Schachfigur
Jeremias Schröder über die Kirche und das Alter

Katholische Gegenkultur zum Jugendwahn

Standpunkt - Jeremias Schröder über die Kirche und das Alter

Von Jeremias Schröder OSB |  Bonn - 07.08.2018

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Dass es einer Kirche, die so groß ist wie die Catholica, immer noch und immer wieder gelingt, Gegenkultur zu sein, ist schon beachtlich. Besonders ins Auge fällt mir das immer beim Kardinalskonsistorium in Rom, zuletzt am 28. Juni. Da kommen viele gereifte Männer zusammen – Durchschnittsalter derzeit 78,5 Jahre – um die Aufnahme einiger weiterer Männer in den Kreis zu feiern, die unwesentlich jünger sind. Die Bilder sprechen Bände.

Und obwohl es vielleicht auch spöttische Kommentare gibt, meine ich das mit der Gegenkultur ganz ernst. In einer Zeit, in der Jugendlichkeit zum Fetisch geworden ist, und in der erst sehr allmählich durchsickert, dass die Erfahrung und das Wissen der Alten viel zu früh aus unserem Arbeitsleben verschwinden, ist das Kardinalskollegium ein echtes Zeugnis für die weise Erkenntnis: Alte Menschen können auch jenseits der 65 noch Vieles und Großes leisten – vielleicht nicht immer jeder, aber eben doch sehr viele. Sie bringen sogar Überraschungen zustande, wie etwa bei der letzten Papstwahl. Das hat auch eine demokratische Qualität. Keiner muss sich von vornherein ausgeschlossen fühlen, denn hohes Alter steht ja grundsätzlich erst einmal jedem offen. Wer noch zu jung ist, kommt irgendwann noch ins Kandidatenalter.

Nicht so verhält es sich allerdings mit einer anderen Dimension dieser Kardinals-Gegenkultur – die Beschränkung auf Männer. Da bezweifle ich eher, dass das heute noch als echtes Zeugnis durchgeht. Man kann es wohl auch mit der Gegenkultur übertreiben, und dann schlägt sie um: von nützlicher Irritation in belanglose Irrelevanz.

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

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