Ein alter Koran mit vergilbten Seiten.
Warum ich als Muslimin trotzdem Weihnachten feire

"Das Fest Eures Erlösers"

Gastbeitrag - Ich mag Weihnachten. Das mag verwundern, da Weihnachten das Fest Eures Erlösers ist. Aber Jesus spielt auch im Islam eine wichtige Rolle: Er ist der Sohn Marias – Isa ibn Maryam – und als solcher direkt von Gott geschaffen. Er ist Einer der Propheten, der von uns Muslimen akzeptiert wird und ein Mensch, der immer für den Frieden eintrat.

Köln - 25.12.2013

So ist sein Geburtstag eine Feier aller Menschen, nicht nur für Christen. In Teheran gibt es einige katholische Viertel, in denen Gläubige den Baum und das Haus schmücken. Sogar das iranische Fernsehen zeigt Sendungen über Jesu Geburt und über Weihnachten. Abgesehen davon habe ich viele christliche Freunde, und Weihnachten ist eine schöne Zeit für das Zusammensein.

Der erste Advent

Die Adventszeit finde ich wunderbar, besonders die Straßen und Geschäfte mit den Weihnachtsdekorationen. In Deutschland war ich auch das erste Mal auf einem Weihnachtsmarkt. Ich habe Crépes probiert. Das war aber lecker! Ich spaziere generell gerne über die Weihnachtsmärkte dieser Republik. Überall blinkt und blitzt es – daran kann ich mich gar nicht sattsehen. Es ist, als käme in diesen Tagen das Kind in mir wieder zum Vorschein. Schließlich ist Weihnachten auch ein Fest der Kinder. Ich fühle, dass die Leute während dieser Tage viel netter zueinander sind. Manchmal ist es nicht einfach Geschenke zu kaufen, aber ich denke, das ist eine schöne Aufgabe. Das Einzige, was ich an der Adventszeit nicht mag, sind die überfüllten Züge und Straßen.

Eine junge Frau mit Kopftuch steht zwischen Kirschblüten-
Bild: © Privat

Solmaz Raies Zadeh

Den Heiligen Abend verbringe ich bei meiner Schwester und deren Familie in Münster. Sie wohnen schon länger in Deutschland und haben viele Traditionen übernommen: Sie haben den Weihnachtsbaum bereits geschmückt und wir hören Musik und essen Gemeinsam zu Abend. Anschließend werden auch Geschenke verteilt.

Lichterfest

Außerhalb der christlichen Gemeinde ist Weihnachten im Iran jedoch kein sehr großes Fest. Wir Muslime feiern stattdessen den Geburtstag des Propheten Mohammed, der jedes Jahr an einem anderen Tag ist, weil sich das Fest nach dem Mondkalender richtet. Zusätzlich feiern wir jedoch am 21. Dezember, dem längsten Tag des Jahres, dass das Licht in die Welt zurückkehrt. Dass überschneidet sich durchaus ein wenig mit Weihnachten, dem Fest, wo Gott das Licht in die Welt sendet. Familien oder Freunde treffen sich und essen gemeinsam zu Abend. Das Traditionelle "Menü" besteht aus Granatäpfeln, Wassermelonen und einer Mischung aus Pistazien, Mandeln und Nüssen.

Ich denke es gibt keine großen Unterschiede zwischen Muslimen und Christen. Und gerade an Weihnachten bietet es sich an, das wenige, das uns trennt zu vernachlässigen. Ich wünsche mir einen Tag, an dem es keinen Krieg gibt und Menschen aller Religion alle Feier gemeinsam feiern. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Von Solmaz Raies Zadeh

Solmaz Raies Zadeh, ist Muslimin, 33 Jahre alt und in Teheran geboren. Sie hat an der Islamischen Azad-Universität Informatik studiert und arbeitet seit Juni als Softwareentwicklerin in Köln.