Katholische Unternehmer kritisieren Bischof Hanke hart
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BKU-Vorsitzender Ulrich Hemel zum Eichstätter Finanzskandal

Katholische Unternehmer kritisieren Bischof Hanke hart

Bischof Hanke sei überfordert, ihm fehle die notwendige Kompetenz: Der Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer, Ulrich Hemel, hat den Eichstätter Oberhirten und seine Rolle im Finanzskandal scharf kritisiert.

Augsburg - 20.05.2018

Drei Monate nach Bekanntwerden des Finanzskandals im Bistum Eichstätt hat der Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer, Ulrich Hemel, Bischof Gregor Maria Hanke hart kritisiert. "Bischof Hanke ist meiner Meinung nach mit der Aufarbeitung des Finanzskandals überfordert - schon deshalb, weil er nicht die notwendige ökonomische Kompetenz hat", sagte Ulrich Hemel der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). Auf die Frage, ob Hanke zurücktreten sollte, antwortete Hemel: "Mir wäre eine Reform der gesamten kirchlichen Finanzverwaltung lieber als der Rücktritt eines einzelnen Bischofs."

Überdurchschnittlich hohe Zahl von Kirchenaustritten

Das Bistum hat seit Bekanntwerden des Skandals eine überdurchschnittlich hohe Zahl von Kirchenaustritten verzeichnet. Das Standesamt in Eichstätt zählte nach Informationen der "Augsburger Allgemeinen" im laufenden Jahr bereits fast so viele Kirchenaustritte aus der katholischen Kirche wie im gesamten Jahr 2017. Insgesamt waren es bislang 98 (2017: 101).

Josef Zinsmeister, Leiter des Standesamtes in Eichstätt, sagte der Zeitung: "Kein Ereignis in den letzten Jahrzehnten hat eine so hohe Zahl von Kirchenaustritten nach sich gezogen."

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Ulrich Hemel ist Vorsitzender des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU).

Das Bistum Eichstätt hatte den Finanzskandal im Februar selbst öffentlich gemacht; bereits im Sommer 2017 hatte Hanke Strafanzeige gestellt. Der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor und ein weiterer Beschuldigter sollen rund 60 Millionen US-Dollar in großteils unbesicherten Krediten zu Projekten auf dem US-Immobilienmarkt angelegt haben.

Schaden könnte noch viel höher ausfallen

Beide wurden Ende Januar verhaftet. Ihnen wird Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen. Mittlerweile ist der Haftbefehl gegen den ehemaligen Mitarbeiter der Diözese außer Vollzug gesetzt worden. Laut Staatsanwaltschaft legten sie Teilgeständnisse ab.

Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von einem gesicherten Vermögensschaden für das Bistum von mindestens rund einer Million Dollar (840.000 Euro) aus. Dieser sei durch Bestechungszahlungen entstanden. Womöglich falle der tatsächliche Schaden noch höher aus. Die Anwälte des Bistums befürchten, dass er im zweistelligen Millionenbereich liegen wird. (KNA)