Das Kloster Arenberg ist ein Kloster der Dominikanerinnen in Koblenz-Arenberg.
Bild: © KNA
Erstmals laden deutschlandweit Ordensgemeinschaften zum Besuch ein

Tag der offenen Klöster

Orden - 

Oberhausen/Bonn - 05.05.2014

Interview mit Schwester Kerstin Marie

Aber wie kommt man überhaupt auf die Idee, einen "Tag der offenen Klöster" anzubieten? Schwester Kerstin-Marie Berretz OP ist Arenberger Dominikanerin, im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Berufungspastoral der Orden (AGBO) und hat den Tag organisiert. Im Interview spricht sie über Vorurteile gegenüber Ordensleuten und das Leben im Kloster.

Schwester Kerstin-Marie Berretz ist Arenberger Dominikanerin und organisiert den "Tag der offenen Klöster".

Frage: Schwester Kerstin-Marie, an wen richtet sich dieses besondere Angebot?

Kerstin-Marie Berretz: Zum einen möchten wir Menschen, die um uns herum sind und mit denen wir nicht mehr so häufig in Kontakt sind, zu uns einladen und ihnen die Möglichkeit geben, einmal zu sehen, wie wir leben, was unser Leben ausmacht, was uns bewegt. Ordensleute sieht man nicht mehr so häufig wie früher im Straßenbild. Und man hat auch nicht mehr das "achte Sakrament", wie man in Köln sagt - die Tante im Kloster. Deshalb gibt es viele Vorurteile über das Leben im Kloster. Wir möchten unsere Türen aufmachen und Menschen einladen, mit uns ins Gespräch zu kommen. So lernen auch wir sie besser kennen.

Frage: Möchten Sie dabei auch für das klösterliche Leben werben?

Berretz: Natürlich, weil unser Leben sehr schön ist. Wir möchten an dem Tag auch Menschen einladen zu entdecken, was unser Leben ausmacht. Wir haben den Tag mit dem Zentrum für Berufungspastoral in Freiburg vorbereitet. Und wenn dann tatsächlich jemand auf die Idee kommt und sagt, das ist ja wirklich ansprechend, dann freuen wir uns natürlich. Aber es ist nicht so, dass wir sagen: Wenn am 11. Mai nicht 100 Leute in die Gemeinschaften eintreten, dann war der Tag ein Misserfolg.

Frage: Welche Klöster machen mit?

Berretz: Die AG Berufungspastoral der Orden ist eine Arbeitsgruppe der Deutschen Ordensoberenkonferenz, deshalb sind in erster Linie deren Mitgliedsgemeinschaften und die Vereinigung Katholischer Orden zur Förderung internationaler Solidarität e.V. (VKO) eingeladen. Das ist eine freiwillige Sache, jedes Haus muss für sich überlegen, ob das am 10. Mai überhaupt möglich ist und passt - manche haben dann auch schon andere Veranstaltungen, oder sie spricht das Konzept nicht an. Wir haben im Internet eine eigene Seite zum "Tag der offenen Klöster" eingerichtet mit einer Deutschlandkarte mit allen angemeldeten Gemeinschaften. Man kann auch eine Route planen, wie man von einem Kloster zum anderen kommt.

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Vor dem ersten "Tag der Klöster" am 10. Mai ein erster Blick hinter die Türen...

Frage: Öffnen auch besondere Klöster ihre Türen?

Berretz: Es gibt ganz viele Highlights. Ich finde es beeindruckend, dass es auch strenger klausuriert lebende Gemeinschaften gibt, die ihre Pforten öffnen, etwa der Karmel in Berlin am Heckerdamm oder die Nazarethschwestern in Bannewitz-Goppeln. Es gibt auch die Gelegenheit, in der Wohnung der Missionsärztlichen Schwestern in Berlin-Marzahn vorbeizuschauen. Die Benediktinerinnen in Mariendonk öffnen ihre Werkstätten - die Stickerei, Weberei, Näherei und das Zeichenatelier. Die Franziskaner in Vossenack führen ein Märchen der Gebrüder Grimm als Marionettentheater auf. In Allensbach-Hegne feiern sieben Schwestern 50-jähriges Professjubiläum. Und die Klöster am Nordufer des Bodensees haben ihr Programm so aufeinander abgestimmt, dass man an diesem Tag mit dem Rad sozusagen eine Klostertour machen könnte. Das Programm ist so bunt und vielfältig wie auch die Gemeinschaften sind.

Frage: Widerspricht die Idee vom "Tag der Klöster" dem Gedanken des Klosters als Ort der Abgrenzung und dem Wunsch, für sich sein?

Berretz: Wir vergleichen das immer mit der eigenen Wohnung. Überlegen Sie: Wen lassen Sie in Ihr Schlafzimmer, wenn Sie Besuch bekommen? Und so haben auch wir im Kloster einfach Orte, wo wir sagen, da kommt nicht jeder Besucher hin, weil es privat ist. Und an diesem einen Tag machen wir an einigen Punkten eine Ausnahme und sagen: Heute laden wir auch einmal alle in unser Refektorium, unser Erholungszimmer oder wohin auch immer ein. Und dann kann man einmal alle wilden Bilder und Vorstellungen, die es gibt, überprüfen. Wir laden auch zum gemeinsamen Grillen oder Kaffeetrinken ein. Dabei kann man gut über das Klosterleben ins Gespräch kommen und erfahren, warum wir beispielsweise die Klausur oder Gebetszeiten in aller Herrgottsfrühe haben.

Das Interview führte Angelika Prauß (KNA)

Zahlen und Fakten zum Thema "Orden"

Rund 19.300 Ordensfrauen und knapp 4.700 Ordensmänner, davon rund 3.140 geweihte Priester, leben laut Ordensoberenkonferenz (Stand Ende 2012) in Deutschland. Diese verteilen sich auf 1.627 klösterliche Niederlassungen bei den Frauen und 461 bei den Männern. Die Zahl der eingetragenen Frauenorden liegt bei 324, die der Männerorden bei 109. Bei den Mitgliederzahlen stehen bei Männern und Frauen die Benediktiner an erster Stelle, gefolgt von den Franziskanern. Bei den Männern sind 45 Prozent jünger als 65 Jahre und 55 Prozent älter. Die Frauen sind in großer Mehrheit älter als 65 Jahre (84 Prozent), nur 16 Prozent sind unter 65 Jahre alt. In Frauen- und Männerorden sinkt die Zahl der Mitglieder. Bei den Frauen waren es Ende 2011 noch rund 1.000 und bei den Männern 100 mehr als 2012. Dabei gab es 2012 insgesamt 83 männliche und 104 weibliche Neuanwärter, Novizen.

Wo bitte geht's zum Kloster?

Am Tag der offenen Klöster nehmen bundesweit mehr als 300 Klöster und Konvente teil. Wie man die am besten erreicht, zeigt die Karte.