Eine Familie beim Tischgebet.
Internetaktion der Pallottiner zur Kultur des Tischgebets

Gott sei Dank für Speis und Trank

Glaube - Das Tischgebet hat eigentlich eine lange Tradition, die allerdings zunehmend in Vergessenheit gerät. An diesen Brauch wollen nun die Pallottiner wieder erinnern und haben eine Internetaktion gestartet.

Von Barbara Just (KNA) |  Friedberg - 26.03.2013

Pferdefleisch in der Lasagne, Dioxin in den Eiern - die Liste der jüngsten Lebensmittelskandale ist lang. Bei so viel Unsicherheit darüber, was einem da zu den Mahlzeiten vorgesetzt wird, hilft wohl nur ein Blick zum Himmel. Das Tischgebet hat eigentlich eine lange Tradition, die allerdings zunehmend in Vergessenheit gerät. An diesen Brauch wollen nun die Pallottiner wieder erinnern und haben eine Internetaktion gestartet.

Wem die Worte zum Beten fehlen, dem kann geholfen werden. Wer auf www.tischgebete.de seine E-Mail-Adresse angibt, erhält noch bis Ostersonntag täglich zwei Tischgebete zugepostet. Darunter sind kürzere und längere Texte, manche in Reimen, andere in kindlich gehaltenem Duktus oder auch äußerst Nachdenkliches.

Unter den Top Ten führt momentan: "Keiner kann sich selbst ernähren, kein Mensch lebt für sich allein, alle Menschen sind Geschwister, alle könnten glücklich sein. Bitte, Herr, gib Du uns Menschen, was zum Leben nötig ist. Lass uns auch die Nächsten sehen, so wie Du, Herr Jesu Christ. Amen"

Ursprünglich entstammt das Tischgebet einem jüdischen Brauch. Im Neuen Testament berichtet Matthäus, wie Jesus bei der Speisung der Fünftausend die zuvor gesammelten fünf Brote und zwei Fische nahm, zum Himmel blickte und den Lobpreis sprach. Im Mittelalter entsteht in den Ordensgemeinschaften ein Gebetsritual, das sich aus Psalmenversen, Gebeten und Rufen zusammensetzt.

Zeit fürs gemeinsame Essen nehmen

Auch das gesungene Tischgebet ist seit dem Altertum üblich und wird später besonders von Luther geschätzt. Im Lexikon für Theologie und Kirche heißt es jedoch am Ende des Stichworts "Tischgebet", dass der Brauch trotz zahlloser Bücher zum Thema im Rückgang begriffen sei. Daran könnte Papst Benedikt XVI. gedacht haben, als er 2006 bei seinem Bayern-Besuch in München eigens die Eltern aufrief, mit ihren Kindern bei Tisch zu beten.

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Beten ist Reden mit Gott, ihm Ängste, Sorgen, aber auch schöne Dinge mitzuteilen. In dieser Folge geht es um Beten und die Bedeutung im christlichen Glauben.

"Tischgebet ist Tischkultur", haben die Pallottiner als Motto gewählt. Deshalb raten sie Familien, sich fürs gemeinsame Essen Zeit zu nehmen. Ein Gebet am Anfang kann helfen, die Aufmerksamkeit zu bündeln. Passend wäre da so ein bekannter Text wie: "O Gott, von dem wir alles haben, wir danken dir für diese Gaben. Du speisest uns, weil du uns liebst. O segne auch, was du uns gibst." Sind noch kleinere Kinder dabei, reicht schon ein Vierzeiler: "Jedes Tierlein hat sein Essen, jedes Blümlein trinkt von dir. Hast auch du uns nicht vergessen, guter Gott, wir danken dir."

Überbleibsel aus der "Wildwest-Zeit"

Die Ordensleute halten aber nicht nur fromme Gedanken parat, sondern bieten zudem Infos über Tischsitten in anderen Ländern an. So ist es in den USA üblich, das Essen erst zu schneiden und dann einhändig nur mit der Gabel zum Mund zu führen. Die freie Hand wird in den Schoß gelegt.

Vermutlich handelt es sich dabei um ein Überbleibsel aus der "Wildwest-Zeit", als eine Hand stets am Revolver hing. In Japan und China darf beim Essen geschlürft und geschmatzt werden. Damit soll deutlich werden, dass es den Leuten schmeckt. Wer dem Koch zum Abschluss noch ein Kompliment machen will, rülpst am besten nach der Mahlzeit.

Hierzulande dürfte solches fremdländisches Brauchtum trotz aller Internationalität noch schwer vermittelbar sein. Obgleich bereits vom Reformator Luther überliefert ist, dass er seine Gäste zum Rülpsen und Furzen aufgefordert haben soll, um zu wissen, dass ihnen alles "geschmacket" habe.

Manch einer sollte für diesen Fall lieber vorab das höfliche Kurzgebet sprechen: "Lieber Gott, der Tisch ist gedeckt, danke für alles, was uns jetzt schmeckt." Mundet es als Gast einmal gar nicht und traut man es sich nicht recht, es zu sagen, dann weiß Teresa von Avila Rat: "O Herr, bewahre uns vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen. Amen."

Von Barbara Just (KNA)