Schachfigur
Standpunkt

Bitte keine strategischen Allianzen gegen die "Welt"

Pater Nikodemus Schnabel hat sich dem Dialog zwischen Religionen und Konfessionen verschrieben. Umso mehr beunruhigt den Benediktinermönch ein neuer Ton, der sich seit einiger Zeit in der Ökumene eingeschlichen hat.

Von Pater Nikodemus Schnabel |  Bonn - 16.11.2018

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Zu Beginn möchte ich mich outen: Die innerchristliche Ökumene und Der interreligiöse Dialog sind zwei meiner großen Lebensthemen, mit denen ich mich mit größter Leidenschaft und mit viel Herzblut verschrieben habe, da sie in Jerusalem zu einer echten Berufung werden können.

In jüngster Zeit mischen sich in die Ökumene und den interreligiösen Dialog aber Stimmen ein, die mich sehr nachdenklich stimmen. War es vor einigen Jahren noch selbstverständlich, dass ein in der Ökumene Engagierter oder eine im interreligiösen Dialog Aktive sich nicht nach einem geschützten heimeligen "Sakrotop" sehnten, sondern angstfrei und neugierig der Welt begegneten, so finden sich auf einmal auch identitäre Diskurse in der Ökumene und im interreligiösen Dialog wieder: Vornehm und höflich bietet man sich "strategische Allianzen" an.

Die militärische Terminologie sollte bereits aufhorchen lassen. Haben sich früher ab und zu Konfessionen gegen eine fremde Religion verbündet, so geht es jetzt um einen interreligiösen Schulterschluss gegen die "Welt". Die "Welt" dient hierbei als Synonym für Unglaube, Materialismus, Hedonismus und Sittenverfall. Dieser sehr kulturpessimistische Blick auf die Welt offenbart zugleich ein sehr liebloses Menschenbild, das die Menschen mit ihren Sehnsüchten vor allem mit Argwohn, statt mit Compassio anschaut.

Wenn die Ökumene und der interreligiöse Dialog für die Zukunft gerettet und nicht in kleinkarierte identitäre Sackgassen hineinmanövriert werden sollen, geht das meines Erachtens nur, wenn wir Gläubige von "strategischen Allianzen" gegen die "Welt" ablassen und uns stattdessen im Dialog der Welt öffnen, insbesondere auch den Nicht-Glaubenden, um noch viel hellhöriger für ihre Fragen und Sehnsüchte zu werden, um ihnen gegenüber sprachfähiger zu werden und vor allem um von ihnen auch ernsthaft lernen zu wollen. Entweder wir machen uns zusammen mit allen Menschen auf den Weg der Gottsuche oder wir werden wohl die Frage nach Gott in Zukunft nicht mehr glaubwürdig wach halten können!

Von Pater Nikodemus Schnabel

Der Autor

Pater Nikodemus Schnabel OSB ist Benediktinermönch der Dormitio-Abtei in Jerusalem.

Hinweis

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