Papst trifft nahezu wöchentlich Missbrauchsopfer
Franziskus will helfen, die Wunden zu heilen

Papst trifft nahezu wöchentlich Missbrauchsopfer

Die Missbrauchsfälle seien "Krebsgeschwüre" und die Kirche teilweise scheinheilg: Papst Franziskus hat über das Thema Missbrauch gesprochen - und auch von seinen Begegnungen mit den Opfern berichtet.

Vatikanstadt - 15.02.2018

Papst Franziskus trifft sich offenbar viel häufiger mit Opfern von sexuellem Missbrauch als bislang bekannt. Aus einem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch mit Jesuiten während seines Peru-Besuchs Mitte Januar geht hervor, dass er nahezu wöchentlich Betroffene im Vatikan empfängt. "Freitags – manchmal wird es bekannt manchmal nicht – treffe ich mich in der Regel mit einigen von ihnen", verriet der Papst darin.

"Man muss zuhören, was ein Missbrauchter oder eine Missbrauchte empfinden", so Franziskus weiter. Das, was sie erlebt hätten, sei "furchtbar". Bislang wurden nur weniger als ein Dutzend Treffen des Papstes mit Missbrauchsopfern bekannt. Im Juli 2014 empfing Franziskus auch zwei deutsche Missbrauchsopfer im Vatikan. Missbrauchsopfer machten einen "sehr schweren Prozess" durch, der sie niedergeschmettert zurücklasse, sagte der Papst. "Für die Kirche ist das eine große Schande. Das zeigt nicht nur unsere Zerbrechlichkeit, sondern auch, sagen wir es frei heraus, unser Maß an Scheinheiligkeit."

Vatikan bestätigt Aussagen des Papstes

Das Gespräch mit rund 100 Jesuiten fand am 19. Januar in Lima statt und wurde nun auf der Internetseite der italienische Jesuitenzeitschrift "Civilta Cattolica" im Wortlaut veröffentlicht.

Der Vatikan bestätigte unterdessen, dass Papst Franziskus "mehrmals im Monat" Opfer sexuellen Missbrauchs treffe. Er empfange sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen, höre ihnen zu und versuche dabei zu helfen, "die schweren Wunden zu heilen", so Greg Burke, der Leiter des vatikanischen Presseamtes. Die Begegnungen erfolgten "im Respekt vor den Opfern und ihrem Leid" stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Papst Franziskus besucht die Uni in Santiago de Chile

Papst Franziskus bei seinem Besuch in Santiago de Chile im Januar.

Franziskus verurteilte in dem Gespräch mit Jesuiten sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche erneut scharf. Dass Missbrauch in der Familie oder im Sport statistisch gesehen weitaus verbreiteter sei, schmälere die Schuld der Kirche keinesfalls: "Es ist furchtbar, auch wenn es nur um einen einzigen unserer Brüder ginge." Priester seien von Gott gesalbt, um die Menschen zu heiligen, nicht um sie zu zerstören, betonte Franziskus. Die Missbrauchsfälle bezeichnete er als "größte Verwüstung" und "Krebsgeschwüre" der Kirche, angesichts derer man sich "zutiefst schämen" müsse.

Papst sprach von "Verleumdung" - und bat um Entschuldigung

Während der Reise von Franziskus nach Chile war Mitte Januar Kritik an seinem Umgang mit Missbrauchsopfern laut geworden. Auslöser war seine Aussage, es gebe keine "Beweise" dafür, dass der 2015 von ihm zum Bischof von Osorno ernannte Juan Barros Fälle von sexuellem Missbrauch vertuscht habe. Die Vorwürfe nannte er "Verleumdung".

Auf dem Rückflug von seiner Südamerika-Reise entschuldigte sich der Papst für seine Wortwahl. Zuletzt brachten Berichte über den Brief eines chilenischen Missbrauchsopfers an den Papst aus dem Jahr 2015 den Vatikan in Erklärungsnot, in dem schwere Vorwürfe gegen Barros erhoben werden. Dem Vatikan und dem Papst wurde vorgeworfen, er habe diese Schreiben ignoriert. Der Papst beauftragte Ende Januar den Erzbischof von Malta, Charles Scicluna, als Sonderermittler mit der Klärung des Falls. Der vormalige vatikanische Chefankläger für Missbrauchsfälle gilt als einer der besten Fachleute auf diesem Gebiet. (tja)