Erzbistum Köln meldet vier mutmaßliche Missbrauchstäter
Beschuldigte Priester aktuell nicht mehr im Dienst

Erzbistum Köln meldet vier mutmaßliche Missbrauchstäter

Gegen die Priester wurden bereits Sanktionen ausgesprochen und kirchenrechtliche Verfahren eingeleitet. Aufgrund neuer Erkenntnisse hat das Erzbistum Köln jetzt jedoch auch die zuständigen Staatsanwaltschaften informiert.

Köln - 30.10.2018

Das Erzbistum Köln hat vier mutmaßliche Fälle sexuellen Missbrauchs gemeldet. Die Staatsanwaltschaften Bonn, Düsseldorf und Koblenz seien informiert worden, teilte das Erzbistum am Montag mit. Es gehe um Vorkommnisse aus den 1970er und 1980er Jahren. Die jetzt erfolgten Meldungen basierten sowohl auf neuen Informationen von Betroffenen als auch auf Erkenntnissen der internen Akten-Aufarbeitung, die im Zuge der deutschlandweiten Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche stattgefunden habe.

Bei den Beschuldigten handele es sich um Priester aus dem Erzbistum Köln, bei denen bereits Sanktionen ausgesprochen und kirchenrechtliche Verfahren in die Wege geleitet worden seien. Alle Beschuldigten seien bereits längere Zeit nicht mehr im Dienst. Auch die öffentliche Ausübung des priesterlichen Dienstes sei ihnen untersagt. Generalvikar Markus Hofmann versicherte, alle Erkenntnisse würden an die Strafbehörden weitergegeben. "So gehen wir konsequent und transparent den Weg weiter, den unser Erzbischof festgelegt hat." Unabhängig von den jetzt gemeldeten Fällen hatte Kardinal Rainer Maria Woelki bereits im September eine weitergehende und unabhängige Aufklärung des Umgangs mit sexuellem Missbrauch in seinem Bistum angekündigt.

Juraprofessoren stellen Strafanzeige gegen unbekannt

Derzeit steht die katholische Kirche weltweit vor allem wegen Missbrauchsskandalen in der Kritik. Für Deutschland hatten Wissenschaftler Ende September in Fulda eine eigene Studie über sexuellen Missbrauch vorgestellt. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte das Forscherteam Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Die Experten gehen zudem von weiteren Fällen aus, die nicht in den Akten erfasst sind. In vielen Fällen wurde der Missbrauch – etwa durch Versetzungen – vertuscht. Namen von mutmaßlichen Tätern oder Vertuschern nennt die anonymisierte Studie allerdings nicht.

Am Freitag hatten sechs Juraprofessoren die Studie dennoch zum Anlass genommen, Strafanzeigen gegen unbekannt bei jenen Staatsanwaltschaften einzureichen, die für die 27 Diözesen in Deutschland zuständig sind. In ihrer elfseitigen Begründung heißt es, dass ein zwingender Anlass zur Einleitung von "Ermittlungsmaßnahmen zur Überführung der Täter" bestehe, "etwa für eine Durchsuchung von Archiven und die Beschlagnahme der vollständigen, nicht anonymisierten Akten". Nach einem Bericht des "Spiegel" prüfen fünf Staatsanwaltschaften Ermittlungen. (bod/dpa)