Rosch Haschana: Das jüdische Neujahrsfest
Fischkopf und Honigapfel: Viele Traditionen begrüßen das neue Jahr

Rosch Haschana: Das jüdische Neujahrsfest

Rosch Haschana steht vor der Tür! Noch nie davon gehört? Dabei leitet sich unser Neujahrsgruß "Guten Rutsch" davon ab – vielleicht jedenfalls. Katholisch.de stellt das jüdische Neujahrsfest vor.

Von Valerie Mitwali |  Bonn - 18.09.2020

Bereits das Buch Levitikus (hebr. Wajjiqra) erwähnt den ersten Tag des jüdischen Monats Tischri, der den Beginn des neuen Jahreskreislaufs markiert (vgl. Lev 23,24). In der jüdischen Diaspora wird das Fest traditionell zwei Tage lang gefeiert – die Kommunikation mit den entfernten religiösen Zentren war schwierig und durch die Verlängerung sollte sichergestellt werden, dass mindestens ein Tag gemeinsam gefeiert werden kann. Das Reformjudentum sieht in der Diaspora einen dauerhaften Zustand und verzichtet daher auf den zweiten Tag.

Rosch Haschana ist ein Tag der Freude

Rosch Haschana erinnert an den Jahrestag der Schöpfung von Adam und Eva, als die Menschheitsgeschichte ihren Anfang nahm. Gott ist König über alle Menschen und weiß um ihre Taten. Das jüdische Neujahrsfest gilt daher auch als Tag des Gerichts über alle Völker. Die zehn darauf folgenden "Tage der Reue" laden zu innerer Umkehr ein und gipfeln in Jom Kippur, dem großen Versöhnungstag und heiligsten jüdischen Fest. Trotz dieser ernsten Thematik ist Rosch Haschana ein Tag der Freude. Die Gläubigen gedenken der barmherzigen Zuwendung des Herrn und bitten um ein glückliches neues Jahr.

Wenn der erste Tag des jüdischen Monats Tischri nicht auf einen Sabbat fällt, der frei von jeder Arbeit sein soll, beginnt das Neujahrsfest mit dem Blasen eines Widderhorns, das Schofar genannt wird. Ähnlich wie christliche Kirchenglocken unterbricht der Klang des Schofars den Alltag und ruft zum Gebet auf. Bereits in der jüdischen Antike wurde bei Königskrönungen das Widderhorn geblasen. An Rosch Haschana erinnert das Schofar zusätzlich an die Erschaffung der Welt, die den Anfang von Gottes Herrschaft darstellt.

Nach dem Gebet in der Synagoge gehen viele Juden an einen See, Fluss oder ans Meer. Dort werfen sie symbolisch ihre Sünden ins Wasser, indem sie besondere Gebete sprechen und dabei ihre Taschen entleeren. Dieses Ritual wird Taschlich genannt. Gott soll in seinem Erbarmen alle Sünden "in die Tiefen des Meeres werfen" (Micha 7,19), damit die Gläubigen versöhnt in das neue Jahr gehen können.

Süße Äpfel für ein süßes Jahr

Im Anschluss an Taschlich findet im Familienkreis ein Festessen statt. Viele Nahrungsmittel haben hierbei eine besondere Bedeutung. Eine der markantesten Traditionen zu Rosch Haschana ist das Eintauchen von Äpfeln in Honig als Ausdruck der Hoffnung auf ein "süßes" neues Jahr. Ebenfalls in Honig eingetaucht wird das Challa, das jüdische Feiertagsbrot. Es erinnert an Ernte und Aussaat und verbindet so Vergangenheit und Zukunft. Je nach Region sind auch Granatäpfel an Rosch Haschana beliebt, deren Kerne reichen Segen symbolisieren. Und kein jüdisches Fest ist vollständig ohne süßen Wein, über den das rituelle Gabengebet Kiddusch gesprochen wird.

Dass viele Gläubige am Neujahrstag einen Fischkopf essen, ist nicht nur ein Wortspiel mit dem Namen des Festes. Wörtlich übersetzt bedeutet Rosch Haschana "Kopf des Jahres". Das Verzehren eines Fischkopfes symbolisiert den guten Vorsatz, Selbstbeherrschung zu üben und Herr über sich selbst zu sein. Lange Zeit galt es als sicher, dass unser Neujahrsgruß "Guter Rutsch" eine Verballhornung des hebräischen Rosch Haschana ist. Mittlerweile ist diese These umstritten. Die Redewendung sei erst um 1900 entstanden, obwohl Juden schon seit vielen Jahrhunderten in Deutschland leben. Vielleicht meint das "Rutschen" hier auch auf einfach das "Reisen" in ein neues Kalenderjahr. So oder so: Guten Rutsch ins neue Jahr – oder "Schana Towa"!

Von Valerie Mitwali