesters – einer Soutane mit Collarkragen und einem Chorhemd – ministrieren und das Messbuch halten. Auf den Vorschlag des Erzbischofs persönlich empfing er mit den Priesteramtskandidaten des Bistums die Fußwaschung in der Chrisammesse. Der Erzbischof lud ihn auch ein, die Mahlzeiten mit ihm an diesem Tag zu verbringen. Was ihm am besten gefallen habe? "Alles. Das war ein richtig cooles Erlebnis", so Brett danach.

Seine Familie hat dieser Wunsch übrigens nicht überrascht. Seit Jahren sei er begeistert in die Kirche gegangen und sehr religiös. Ungewöhnlich waren auch seine Worte zur Eucharistie: "Ich mag es den Leib und das Blut zu empfangen." Kurze Zeit später wurde ihm noch ein Wunsch erfüllt – ohne, dass er ihn geäußert hatte: Beim Papstbesuch in den USA im September 2015 wurden Brett und seine Eltern zu einem Familiengottesdienst mit Papst Franziskus in Philadelphia eingeladen. Sie bekamen besondere Plätze und Brett konnte dank einer Journalistin ganz nah am Papst sein, als dieser mit dem Papamobil vorbeifuhr und die Menschen segnete. Vor dem Papstbesuch sagte Brett "USA today": "Gott hat mich stärker als den Krebs gemacht, als könnte ich ihn besiegen." 

Mitte der vergangenen Woche verstarb Brett Haubrich nach Empfang der Krankenkommunion im Alter von 14 Jahren. Die Beerdigung fand am Montag statt, anschließend wurde in der Kathedrale von St. Louis eine Messe für Brett gefeiert. Sie hätte ihm sicher gefallen. Seine Eltern berichten auf Facebook, dass er in seinen letzten Lebenswochen mehr gebetet habe, als sonst. Doch nicht für sich, sondern für die anderen Kinder im Krankenhaus. Bis zum Ende blieb Brett ein ganz besonderer Mensch.

Von Julia Martin