Truthahnbraten
Dem Truthahn entsagen

Carne vale – oder nicht?!

Ab Aschermittwoch ist Kontrastprogramm zum Karneval angesagt: Statt Currywurst und Kölsch nun Wasser und Fisch. Sollte man meinen. Aber wie sieht es in den Kantinen aus?

Bonn - 17.02.2013

Sollte man meinen. Die Sternekantine um die Ecke hat mit katholischen Gepflogenheiten offensichtlich wenig am Hut. Aus dem selbigen zauberte sie doch just am Aschermittwoch einen riesen Truthahn in die Auslage. Rund 80 cm lang, mindestens 15 Kilo schwer und in bester Thanks-Giving-Manier appetitlich gespickt mit Erdbeeren und Mangospalten. Ein Augenschmaus mit bitterem Nachgeschmack für alle, die „carne vale“ in diesen Zeiten wörtlich nehmen.

Auf der Suche nach möglichen Erklärungen liegen zwei besonders nah: Der Küchenchef hatte nach dem 25sten Karnevalskölsch einen derartigen Filmriss, dass er sich an Aschermittwoch gefühlt im November wiederfand. Oder aber er ist ein echter Asket und will seine Gäste mit verbotenen Verlockungen ebenfalls dazu erziehen. Denn Askese macht ja nur dann Sinn, wenn man dabei tatsächlich entsagt. In diesem Fall dem knusprigen, goldbraunen Truthahn in der Kantine. So oder so: An diesem Tag haben sich nur wenige Besucher vom saftigen Schnitzel abhalten lassen.

Anders geht die Kantine des größten Bonner Konzerns mit der Fastenzeit um. Hier gibt es neben allerlei Leckereien nicht nur ein lactosefreies, sondern tatsächlich ein Fastenessen: Gestern gab‘s Kartoffeln mit äh – Kartoffeln. Herrlich! Da freut sich das Fastenherz. Aber mal ehrlich, dem Fleisch zu entsagen ist mit Blick auf Vogelgrippe, Schweinepest, Gammeldöner und - ach ja – seit neuestem Pferdefleisch in der Fertiglasagne, derzeit nicht wirklich schwierig. Jedes Jahr braucht seinen Fleischskandal und da ist der aktuelle nun verhältnismäßig zahm – es hätte ja auch Ratte sein können…

Da faste ich lieber Internet

Dementsprechend fasten heute viele Menschen lieber Süßes oder Internet. Oder Räder, wie die Radiomoderatorin Josefine Hennig vom WDR-Jugendsender 1Life, die ab jetzt zu Fuß geht. So lernt man bei der aktuellen Wetterlage mal wirklich Verzicht kennen. Und darum geht es doch in der Fastenzeit, oder? Um Buße und Umkehr und Einkehr. Also nicht im Gasthof, sondern mehr so in sich selbst.

Das haben die vielen Gäste der Fastfood-Kette mit dem goldenen M, die derzeit nicht am neuesten Coup, der „Mc Currywurst“ vorbeikommen, wohl falsch verstanden. Der Deutschen liebstes Nationalgericht hat das amerikanische Schnellrestaurant just am Tag nach Aschermittwoch ins Programm genommen. Das Datum sei übrigens nicht bewusst gewählt, sondern zufälliges Ergebnis eines „kreativen Gedankensturms“, lässt die Mc Pressestelle auf Anfrage verlauten.

Beworben wird sie übrigens vom katholischen Ex-Messdiener und Comedian Mario Barth, der in der Fastenzeit wohl auf was anderes verzichtet. Oder er hält es wie mein Vater. Seiner Meinung nach sollte man in der Fastenzeit lieber etwas tun, als etwas nicht zu tun. Nichtstun könnte man ja das ganze Jahr. Also lieber Spenden, ein Ehrenamt annehmen oder mal endlich Tante Gerlinde anrufen, auch wenn es ein langes und langweiliges Gespräch werden wird.

Zugegeben, man könnte ja mal drüber nachdenken...

In diesem Sinne, frohes Fasten!!

Von Janina Mogendorf