Hamburger Friedhof plant Mensch-Tier-Bestattungen
Gemeinsames Grab mit Hund oder Katze?

Hamburger Friedhof plant Mensch-Tier-Bestattungen

Wo der Hund begraben liegt, dürfen Menschen in Deutschland nicht bestattet werden. Doch das könnte sich ändern. Ein Friedhof in Hamburg überlegt, gemeinsame Mensch-Tier-Bestattungen zu ermöglichen. Die Kirche hat dazu eine klare Haltung.

Hamburg - 20.11.2018

Auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf können sich Verstorbene künftig möglicherweise das Grab mit einem Tier teilen. Der Friedhof überlege derzeit, Grabstätten anzubieten, in denen Mensch und Tier gemeinsam beigesetzt werden könnten, sagte der Geschäftsführer des Friedhofs, Carsten Helberg, am Montag dem Radiosender NDR 90,3. "Wir hören immer wieder von Menschen, die den Wunsch danach haben", so Helberg. Welche Tierarten für solch eine Bestattung in Frage kämen, sei noch offen. Zunächst denke man aber an Hunde und Katzen. Die Tiere müssten verbrannt und ihre Asche in Urnen überführt werden.

Weil Tiere als "Grabbeigabe" in Hamburg derzeit noch verboten sind, müsste die Bürgerschaft das entsprechende Gesetz ändern. Die Grünen im Hamburger Rathaus finden die Idee laut NDR 90,3 gut – schließlich sei bei vielen Menschen die Verbindung zu ihrem Haustier so eng, dass sie sich auch eine gemeinsame Grabstätte wünschten. Der Koalitionspartner SPD sei dagegen etwas zurückhaltender: Erst einmal sollten die rechtlichen Fragen geklärt werden, bevor überhaupt über die Vor- und Nachteile eines gemeinsamen Mensch-Tier-Friedhofes diskutiert werde. Die oppositionelle CDU lehnt den Vorschlag laut dem Radiosender dagegen ab: Ein Friedhof sollte Ort des Gedenkens an die Menschen bleiben, Tiere sollten weiterhin nur auf einem Tierfriedhof bestattet werden.

Kirchen sind gegen Mensch-Tier-Bestattungen

Sollte die Bürgerschaft dennoch grünes Licht für die Pläne des Friedhofs geben, wäre Hamburg eine der wenigen Städte in Deutschland, in der gemeinsame Bestattungen von Mensch und Tier möglich wären. Mensch-Tier-Bestattungen sind umstritten; insbesondere die Kirchen sprechen sich dagegen aus. Möglich sind solche Bestattungen derzeit meist nur dann, wenn sich Kommunen einer juristischen Lücke bedienen. Laut Bestattungsgesetz sind Friedhöfe lediglich für Menschen da. Tiere sind jedoch rechtlich betrachtet Sachen. Somit können sie als "Grabbeilage" angesehen werden.

Der Friedhof im Hamburger Stadtteil Ohlsdorf wurde 1877 eingeweiht und ist mit 389 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt. Über das gesamte Areal verteilen sich rund 202.000 Grabstätten; bis heute kommen jährlich etwa 4.500 Beisetzungen dazu. Das Aussehen des Friedhofs ist bestimmt durch den Parkcharakter der Anlage mit einigen hundert Laub- und Nadelholzbäumen sowie zahlreichen Teichen und Bächen. (stz)