Eine Gruppe Pilger steht vor einem weißen Zelt in Köln am Neumarkt.

Zusammenkommen

Auch wenn sich die Kongress-Teilnehmer mit ihren leuchtendroten Bändern tagsüber etwas in der großen Kölner Innenstadt verlaufen, sind es doch sie, die die Veranstaltung zu einem Gemeinschaftsevent machen. Das sieht man spätestens am Abend, wenn viele am Dom zusammenkommen, um die Lichtinstallation zu sehen oder gemeinsam die "Nacht des Lichtes" zu feiern.

- 08.06.2013

Es sind unterschiedliche Menschen, die diesen Kongress lebendig machen: Helfer, die im Hintergrund dafür sorgen, dass alles reibungslos abläuft. Akteure, die das Programm füllen, wie Bischöfe, Referenten oder Künstler. Und natürlich die Pilger, die zum Teil durch ganz Deutschland gereist sind, um hier dabei zu sein.

Suche nach der Jugend

Am Neumarkt, zwischen Hilfswerk-Bühne und Bistumsmeile, ist Stimmung entspannt. Benediktinerpater Lukas lehnt lässig an einer Haltestelle und ist ganz vertieft in sein Programmheft. Aus Nütschau bei Lübeck kommt er und hat seine Mitbrüder dort zurück gelassen, um in Köln die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen zu finden.

Jetzt freut er sich vor allem auf den Beginn des Jugendfestivals, weil er dort der jungen Kirche begegnet und ihm das Hoffnung macht. Denn er selbst ist 36 und mit Abstand der Jüngste in seiner Ordensgemeinschaft. "Meine Brüder sind vor 60 Jahren in den Orden eingetreten und wussten, dass er in 60 Jahren noch bestehen würde. Ich kann da leider nicht so sicher sein", sagt er und sieht dabei trotzdem optimistisch aus.

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Das Videotagebuch vom Eucharistischen Kongress

Kongress-Helfer Danny Kemp sitzt im abgeschlossenen Bereich hinter der Neumarkt-Bühne auf einer Bierbank. Das Handy liegt griffbereit vor sich auf dem Tisch. Das Blätterdach der riesigen Platanen und ein leichter Wind sorgen hier für ein Oasengefühl in der aufgeheizten City. An diesen Ort ziehen sich die Helfer des Eucharistischen Kongresses zurück, um zu essen, eine Runde Kicker zu spielen und einfach mal keine Fragen beantworten zu müssen.

Danny tut es trotzdem gerne. Der Rettungssanitäter ist seit zehn Jahren als Helfer auf Katholikentagen unterwegs. Für ihn war es Ehrensache, sich auch beim Eucharistischen Kongress zu bewerben. Gemeinsam mit zwei Freunden ist er nun wieder dabei. "Man trifft bei diesen Veranstaltungen immer die gleichen Menschen", sagt er und blickt sich um. Es sei das Teamgefühl, dass die Arbeit als Helfer so besonders mache. "Es funktioniert nicht, weil es muss, sondern weil wir Hand in Hand dafür arbeiten."

Für Danny bedeutet die Arbeit beim Eucharistischen Kongress, den Horizont seines Glaubens zu erweitern und ein Stück Heimat zu finden. Denn die Nähe zur Kirche ist dem gebürtigen Luxemburger in die Wiege gelegt. Er ist in einem Kinderheim im Saarland aufgewachsen, das von Nonnen geleitet wurde, und hat positive Erinnerungen an diese Zeit. "Ich habe noch einen guten Kontakt zu dem Pfarrer, der mich getauft hat, und wenn ich im Saarland bin, besuche ich ihn."

Religion und Politik

Während des Gesprächs weht klassische irakische Musik über den Platz. Auf der Bühne sitzt Read Khoshaba mit seinem Bagdad Ensemble und begleitet eine Bildershow des bekannten Fotografen Andy Spyra aus Istanbul. Es sind eindringliche Schwarzweiß-Fotografien, die den Alltag bedrängter Christen im Nahen Osten zeigen. Seit zwei Jahren bereist Spyra Länder und auch viele Krisengebiete der Region. In seinen Fotos porträtiert er das Leben der Christen dort.

Zum Eucharistischen Kongress ist er gekommen, um für Toleranz zu werben und aufzuklären. "Zu häufig wird ein verzerrtes Bild der Realitäten im Nahen Osten und des Miteinanders der Religionen wiedergegeben", sagt er. Meist seien es aber wirtschaftliche und politische Interessen, für die die Religion instrumentalisiert werde. Hausgemachte Probleme, die mit dem wahren Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Religionen im Orient nichts zu tun hätten.

Hohenzollernbrüche, Kölner Dom, Eucharistischer Kongress, Prozession, Flagge
Bild: © KNA

Hohenzollernbrücke und Kölner Dom während des Eucharistischen Kongresses.

Zwischen den Bistumsständen am Neumarkt steht eine Nonne in weißer Tracht und einem Strohhut: sie unterhält sich mit zwei Frauen und einem kleinen Jungen. Maurice ist mit seinen sechs Jahren einer der jüngsten Kongressteilnehmer. Er ist mit Mutter und Oma aus Berlin angereist und freut sich schon auf den Familientag. Rosenkranzbasteln und ein Kindermusical stehen auf dem Programm.

Abends will Oma Elisabeth auf ihn aufpassen, so dass seine Mutter unbeschwert das Programm mitmachen kann. Da die Familie aus einer Region kommt, in der nur wenige Katholiken leben, freut sie sich, ihren Sohn beim Eucharistischen Kongress auf spielerische Art und Weise an den Glauben heranführen zu können. "Es ist mir wichtig, dass er von klein auf mit dabei ist."

Auf spielerische Art lockt der leuchtend gelbe Stand des Erzbistums Bamberg die Vorübergehenden an. Hier kann man zum Beispiel Armbänder selber Stempeln. "Die Aktion bringt viele Menschen an den Stand, vom Kleinkind bis zum Priester - und so kommen wir leicht ins Gespräch", freut sich Standbetreuer Christoph Gahlau. "Und das ist schließlich der Sinn der Eucharistie, dass die Menschen zusammenkommen."

Von Janina Mogendorf