Nahaufnahme eines Jugendlichen, der die Hände unter dem Kinn zum Gebet gefaltet hat.
Bischofskonferenz spricht von einem Wiederaufleben des Religiösen

Frankreichs Jugendliche entdecken Gott wieder

Er wolle seine Zeit nicht "mit Gott vertrödeln", ließ der französische Schriftsteller Albert Camus seinen Romanhelden einst sagen und prägte damit eine Generation. Doch eine wachsende Zahl junger Franzosen sieht das offenbar anders.

Bonn - 24.03.2018

In Frankreich glauben heute mehr Jugendliche an Gott als noch vor zwei Jahren. Das ist das Ergebnis einer am Freitag veröffentlichten Umfrage im Auftrag der französischen Zeitung "La Croix", der Stiftung Jean-Rodhain und der Französischen Bischofskonferenz, für die Franzosen im Alter von 18 bis 30 Jahren befragt wurden. Demnach  ist der Anteil der Befragten, die an Gott glauben,  seit 2016 von 46 auf 52 Prozent angestiegen. Zugleich gaben 43 Prozent der Befragten an, sie fänden es schwer, heute in Frankreich gläubig zu sein.

"Es gibt ein spirituelles und religiöses Wiederaufleben, eine Sinnsuche, die sich bei Jugendlichen zeigt. Da passiert gerade etwas", zitierte "La Croix" Nathalie Becquart, die bei der Französischen Bischofskonferenz für Jugendliche zuständig ist.

In Deutschland glauben weniger Jugendliche an Gott

In Deutschland gaben 2015 bei der letzten Shell-Jugendstudie 29 Prozent der Befragten an, sie glaubten an einen "persönlichen Gott", weitere 17 Prozent glaubten demnach an die Existenz einer "überirdischen Macht".

In den vergangenen zehn Jahren ist laut der Umfrage auch der Anteil der jungen Franzosen, die sich einer Religion zugehörig fühlen, deutlich gestiegen: von 34 Prozent im Jahr 2008 auf 57 Prozent im Jahr 2018. Etwa 19 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal an einem religiösen Treffen teilgenommen zu haben oder gepilgert zu sein. 24 Prozent haben den Angaben zufolge im Internet nach Informationen über Religionen gesucht. Der Anteil der Befragten, die die Existenz Gottes ausschließen, sei in den vergangenen zwei Jahren von 23 auf 19 Prozent gesunken.

"Diese Generation ist pragmatischer und weniger ideologisch als ihre Vorgänger", wird der Rektor des Katholischen Instituts Paris (ICP), Philippe Bordeyne, zitiert. Für die Jugendlichen hätten das Gebet und religiöse Treffen eine ästhetische Dimension. Auch junge Menschen, die nicht an Gott glauben, schätzten den Besuch eines Gottesdienstes als kulturelles Erlebnis.

 Die Umfrage ergänzt eine Studie des ICP und der katholischen Universität St Mary's im Londoner Stadtteil Twickenham, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Demzufolge üben weniger Jugendliche in Europa eine Religion aus. Nicht abgefragt wurde darin jedoch der Glaube an Gott. (tja/KNA)