Hirtenbriefe: Sonntagsschutz bis Neuevangelisierung
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Das sagen die deutschen Bischöfe zur Fastenzeit

Hirtenbriefe: Sonntagsschutz bis Neuevangelisierung

Fastenzeit - In der Fastenzeit geht es nicht darum, ein paar Pfund abzunehmen, sagt Münsters Bischof Felix Genn. Was die deutschen Bischöfe sonst noch in ihren Hirtenbriefen zu sagen haben, erfahren Sie hier.

Bonn - 19.02.2018

Sonntagsschutz, Umwelt, neue Wege bei der Verbreitung des Evangeliums: Mit Hirtenbriefen zur Fastenzeit haben sich katholische Bischöfe am Wochenende an Christen gewandt. Die 40-tägige Fastenzeit hatte am Aschermittwoch begonnen.

So setzte sich beispielsweise der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker für den Schutz des Sonntags ein. In den vergangenen Jahren gebe es verstärkt Bemühungen, aus wirtschaftlichen Interessen den Sonntag als Tag für den Gottesdienstbesuch und der Arbeitsruhe auszuhöhlen. Der Sonntag diene der persönlichen Erholung und dem Familienleben. Zudem solle er es Christen ermöglichen, die Messfeier zu besuchen. Auch Augsburgs Bischof Konrad Zdarsa sprach über den Sonntag: Dieser sei "Gottes höchsteigenes Geschenk an uns Menschen" und "ein kleines Ostern".

Am Wochenende berichtete die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" über eine geplante bundesweite Flugblattaktion, mit der Handelsunternehmen für mehr verkaufsoffene Sonntage werben wollten. Es soll sich um 100.000 Flugblätter handeln.

Fürst: Feiertage nicht für ökonomische Interessen nutzen

Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst teilte über Twitter mit: "Wir dürfen den Umgang mit den Feiertagen nicht einseitig verfolgten ökonomischen oder individualistischen Interessen überlassen." Die christlichen Feste hielten "die unter keinen Umständen zu verletzende Würde des Menschen fest, erinnern an sie".

Kardinal Reinhard Marx im Porträt
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Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ist gegen ein "Früher war alles besser". Er fordetr neue Wege der Verkündigung.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief zu neuen Formen bei der Vebreitung des Evangeliums auf: Christen sollten auf vielfältigen Wegen Menschen in Berührung mit der Botschaft Jesu bringen. Sie dürften sich dabei weder vom Blick auf Zahlen und Statistiken noch von der Vorstellung "Früher war es besser" entmutigen lassen.

Bei der Evangelisierung gehe es um "mehr als Imagekampagnen für die Kirche oder Werbemaßnahmen zur Rekrutierung oder Wiedergewinnung neuer Mitglieder", erklärte der Erzbischof von München und Freising. Für viele Menschen blieben vor allem Familie und Pfarrei die ersten und wichtigsten Orte, um Jesus kennenzulernen.

Genn: Geht nicht um das Abnehmen von ein paar Pfunden

Für Umkehr und Neuanfang in verschiedenen Aspekten setzte sich der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke ein. Dabei ging er auch auf den jüngst im Bistum bekanntgewordenen Finanzskandal ein, bei dem es um den möglichen Verlust von bis zu 48,2 Millionen Euro geht.

Münsters Bischof Felix Genn warb für einen achtsamen Umgang mit den Gütern der Erde. "Es ist nicht damit getan, am Ende dieser 40 Tage ein paar Pfunde weniger zu wiegen, sondern es könnte auch eine Herausforderung sein, genauer zu prüfen, wo in meinem Leben und Umfeld gegen die Natur und gegen die Schöpfung gefehlt wird."

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf legte auch einen Hirtenbrief in Leichter Sprache vor. Nach seiner Einschätzung muss die katholische Kirche einen "grundsätzlichen Haltungswechsel" vornehmen und "eine Kirche des Teilens" werden. Kirche sei "kein Selbstzweck". Es gehe "nicht um Selbsterhalt, sondern letztlich um selbstlosen Dienst". Nötig seien auch kirchliche Selbstkritik und Selbstbescheidung. "Wir reden in der Kirche und in manchen Debatten zu viel über Macht." (KNA)