Endlich: Das ist die Lobby des heterosexuellen Mannes
Ein satirischer Wochenrückblick von Steffen Zimmermann

Endlich: Das ist die Lobby des heterosexuellen Mannes

War's das? - Ein satirischer Wochenrückblick von Steffen Zimmermann

Von Steffen Zimmermann |  Bonn - 14.04.2018

"Hallo, mein Name ist Steffen und ich bin ein unterdrückter heterosexueller Mann." Wenn es nach Gloria von Thurn und Taxis geht, sind Männer wie ich schutzbedürftige Wesen, die dringend Hilfe brauchen und wohl am besten eine Männergruppe gründen sollten. Schließlich sieht die Fürstin hierzulande – frei nach Akif Pirincci – eine große Verschwulung im Gange, deren erstes Opfer der heterosexuelle Mann ist. Während Schwule "durch den Zeitgeist quasi geadelt" würden, hätten "unsere Männer – das heißt die Heterosexuellen" heute kein gesellschaftspolitisches Standing mehr, faselte die Fürstin in den Wochenzeitungen "Neue Bildpost" und "Katholische SonntagsZeitung". Sehr, sehr pöse, diese Verschwulung! Und wahrscheinlich sogar links-grün-versifft!

Gar nicht unterdrückt präsentierte sich in dieser Woche Misereor. Das katholische Hilfswerk plakatierte in Nürnberg eine Werbung mit dem Slogan "Mein Start-Up bietet keine satten Gewinne. Aber satte Menschen." direkt neben einem Werbeplakat für die Sat1-"Start Up!"-Sendung von Carsten Maschmeyer. Hier ein brandheißer Insidertipp von mir: Investieren Sie lieber bei Misereor. Die Sendung von Maschmeyer, der laut NDR-Recherchen vor Jahren als "Drückerkönig" mit seiner Firma AWD tausende Kleinanleger um ihr Erspartes gebracht haben soll, war so quotenschwach, dass Sat1 sie jetzt lieber vom Fernsehen ins Internet weggedrückt hat. Welche Ironie: Während man dank Misereor in Afrika jetzt satt wird, haben viele Anleger, die auf Maschmeyer vertraut haben, heute nichts mehr zu beißen.

Etwas zu beißen bekommen haben hoffentlich die drei Lamas, die diese Woche den Papst besucht haben. Gar nicht lahm waren die Tiere zuvor über 1.700 Kilometer von Südtirol in den Vatikan gepilgert. Auf einem kurzen Video ist die Begegnung der Lamas mit Franziskus zu sehen; der Papst scheint sich über den Besuch der Tiere aus seiner südamerikanischen Heimat wirklich gefreut zu haben. Kein Wunder: Ihre berüchtigte Spucke behielten die Tiere bei der Audienz für sich. Und nicht nur das: Da man bekanntlich nie so ganz geht, bleiben auch die Lamas im Vatikan – jedenfalls ein Teil von ihnen. Denn der tierische Besuch brachte dem Pontifex ein Gastgeschenk mit: Socken aus Alpaka-Wolle. Falls die Heizung in Santa Martha mal ausfällt, ist Franziskus jetzt also bestens befüßelt.

Alles andere als bestens war zuletzt der Stand bei der Digitalisierung in Deutschland. Doch das ändert sich jetzt, denn nun übernehmen die wahren Digital-Experten: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und die katholischen und evangelischen Bischöfe aus dem Bundesland. Bei deren Spitzentreffen, so war in einer Pressemitteilung des Bistums Fulda zu lesen, war die Digitalisierung in dieser Woche das zentrale Thema! Ob ein Bischof dabei über das WLAN-Kabel gestolpert ist oder versucht wurde, das Internet auszudrucken, wurde leider nicht mitgeteilt.

Von Steffen Zimmermann