Drei Kirchenmänner unterschiedlicher Konfessionen sitzen in einer Reihe
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Gemeinsamer Text von Marx, Bedford-Strohm und Augoustinos

Aufruf: Kirchen warnen vor wachsendem Rassismus

Deutschland - Da sind sich katholische, evangelische und orthodoxe Kirche in Deutschland einig: Das friedliche Miteinander ist in Gefahr. Auch Christen tendierten zur Abschottung, heißt es in einem gemeinsamen Aufruf.

Bonn/Hannover - 08.05.2018

Die Kirchen in Deutschland warnen vor Rassismus und einem Verlust demokratischer Werte. "Rechtspopulistische, ja rassistische Strömungen gewinnen an Zulauf", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Text der Spitzen von katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche in der Bundesrepublik. Der Aufruf ist unterzeichnet von Kardinal Reinhard Marx, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Metropolit Augoustinos.

Weiter betonen sie in dem Schreiben, das mit Blick auf die Interkulturelle Woche Ende September verfasst ist: "Wir leben in Zeiten, in denen die Fundamente unseres Zusammenlebens in Frage gestellt werden. Zivilisatorische Errungenschaften, wie das friedliche Miteinander in einem geeinten demokratischen Europa, sogar die universelle Geltung der Menschenrechte, scheinen an Gewicht zu verlieren."

In dem Dokument beschreiben die drei Vorsitzenden die Bundesrepublik als Land mit langer Geschichte und gewachsener kultureller Prägung. Zugleich sei es offen für Menschen, die eigene Traditionen mitbrächten: "Vielfalt ist Alltag in unserem Land." Einschränkend heißt es weiter, bei allen Vorteilen könne Vielfalt jedoch auch eine Herausforderung für das Zusammenleben und den Zusammenhalt darstellen.

Einladung zur Interkulturellen Woche im September

In dem Gemeinsamen Wort der Kirchen laden die Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland zur Teilnahme an der 43. Interkulturellen Woche ein. Sie findet vom 23. bis 29. September statt und steht unter dem Thema "Vielfalt verbindet". Geplant sind demnach rund 5.000 Veranstaltungen an 500 Orten im Bundesgebiet.

Die Spitzenvertreter der Kirchen kritisieren insbesondere gewalttätige Übergriffe gegen Fremde, Andersdenkende und Angehörige anderer Religionen. Auch unter Christen gebe es "Tendenzen der Ausgrenzung und Abschottung" und Einheit werde manchmal mit Einheitlichkeit verwechselt: "Dabei gehört Vielfalt konstitutiv zum Wesen der Kirche."

Diese stehe in besonderer Weise an der Seite der Schutzbedürftigen, wird in dem Text betont. Kritisch betrachten die Bischöfe "die Kriminalisierung der Seenotrettung an den Außengrenzen Europas" und pochen auf menschliche Lösungen beim Familiennachzug. (KNA)