Hochstapler führte jahrelang jüdische Gemeinde
Er ist weder gebürtiger noch konvertierter Jude

Hochstapler führte jahrelang jüdische Gemeinde

Ganze 15 Jahre lang konnte er "seine" Gläubigen an der Nase herumführen, jetzt wurde bekannt: Der jüdische Gemeindeleiter von Pinneberg ist gar kein Jude. Das ist seine Begründung für den Schwindel.

Pinneberg - 22.10.2018

Laut einem Bericht des "Spiegel" (Samstag) wird die jüdische Gemeinde in Pinneberg seit 2003 von einem Hochstapler geführt. Der 71-jährige Wolfgang Seibert sei entgegen eigener Angaben weder gebürtiger noch konvertierter Jude. Dokumente aus städtischen und kirchlichen Archiven der Stadt Frankfurt am Main belegten, dass Seiberts Familie seit Generationen evangelisch sei.

Frei erfundene Familiengeschichte

Auch Seiberts Aussage, seine Mutter und seine Großeltern seien Holocaust-Überlebende, sei frei erfunden. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater hätten während des Zweiten Weltkriegs in der Wehrmacht gedient. Der 71-jährige sei zudem mehrfach wegen Betrugs und Unterschlagung vorbestraft. Seit 2003, so der "Spiegel", stehe Seibert an der Spitze der 250 Mitglieder starken jüdischen Gemeinde in Pinneberg. Derzeit leite er dort auch die Gottesdienste.

Nach Angaben des Magazins will er sein Amt niederlegen. Zu den von ihm verbreiteten Geschichten habe Seibert wörtlich gesagt: "Ich denke, ich wollte zu meiner gefühlten jüdischen Identität eine jüdische Geschichte haben."

Mit Hochstaplern hat auch die katholische Welt ihre Erfahrungen gemacht. Bekannt ist etwa der Fall des Serienbetrügers "Don Romano": Seit über 30 Jahren gibt sich der Franzose Edmond Romano als katholischer Priester aus und stand deshalb bereits 24-mal vor Gericht; der jüngste Prozess fand im Sommer dieses Jahres statt. (tmg/KNA)